Wiener Spitalskonzept 2030

Mit dem Wiener Spitalskonzept 2030 werden die Wiener Gemeindespitäler zukunftsfit gemacht. Für die nächste Etappe der Umsetzung wurde ein Masterplan erarbeitet.

Video: Spitalskonzept 2030

Wien ist eine stark wachsende Stadt und wird dabei gleichzeitig älter und jünger. Der medizinische Fortschritt, von dem alle Wienerinnen und Wiener weiter profitieren sollen, ist rasant. Um diesen Herausforderungen gewachsen zu sein, sind eine langfristige Konzeption und eine weitreichende Perspektive notwendig.

Mit dem Wiener Spitalskonzept 2030 hat Wien 2011 bereits mit den notwendigen Reformen begonnen, um für die Wiener Patientinnen und Patienten die medizinische Qualität langfristig zu gewährleisten, dem europaweit bestehenden Privatisierungsdruck zu begegnen und dabei gleichzeitig die Finanzierbarkeit des öffentlichen Gesundheitssystems abzusichern.

Das bringt für alle Berufsgruppen im Gesundheitswesen und ihre Zusammenarbeit untereinander neue Herausforderungen. Für die nächste Etappe der Umsetzung des Wiener Spitalskonzeptes wurde daher von führenden Medizinerinnen und Medizinern ein Masterplan erarbeitet, die die medizinische Vorreiterrolle der Stadt Wien auch künftig sichern soll.

Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely und Bürgermeister Michael Häupl mit Ärztinnen und Ärzten bei der Präsentation des Masterplans

Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely und Bürgermeister Michael Häupl mit Ärztinnen und Ärzten bei der Präsentation des Masterplans

Bürgermeister Michael Häupl: "Es ist entscheidend, dass das Wiener Gesundheitswesen in öffentlicher Hand ist und gut funktioniert. Für Wien ist es eine besondere Herausforderung, notwendige Investitionen zu realisieren. Das liegt auch an den finanzpolitischen Rahmenbedingungen. Wir müssen daher ganz besonders vorausschauend planen und die Strukturen der Gemeindespitäler jetzt so konzipieren, dass sie in 15 Jahren modernste Medizin ermöglichen."

Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely: "Der KAV bietet heute Spitzenmedizin für alle. Um unserem sozialen Anspruch gerecht zu werden müssen wir aber sicherstellen, dass die hohe Qualität der medizinischen Versorgung erhalten bleibt, und das für alle Wienerinnen und Wiener. Dazu braucht es dieses langfristige Entwicklungs-, Modernisierungs- und Investitionsprogramm."

Qualität langfristig gewährleisten

Pflegerin und Pfleger bei einem Patienten

Das 2011 beschlossene Wiener Spitalskonzept sieht vor, dass 2030 sechs Gemeindespitäler aufeinander abgestimmt und einander ergänzend die Gesundheitsversorgung der Wienerinnen und Wiener übernehmen. Das AKH bleibt in seiner Sonderrolle als Universitätsspital bestehen und ergänzt dieses Angebot.

Der vom Krankenanstaltenverbund (KAV) erarbeitete Medizinische Masterplan legt nun fest, wo welche medizinischen Leistungen angeboten werden. Wien wird aus drei Versorgungsregionen bestehen, die von je zwei Partnerspitälern flächendeckend und aufeinander abgestimmt versorgt werden. Die Region West wird vom Krankenhaus Hietzing und Wilhelminenspital versorgt. Die Region Nord/Ost wird vom Krankenhaus Nord und vom Donauspital abgedeckt. In der Region Süd übernehmen das Kaiser-Franz-Josef-Spital und die Rudolfstiftung gemeinsam die Versorgung.

Alle Spitäler versorgen Notfälle und bieten erweiterte Grundversorgung

Partnerspitäler nach dem Wiener Spitalskonzepts mit Einzugsbereichen

Flächendeckende Versorgung durch Partnerspitäler nach dem Medizinischen Masterplan

In allen Gemeindespitälern wird es eine erweiterte Grundversorgung geben. Sie umfasst die Innere Medizin, Neurologie und Allgemeinchirurgie. Diese Leistungen werden in nahezu allen Häusern durch ein gynäkologisches Angebot ergänzt. Für medizinische Notfälle stellt die Zentrale Notaufnahme (ZNA) die erste Anlaufstelle dar. Diese beinhaltet unter anderem die neurologische Akutversorgung inklusive Schlaganfallbehandlung. In der Zentralen Notaufnahme erfolgt die Ersteinschätzung, Erstbegutachtung, Beobachtung und Behandlung akuter Patientinnen und Patienten rund um die Uhr.

