Wiener Spitalskonzept 2030 formell beschlossen

Video: Zukunft der Gesundheitsversorgung in Wien

Die baulichen Notwendigkeiten und Standortüberlegungen des Wiener Spitalskonzepts 2030 wurden am 28. Juni 2012 von der Wiener Gesundheitsplattform formell beschlossen. Wien richtet in Abstimmung mit der Wiener Gebietskrankenkasse seine Gesundheitsversorgung mit der Perspektive 2020 neu aus.

Damit wird den demografischen und technologischen Veränderungen auch gesundheitsplanerisch Rechnung getragen und die Gesundheitsversorgung in Wien für die nächsten Jahrzehnte gesichert.

Am 17. März 2011 stellte Gesundheitsstadträtin Mag.a Sonja Wehsely die neu entwickelte Gesundheitsstrategie für die nächsten 20 Jahre vor.


Herausforderungen

Die Stadt Wien geht bewusst nicht den Weg der Privatisierung städtischer Krankenanstalten. Aber die Kostenentwicklung muss neben einer guten Gesundheitsversorgung im Zentrum aller Überlegungen und Planungen liegen.

Das Wiener Gesundheitswesen steht vor massiven Herausforderungen:

  • Die demographische Entwicklung verlangt nach einer stetigen rollierenden Planung.
  • Der niedergelassene Bereich hat für die gesundheitliche Versorgung der Wienerinnen und Wiener nicht jene Rolle, die für ein funktionierendes Zusammenspiel von Spitälern und extramuralem Bereich notwendig wäre.
  • Die medizinische Innovation und deren Finanzierung werden nur durch die Spitäler getragen.
  • Das Budget des Wiener Krankenanstaltenverbunds stieg zwischen 2004 und 2009 jährlich um 5,7 Prozent, während das Bruttoinlandsprodukt um durchschnittlich 2,1 Prozent wuchs.
  • Die KAV-Spitäler haben eine sehr alte Bausubstanz. Ihre Erhaltung ist extrem teuer.

Die Stadt Wien entwickelt daher eine Gesundheitsstrategie für die nächsten 20 Jahre. Das Wiener Spitalskonzept 2030 setzt auf acht Eckpunkte.

1. Mehr Qualität

Visualisierung des neuen Krankenhauses von außen

Seit 2011 wird in der Brünner Straße in Floridsdorf das neue Krankenhaus Nord gebaut.

Künftig werden sieben zentrale Spitalsorganisationen des Wiener Krankenanstaltenverbundes die Versorgung der Wienerinnen und Wiener aufeinander abgestimmt und einander ergänzend übernehmen. Standorte werden konzentriert, um künftig gemeinsam ihre medizinischen Leistungen zu erbringen.

Es gibt gute Erfahrungen mit der Konzentration auf Spitäler mit bestimmten Schwerpunktleistungen. Beispiele sind etwa die Übersiedlung des Mautner Markhof'schen Kinderspitals in die Krankenanstalt Rudolfstiftung 1998. Oder ein Jahr später die Übersiedelung der Kinderklinik Glanzing ins Wilhelminenspital.

Diese Entwicklung geht mit dem Wiener Spitalskonzept 2030 weiter. 2030 soll es in Wien sieben zentrale Spitalsorganisationen geben:

AKH Wien

Das AKH Wien ist die einzige Zentralkrankenanstalt in Ostösterreich. Sie wird gemeinsam mit der medizinischen Universität Wien betrieben. Das Angebot umfasst alle medizinischen Sonderfächer. Das AKH Wien Wien führt derzeit 1.864 Betten.

SMZ Ost - Donauspital

Das Donauspital ist das bis dato jüngste KAV-Spital und hat ebenfalls Angebote in allen medizinischen Sonderfächern. Es hat 954 Betten. Die Regionalpsychiatrie ist bereits dezentral vor Ort, ebenso wie im Kaiser-Franz-Josef-Spital. Für die Zeit nach der Eröffnung des Krankenhauses Nord werden bereits jetzt Überlegungen zur wechselseitigen Unterstützung der beiden Standorte nördlich der Donau angestellt.

