Psychosoziale Versorgung fit für die Zukunft

Im Mai 2018 wurde der Psychiatrische und Psychosomatische Versorgungsplan Wien 2030 vorgestellt. Angebote für Menschen mit psychischen Erkrankungen werden ausgebaut.

Chefarzt Psychosoziale Dienste Georg Psota, Koordinator für Psychiatrie, Sucht- und Drogenfragen der Stadt Wien, Ewald Lochner, Gesundheitsstadträtin Sandra Frauenberger und Krankenanstaltenverbund-Direktor Michael Binder

Chefarzt Psychosoziale Dienste Georg Psota, Koordinator für Psychiatrie, Sucht- und Drogenfragen der Stadt Wien, Ewald Lochner, Gesundheitsstadträtin Sandra Frauenberger und Krankenanstaltenverbund-Direktor Michael Binder (v.l.n.r.)

Die Versorgung von Wienerinnen und Wienern mit psychischen Erkrankungen soll weiter verbessert und künftigen Herausforderungen gerecht werden. Denn Wien wird gleichzeitig älter und jünger. Der Anteil sowohl an jungen wie auch älteren Menschen steigt überdurchschnittlich stark. Für die psychosoziale Versorgung müssen daher spezielle kinder-und jugendpsychiatrische Angebote ausgebaut werden. Andererseits wird auch die Behandlung altersbedingter psychischer Erkrankungen wie Demenz zusätzliche Ressourcen erfordern.

Um auf diese Entwicklungen zu reagieren, wurden im Rahmen des Psychiatrischen und Psychosomatischen Versorgungsplans (PPV) Maßnahmen erarbeitet und 2016 vom Wiener Landtag einstimmig beschlossen.

Gesundheitsstadträtin Sandra Frauenberger: "Die psychische Gesundheit hat in der Vergangenheit oft nicht jene Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdient. Daher freut es mich besonders, dass wir nun einen innovativen Plan für die Versorgung der Zukunft entwickelt haben, der auf dem neuesten Stand der Wissenschaft basiert und über alle Parteigrenzen hinweg Unterstützung findet."

Psychiatrische und Psychosomatische Versorgungsplan (PPV)

Die Grundlagen für die psychosoziale Versorgung der Zukunft wurden von Expertinnen und Experten gemeinsam mit Betroffenen und Angehörigen erarbeitet. Die Planungsarbeiten wurden mit März 2018 abgeschlossen und die Ergebnisse in einem strategischen Konzept zusammengefasst.

Bereits ab Ende 2018 wird mit der schrittweisen Umsetzung der versorgungswirksamen Maßnahmen begonnen.

Drei neue Versorgungsregionen

Zukünftig wird die psychiatrische und psychosoziale Versorgung Wiens in drei Großregionen (West, Süd, Nord/Ost) organisiert. Je Versorgungsregion wird es zwei Standorte mit einem stationären, psychiatrischen Versorgungsangebot und pro Krankenhaus mindestens ein zugehöriges Ambulatorium mit ambulanten und tagesklinischen Angeboten für Erwachsene geben.

Im Bereich der Kinder und Jugendpsychiatrie sind pro Versorgungsregion ein Standort mit einem stationären, psychiatrischen Versorgungsangebot und zwei zugehörige Ambulatorien mit ambulanten und tagesklinischen Angeboten geplant. Insgesamt stehen also drei stationäre und sechs ambulante Einrichtungen pro Region zur Verfügung. Die bereits bestehenden Angebote werden in die neuen Versorgungsstrukturen eingebunden.

Mit dem dichten Netz an Einrichtungen in den Versorgungsregionen ist in Zukunft die wohnortnahe psychosoziale Versorgung gewährleistet.

Das trägt auch wesentlich zur Entstigmatisierung von Patientinnen und Patienten mit psychischen Erkrankungen bei. Sie können künftig genauso wie Patientinnen und Patienten mit körperlichen Erkrankungen Angebote in ihrer Nähe in Anspruch nehmen.

Aufnahme- und Entlassungsambulanzen sowie Notversorgung

Zukünftig wird es in allen Krankenhäusern des KAV psychiatrische Aufnahme- und Entlassungsambulanzen mit rund um die Uhr verfügbarer Notversorgung geben.

Für den Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie wird es drei Notfall-, Aufnahme- und Entlassungsambulanzen mit rund um die Uhr verfügbarer Notversorgung geben.

Die Sozialpsychiatrischen Ambulatorien in den Versorgungsregionen stehen den Wienerinnen und Wienern zusätzlich zu den Aufnahme- und Entlassungsambulanzen auch in Zukunft als direkte Anlaufstellen zur Verfügung. Wird dort der Bedarf einer stationären Behandlung festgestellt, wird die Patientin oder der Patient in eine regionale gemeinsamen Aufnahme- und Entlassungsambulanz begleitet.

Pilotprojekte ab 2019

Die Wirksamkeit der Angebote wird von Mitte 2019 bis Mitte 2021 mit Pilotprojekten erprobt. Entsprechend den Ergebnissen der Evaluierung erfolgt dann entweder eine Umsetzung in ganz Wien oder eine Anpassung des Konzepts.

Ausbau der Kinder- und Jugendpsychiatrie ab 2018

Aktuell sind die Kapazitäten der Versorgung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie nicht ausreichend. Daher bedarf es auch kurz- und mittelfristiger Maßnahmen im Bereich der Versorgung von Kindern und Jugendlichen in Wien:

  • Zusätzliche Bettenkapazitäten im Krankenhaus Hietzing und Krankenhaus Nord: Bis Ende 2018 werden im Krankenhaus Hietzing 15 zusätzliche Betten in der Kinder- und Jugendpsychiatrie geschaffen, 2019 folgen dann weitere 24 Betten im Krankenhaus Nord.
  • Zusätzliches kinder- und jugendpsychiatrisches Ambulatorium des PSD ab Mitte 2019, das gemeinsam mit dem Krankenhaus Hietzing und dem bestehenden Ambulatorium des PSD im 3. Bezirk eine Pilotregion bilden wird.
  • Pilotprojekt Transitionspsychiatrie: Der Übergang der Patientinnen und Patienten von der Kinder- und Jugendpsychiatrie in die Erwachsenenpsychiatrie erfolgt derzeit häufig abrupt und ohne adäquate Übergabe, was oftmals zu einem gravierenden Bruch in der Behandlungskontinuität oder zu einem Behandlungsabbruch führt. Geplant ist künftig eine Übergangsphase, in der es im Bedarfsfall eine Zusammenarbeit beider Bereiche gibt.

Ausbau der Peripartalpsychiatrie ab 2018

Um die optimale Versorgung von Patientinnen mit psychiatrischen Erkrankungen zu gewährleisten, die im Umfeld von Schwangerschaft und Geburt auftreten, bedarf es einer kontinuierlichen ambulanten, tagesklinischen und stationären Behandlung und Betreuung in Spezialeinrichtungen. Neben den bereits bestehenden vier Mutter-Kind-Einheiten im AKH sollen weitere sechs stationäre Mutter-Kind-Einheiten mit angeschlossener Peripartalambulanz in einem Krankenhaus des KAV aufgebaut werden. Außerdem benötigt diese Patientinnen-Gruppe im Anschluss an den stationären Aufenthalt eine spezialisierte hochfrequente tagesklinische Betreuung.

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