Medizinische Schwerpunkte

Viele Erkrankungen können heute über das Zusammenwirken verschiedener Fachrichtungen optimal behandelt werden. In den Gemeindespitälern werden daher nach internationalem Vorbild interdisziplinäre Zentren geschaffen, in denen das Wissen von Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Bereichen gebündelt wird. Das erhöht die Behandlungsqualität und -sicherheit für die Patientinnen und Patienten sowie die Effizienz. Zu den interdisziplinären Zentren zählen die Onkologischen Zentren, die Zentren Innere Medizin, die Herz-Gefäß-Zentren und die Eltern-Kind-Zentren.

Zusätzlich werden Fachzentren eingerichtet, in denen kleinere Abteilungen aus mehreren Spitälern an einem Standort zusammengefasst werden. Bespiele für diese Zentren sind die neuen Ortho-Trauma-Zentren, das Augenzentrum oder das Dermatologie-Zentrum.

Partnerspitäler

Region West

Region Nord/Ost

Region Süd

KHR

WIL

DSP

KHN

KFJ

KAR

(Erweiterte) Grundversorgung

ja

ja

ja

ja

ja

ja

Onkologisches Zentrum

ja

ja

ja

Dermatologie-Zentrum

ja

Zentrale Notaufnahme

ja

ja

ja

ja

ja

ja

Zentrum Innere Medizin

ja

ja

ja

ja

ja

ja

Herz-Gefäß-Zentrum

ja

ja

ja

Augenzentrum

ja

Ortho-Trauma-Zentrum

ja

ja

Eltern-Kind-Zentrum

ja

ja

ja

ja

ja

ExpertInnen-Konzept

Der KAV ist dabei der Eckpfeiler der medizinischen Versorgung der Wienerinnen und Wiener. 400.000 stationäre Patientinnen und Patienten werden betreut, rund 3,5 Millionen Ambulanzbesuche pro Jahr gezählt. Mehr als 30.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt Wien arbeiten täglich daran, die bestmögliche Gesundheitsversorgung sicherzustellen.

Mehr als 500 KAV-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter haben die Reform erarbeitet, ein großer Teil davon führende Medizinerinnen und Mediziner des KAV. Sie haben neben ihrem eigentlichen Job viel Zeit und Energie investiert sowie ihre Erfahrung und Expertise zur Verfügung gestellt. Die Inhalte wurden in über 100 Sitzungen abgestimmt. Ein Beirat externer Expertinnen und Experten aus Österreich, Deutschland und der Schweiz begleitete den Prozess. Ende 2015 konnte die Planung abgeschlossen werden.

Umsetzung bei laufendem Betrieb

Die einzelnen Vorhaben müssen aufeinander abgestimmt werden, denn alle Veränderungen werden im laufenden Betrieb vorgenommen. Die teils bereits angelaufenen Planungen beinhalten unter anderem die erforderliche Entwicklung der Infrastruktur (Gebäude und Ausstattung), neuer Organisationsformen, neuer Führungsstrukturen in den Zentren und die Entwicklung und Qualifizierung von Personal.

Umsetzungsprojekte wurden bereits in den Bereichen Augenzentrum, Urologie, Zentrale Notaufnahmen, HNO, Plastische Chirurgie, Physikalische Medizin, Akutgeriatrie, Ortho-Trauma-Zentren, Pränataldiagnostik, Zentrum für Labormedizin, Zentrum für Pathologie, Strahlentherapie und Radioonkologie, Belegungsmanagement und Anästhesieambulanz sowie prästationäre Aufnahme gestartet.

Während der gesamten Umsetzungsphase ist die flächendeckende Versorgung der Patientinnen und Patienten sichergestellt. Die Verbesserungen werden nach und nach spürbar werden.

Informationsoffensive für KAV-MitarbeiterInnen

Zur Umsetzung des Spitalskonzepts wurde im KAV ein Medizinischer Masterplan und eine Master-BO erarbeitet. Die nächsten Schritte der Umsetzung des Wiener Spitalskonzeptes werden mittel- und langfristig den Arbeitsalltag aller Berufsgruppen im KAV verändern.

Ziel ist die Verbesserung der Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des KAV, die sich mehr auf ihre jeweiligen Kernkompetenzen konzentrieren sollen. Medizin und Pflege werden von administrativen Aufgaben entlastet. Verwaltungspersonal wird bereits jetzt aufgestockt. Insgesamt wird der Transformationsprozess über 15 Jahre dauern.

KAV-Generaldirektor Udo Janßen: "Ich verstehe, dass diese großen Veränderungen auch zu Unsicherheit und Sorge bei den KollegInnen führt. Daher starten wir mit dem heutigen Tag eine breite Informationsoffensive im Unternehmen. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhalten in diesen Tagen per Post erste umfassende Informationen. Darüber hinaus wird es Informationsveranstaltungen in allen Spitälern geben. Auch die Gewerkschaft und Personalvertretungen werden in den weiteren Transformationsprozess eingebunden sein."

Wiener Spitalskonzept 2030 - Medizinischer Masterplan und Master-Betriebsorganisation: 610 KB PDF

Verantwortlich für diese Seite:
wien.at-Redaktion
Kontaktformular