Wilhelminenspital

Das Wilhelminenspital wird 1.134 Betten in fast allen medizinischen Sonderfächern bereithalten. Die Verlagerung von zwei psychiatrischen Regionalabteilungen an diesen Standort ist vorgesehen, ebenso die Etablierung einer Kinder- und Jugendpsychiatrie im Zusammenwirken mit der Kinderheilkunde. Die chirurgische Abteilung wird einen besonderen Versorgungsschwerpunkt im Bereich der Gefäßchirurgie entwickeln.

Krankenhaus Hietzing

Das Krankenhaus Hietzing wird 882 Betten anbieten. Der Schwerpunkt des Hauses wird auf die Versorgung von älteren Patientinnen und Patienten und chronisch Erkrankten gelegt, die nicht im niedergelassenen Bereich behandelt werden können. Zusätzlich zu den großen Abteilungen für Neurologie und innere Medizin wird auch die orthopädische Abteilung aus dem Otto-Wagner-Spital nach Hietzing verlagert werden. Moderne Versorgungsformen wie Tages- oder Wochenkliniken werden in den Bereichen Augenheilkunde, Urologie und Gynäkologie angeboten. Dazu kommen zwei psychiatrische Abteilungen.

SMZ Süd – Kaiser-Franz-Josef-Spital

Das Kaiser-Franz-Josef-Spital wird 939 Betten haben. Der Schwerpunkt liegt im Bereich der inneren Medizin, es sind jedoch Versorgungsleistungen aus fast allen medizinischen Sonderfächern vorgesehen. Die Pulmologie wird aus dem Otto-Wagner-Spital verlagert und so die Bündelung der Angebote als "Infektionsspital" abrunden. Das Suchtzentrum für akuten und subakuten Entzug wird die psychiatrische Versorgung komplettieren.

Krankenanstalt Rudolfstiftung

Die Krankenanstalt Rudolfstiftung bleibt weitgehend unverändert, nicht zuletzt aufgrund des beschränkten Raumangebots. Die Regionalpsychiatrie für den 3., 4. und 11. Bezirk wird gerade errichtet. Die plastische Chirurgie wird abgesiedelt.

Krankenhaus Nord

Das neue Krankenhaus Nord wird 785 Betten führen. Es übersiedeln die Kardiologie und die Herzchirurgie aus Hietzing, die Psychiatrie und die Pulmologie aus dem Otto-Wagner-Spital, die Orthopädie aus Gersthof, die Geburtshilfe aus der Semmelweisklinik und das gesamte Angebot aus Floridsdorf. Dazu kommt eine neue unfallchirurgische Abteilung sowie eine Kinder- und Jugendpsychiatrie.

2. Mehr Investitionen

Eine moderne Infrastruktur für die Wiener Krankenhäuser ist die notwendige Voraussetzung für eine erfolgreiche und effiziente Gesundheitsversorgung. Durchschnittlich gerechnet sind Wiens Spitäler über achtzig Jahre, fünf Standorte sogar über hundert Jahre alt.

Die Konzentration auf sieben Standorte mit den notwendigen Um- und Zubauten garantiert, dass ein vernünftiges Maß an Mitteln in bauliche Maßnahmen fließt, der Löwenanteil jedoch in die Versorgung der Patientinnen und Patienten.

3. Mehr Eigenständigkeit

Der Krankenanstaltenverbund bekommt bei 100-prozentiger Eigentümerschaft durch die Stadt Wien eine neue Struktur, die mehr Handlungsfähigkeit ermöglicht.

Mit der Veränderung des Statuts werden mehr Gestaltungsmöglichkeiten und klarere Verantwortlichkeiten als Basis für ein selbständigeres, rascheres und wirtschaftlicheres Arbeiten verankert. Entscheidungsstrukturen werden damit beschleunigt und verbessert.

