Central-Viehmarkt - Geschichte der Wiener Märkte

Der erste Nachweis eines regelmäßig abgehaltenen Lebendviehmarktes in Wien stammt aus dem Jahr 1549. Der sogenannte "Ochsengries" fand jede Woche freitags am linken Ufer des Wienflusses im Bereich des heutigen Beethovenplatzes statt.

Die Wien beliefernden Viehzüchterinnen und Viehzüchter hatten ihre Herden in der ungarischen Ebene stehen. Der Viehtrieb erfolgte über Bruck an der Leitha und Schwechat. Daher bot sich ein Platz im Südwesten der Stadt an. Anfang des 18. Jahrhunderts wurde der Viehhandelsplatz an das andere Ufer der Wien auf Höhe des Stubentores verlegt, etwa an die Stelle des heutigen Bahnhofes Wien-Mitte.

Der Viehhandel erfolgte auf freiem Feld. Erst 1760 erhielt der Platz eine hölzerne Umzäunung, den sogenannten Ochsenzwinger.

Verlegung nach Sankt Marx

Die 1797 begonnenen Arbeiten am Wiener Neustädter Kanal waren Anlass für eine neuerliche Verlegung des Viehmarktes an die Sankt Marxer-Linie. Dort wurde ein Teil der Zwinger außerhalb des Linienwalls errichtet. Eine Überdachung der Pferche gab es aber nach wie vor nicht. Deshalb mussten bei Schlechtwetter Züchter und Händler mitunter knietief im kotigen Schlamm waten.

1846 wurde in Sankt Marx der Bau eines Schlachthofes in Angriff genommen.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ersetzte zunehmend der Bahntransport den Viehtrieb in den Wiener Raum. Mangels eines direkten Bahnanschlusses blieb es aber zunächst bei der sogenannten Ochsenhetze durch die Vororte nach Sankt Marx. 1874 wurde die Viehschleppbahn nach Sankt Marx fertig gestellt. Zu dieser Zeit begannen die Planungen für einen zeitgemäßen Viehmarkt, dessen Bau 1879 begonnen

Eröffnung Central-Viehmarkt

Der Central-Viehmarkt wurde 1884 eröffnet. Er bot für 8.000 Rinder, 4.500 Kälber, 12.000 Schafe und 12.000 Schweine Platz. Der Viehmarkt war zu jener Zeit einer der größten Europas. Trotzdem erwies er sich bald als zu klein.

1903 wurde die Kapazität nach Fertigstellung von vier neuen Hallen fast verdoppelt. Aus jener Zeit stammen die Sandsteinplastiken beiderseits des Eingangstores am Ende der Viehmarktgasse: Links wird ein zahmer cisleithanischer (österreichischer), rechts ein wilder transleithanischer (ungarischer) Stier von seinem Treiber gehalten.

Nach 1918 hatte der Zentralviehmarkt weiter Bestand. Aber wegen der politischen Umwälzungen in Folge des Zusammenbruchs der Monarchie und der wirtschaftlichen Lage in der Zwischenkriegszeit war der Markt viel zu groß für den Wiener Raum.

Im 20. Jahrhundert

Der Zweite Weltkrieg verursachte zahlreiche Zerstörungen auf dem Areal. Unter anderem wurden die Kälberverkaufshalle, die Schafhalle und eine Schweineverkaufshalle vollständig zerstört.

Nachdem nach Kriegsende das Marktgelände von den Besatzungsmächten in Anspruch genommen worden war, konnten nach 1955 nach und nach wieder Teile freigegeben werden. Doch schon wenige Jahre später verlor der Zentralviehmarkt gänzlich an Bedeutung.

Historisches Schwarz-Weiß-Foto: länglicher Platz zwischen zwei niedrigen Gebäuden; auf dem Platz: Menschen und Schweine

Der Viehmarkt 1934

Historisches Schwarz-Weiß-Foto: Rinder auf dem Platz zwischen einem Zug und einem Gebäude

1953


In den 1960er-Jahren des letzten Jahrhunderts wurden rund um Wien neue Schlachthöfe errichtet. Dies hatte einen empfindlichen Rückgang der Anlieferungen von Lebendvieh nach Wien zur Folge. Die Stadt Wien versuchte dieser Entwicklung mit dem Neubau eines zeitgemäßen Schlachthofes zu begegnen. Er wurde 1972 eröffnet. Dieser bildete nun gemeinsam mit dem aus der Landstraßer Fleischhalle hierher verlegten Fleischgroßmarkt das "Fleischzentrum Sankt Marx". Der wirtschaftliche Erfolg dieser Maßnahme war jedoch nicht von Dauer. Der Schlachthof musste um die Jahreswende 1997/98 geschlossen werden. Mit dieser Schließung ging das endgültige Aus für den Lebendviehmarkt einher. Die Fleischzerlegung und der Fleischgroßmarkt waren noch bis 2007 in Sankt Marx angesiedelt. Dann wurde der Fleischgroßmarkt in die neu errichtete Halle am Großmarkt Wien im 23. Bezirk übersiedelt.

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