Detailmarkthallen - Geschichte der Wiener Märkte

Nach der Errichtung einer Halle für den Tandelmarkt und einer Markthalle an der Landstraße in den 1860er-Jahren, verstärkten sich die Bestrebungen, weitere Markthallen zu errichten.

Die Konkurrenz zu den bestehenden Märkten sollte zur Verbilligung der Nahversorgung führen. Die herrschende wirtschaftliche Flaute im Baugewerbe sollte damit ebenfalls bekämpft werden. In der Folge ernannte der Wiener Gemeinderat eine Kommission für Markthallenplätze, Markthallen und deren Bauart.

Das Projekt wurde bereits nach der Errichtung einer einzigen Halle, der Zedlitzhalle, aus Geldmangel gestoppt.


Zedlitzhalle

1871 wurde mit der Zedlitzhalle im 1. Bezirk die einzige Markthalle Wiens in Leichtbauweise errichtet. Diese moderne Konstruktionsweise aus Stahl und Glas war bei ähnlichen Vorhaben in Paris und London bevorzugt worden.

Die Detailmarkthalle wurde weder vom Handel noch von der Bevölkerung angenommen. Nach gescheiterten Versuchen, über die Gebührengestaltung Verkäuferinnen und Verkäufer anzuziehen, wurde die Halle 1902 an private Betreiberinnen und Betreiber als Ausstellungshalle vermietet. Nach dem Abriss im Jahr 1965 wurde an dieser Stelle das Umspannwerk für den 1. Bezirk errichtet.

Markthalle in Leichtbauweise

1877 wurde der Gedanke, weitere Markthallen zu errichten, vom Baugewerbe wieder aufgegriffen. Dabei wurde mit zahlreichen Vorteilen argumentiert, die Markthallen gegenüber offenen Märkten zu bieten hätten.

Schwarz-Weiß-Foto: Außenansicht Esterhazyhalle

Aus der ehemaligen Reitschule wurde eine Markthalle.

Die einzige unmittelbare Folge war die Umfunktionierung eines bestehenden Hallenbaus. Die ehemalige Esterházy-Reitschule im 6. Bezirk wurde 1877 zur Markthalle in der Esterházy-Immobilie umgerüstet. Die Markthalle erlebte einen so überraschend starken Zuspruch, dass bereits ein Jahr später ein Zubau errichtet werden musste.


Vier neue Märkte in Ziegelbauweise

Im Frühjahr 1879 erfolgte schließlich der Gemeinderatsbeschluss zum Bau von vier Markthallen. Dabei wurde wieder die herkömmliche Ziegelbauweise gewählt, die sich bei den beiden ersten Detailmarkthallen bewährt hatte. Die Ziegelbauweise wurde nicht zuletzt wegen des Kostenvorteils vom Stadtbauamt bevorzugt.

Nach den Plänen von Architekt Friedrich Paul entstanden Markthallen an folgenden Standorten:


  • Auf dem Phorusplatz im 4. Bezirk
  • Im 7. Bezirk zwischen Neustiftgasse und Burggasse (etwa gegenüber der Bandgasse)
  • Neben dem Rathaus im Bereich Bartensteingasse/Stadiongasse/Doblhoffgasse
  • Im 9. Bezirk an der Kreuzung Nußdorfer Straße und Alserbachstraße

Die Markthallen wurden im Jahr 1880 eröffnet.

Phorushalle

Schwarz-Weiß-Foto: Außenansicht Phorushalle

Die Phorushalle wurde 1913 renoviert. Sie hatte bis 1952 die Funktion einer Detailmarkthalle und wurde dann in eine Großmarkthalle für Blumen umgewandelt. Als 1969 die Blumenhalle am Großmarkt fertig gestellt war, wurde die Halle am Phorusplatz stillgelegt und schließlich abgetragen.


Markthalle Nußdorfer Straße

Historisches Schwarz-Weiß-Foto: geschäftige Straßenkreuzung, Markthalle

Die Markthalle in der Nußdorfer Straße nach den Plänen von Architekt Friedrich Paul hat die Zeit überdauert.

Die letzte noch bestehende dieser vier historischen Markthallen ist die Markthalle Nußdorfer Straße im 9. Bezirk. Sie wurde zwischen 1993 und 1995 unter den Erfordernissen der Denkmalpflege grundlegend renoviert und steht seit 1. März 2002 in privater Nutzung.

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