4. Mehr Transparenz

Transparenz in Sachen Qualität bietet für die Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörige eine wesentliche Orientierungsgrundlage. Der KAV hat ein Indikatorenset zur Messung von Ergebnisqualität erarbeitet. Dadurch kann die medizinische und pflegerische Ergebnisqualität ermittelt werden. Die Ergebnisse sind Grundlage für den kontinuierlichen Verbesserungsprozess.

5. Mehr Kostenkontrolle

Das Budget des Wiener Krankenanstaltenverbunds stieg zwischen 2004 und 2009 jährlich um 5,7 Prozent, während das Bruttoinlandsprodukt um durchschnittlich 2,1 Prozent wuchs. Der Anteil des KAV an den Gesamtausgaben Wiens ist von rund zehn Prozent 2002 auf 14,45 Prozent im Budget 2011 gestiegen.

Damit mehr Kostenkontrolle gewährleistet werden kann, ist eine längerfristige Budgetperspektive das Ziel. Alle Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung müssen realisiert werden. Ausgehend davon gibt es klare Zielvorgaben für die einzelnen Gesundheitseinrichtungen des KAV. Angestrebt wird ein wirtschaftlicheres Arbeiten des Wiener Krankenanstaltenverbundes.

Neues Aufsichtsgremium für den KAV

6. Mehr MitarbeiterInnenzufriedenheit

Die Zahl der KAV-Spitalsärztinnen und -ärzte hat sich seit dem Jahr 2005 um über sechs Prozent erhöht, die Zahl des diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegepersonals um über drei Prozent. Wien hat im Gesundheitsbereich die intensivste Personalausstattung aller österreichischen Bundesländer.

Keine Mitarbeiterin und kein Mitarbeiter im KAV muss um den Arbeitsplatz fürchten. Der MitarbeiterInnenstand lässt sich jedoch nicht beliebig erweitern. Das ist nicht leistbar, nicht sinnvoll und auch keine Garantie für höhere MitarbeiterInnenzufriedenheit.

Wenn es um die Zufriedenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geht, sind insbesondere die Führungskräfte auf allen Ebenen gefordert. Arbeitszeiten, aber auch Gesundheitsförderung für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind dabei zentrale Themen.

7. Mehr Angebot

Das Spital der Zukunft richtet größeres Augenmerk auf die Erstversorgung, hat weniger stationäre Betten, erhöht aber die Anzahl der Intermediate Care- und Intensiv-Betten.

Mit der Verlegung von Bettenkapazitäten in den Norden und Osten Wiens wird die Versorgung treffsicherer und kommt den Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten entgegen. Die Schaffung von Tages- und Wochenkliniken und die Verkürzung der Verweildauer von Patientinnen und Patienten im stationären Bereich ermöglichen die Reduktion von stationären Betten. Das bringt viele Vorteile für Patientinnen und Patienten als auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Wartezeiten auf einen Operationstermin werden verkürzt, die Behandlungen können schneller durchgeführt werden. Patientinnen und Patienten wie Spitalsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter können das Wochenende zuhause bei ihren Familien verbringen.

Die Augenwochenklinik im Krankenhaus Hietzing ist ein gutes Beispiel dafür. Sie stellte erst jüngst ihren vollstationären Betrieb auf einen wochen- und tagesklinischen Betrieb um. Dadurch konnte die Anzahl an Aufnahmen deutlich gesteigert werden, obwohl die Klinik am Wochenende geschlossen ist.

8. Mehr PatientInnenorientierung

Rasche und gute Versorgung bei Erkrankungen ist das höchste Gebot. Das neue Krankenhaus Nord wird hier als Role Model dienen. Als erstes Spital in Österreich wird es über eine eigene bettenführende Abteilung für Notfallmedizin als zentrale Anlaufstelle für akut kranke Patientinnen und Patienten verfügen. Das bedeutet kürzere Wartezeiten für die Patientinnen und Patienten.

Aber nicht für jede Erkrankung ist ein Spital der richtige Behandlungsort. Wenn der niedergelassene Bereich den Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten bei den Öffnungszeiten entgegenkommt, dann können sich die Ambulanzen der Spitäler auf die Hilfe für Notfälle konzentrieren.

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