Städtische Bäder - ein Garant für Spaß und Erholung

Ein Bademeister mit einem Shirt mit Aufdruck "Unsere Bäder", im Hintergrund das Amalienbad

Mit dem Herbst beginnt auch die Hauptsaison für Wiens Städtische Hallenbäder. Das Angebot ist breit: Zwölf Hallenbäder mit Sauna, fünf Saunabäder mit Brausebad und ein Volksbad. Nirgends auf der Welt gibt es eine ähnlich einzigartige wie umfassende kommunale Palette.

Die Städtischen Hallenbäder sind Orte der Begegnung, der Erholung, des "sich zurückziehen-Könnens" - und zuweilen auch ein Ort der tröpferlweisen Körperreinigung.

Amalienbad

Kleinteilig und kunstvoll verfliester Raum mit Pool

"Früher habe ich mit dem Greißler oder dem Straßenbahnschaffner getratscht, heute sind lockere Gespräche nur mehr mit den anderen Badegästen oder dem Bademeister möglich", sagt die siebzigjährige Frau Maria aus Favoriten. Sie geht seit über fünfzig Jahren ins Amalienbad und besucht dort auch regelmäßig die Sauna.

Das Bad wurde 1926 errichtet und liegt heute gleich neben der U-Bahn-Station Reumannplatz. Das Amalienbad verfügt über Österreichs schönste Damensauna und die beeindruckendste Schwimmhalle Österreichs. Durchschnittlich kommen täglich an die 100 Damen in die pittoreske Jugendstil-Sauna.

Die 42-jährige Mirjana B. hat wahrlich alle Hände voll zu tun, wenn die Damen nach einem Aufguss rufen: "Mirjana, bitte an 'Wachler'!" Dazu bedarf es laut der "Spezialwachlerin" einer ganz besonderen Technik: "Damit jede auf ihre Rechnung kommt und die heißwarme Luft optimal über den Körper strömen kann, muss ich das Handtuch in einem ganz besonderen Winkel über dem Kopf drehen."

Amalienbad - Hallenbad der Stadt Wien

Eine historische Institution: Das Tröpferlbad

Eine ähnliche Schwimmhalle befindet sich im Jörgerbad in Hernals, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichtet wurde. Ins Jörgerbad gehen die Wienerinnen und Wiener seit fast 100 Jahren, um sich dort im sogenannten Tröpferlbad zu reinigen.

Der Name Tröpferlbad stammt vom spärlichen Wasserfluss aus den Wasser-Reservoirs der Volksbäder, die sich in der Regel im Dachgeschoss befanden. Bei großem Andrang waren diese Speicher bald leer - das Wasser floss dann nur noch spärlich aus den Brausen. So bekamen die Volksbäder bald ihren Spitznamen.

Im heutigen Jörgerbad befinden sich auch die fünf letzten Wannenbäder. In Wannen zu baden, konnten sich vor 100 Jahren nur wenige leisten; die meisten nahmen ein Brausebad. Heute waschen sich im Jörgerbad täglich zwischen zehn und 20 Besucherinnen und Besucher.

Geschichte der Tröpferlbäder

Die Geschichte des öffentlichen Bads

Am 22. Dezember 1887 eröffnete das erste Wiener Volksbad in der Mondscheingasse im 7. Bezirk. Es verfügte über getrennte Brause- und Umkleideräume für 42 Männer und 24 Frauen. Diese absolute Novität machte es zum ersten Reinigungsbad für den Massenbetrieb in Europa. Im ersten Betriebsjahr kamen sogleich 78.000 Besucherinnen und Besucher.

Bis zum Ersten Weltkrieg baute die Wiener Stadtverwaltung weitere 18 Brausebäder, rund 3,5 Millionen Menschen hatten 1914 diese Tröpferlbäder besucht. Nur 30 Prozent davon waren Frauen. In den 1950er-Jahren besuchten noch über fünf Millionen Menschen pro Jahr eines der zahlreichen Volksbäder. Heute zählt Wien jährlich nur mehr 33.000 Tröpferlbadbesucherinnen und -besucher.

Penzinger Brausebad

In einem anderen Tröpferlbad, dem Penzinger Brausebad, arbeitet der Betriebsleiter der Städtischen Bäder (MA 44) Hermann Wibner. Er zeigt auf die fast klinisch reinen Brauseräume, die laut Wibner noch immer sehr häufig genutzt werden. Die Sauna hat eine Infrarotkammer und einen Außenbereich zum Schwimmen. Am Dienstag ist sie für Damen, am Tag darauf für Herren reserviert.

Wibner erzählt: "Hauptsächlich brausen hier Menschen, die zuhause noch kein Badezimmer haben oder Leute, die ihr Badezimmer oder ihre Wohnung gerade renovieren." Früher, erinnert sich Wibner, "haben wir den BesucherInnen auch die Seife hingestellt. Zum Beispiel auf Wunsch eine Hirsch-Zitronella-Kernseife oder ein Shampoo mit Fichtennadelgeruch. Samtweiche Handtücher inbegriffen!"

Eine Gemeinschaftsdusche in Penzing kostet 1,70 Euro (eineinhalb Stunden Zeit), einmal Duschen in der Einzelbrause 2,30 Euro.

Penzinger Bad - Saunabad der Stadt Wien

Von der Reinigungsanstalt zur Naherholungsoase

"In Summe sind wir mit dem Besuch in all unseren Bädern sehr zufrieden, denn immer mehr Menschen kommen zu uns", freut sich der Leiter der Wiener Bäder, der 55-jährige Hubert Teubenbacher.

Allein im vergangenen Sommer wurden knapp drei Millionen Besucherinnen und Besucher in den Sommerbädern gezählt, auch der Hallenbäder-Trend hält an. Warum dennoch viel mehr Besucherinnen und Besucher im Sommer als im Winter kämen? Teubenbacher: "Früher war – historisch bedingt - die Reinigung des Körpers das Wichtigste. Heute steht Erholung und Ruhe im Mittelpunkt. Die Menschen wollen vermehrt Naherholungsoasen, die sie bei uns auch finden. Dabei gehen wir auf alle ihre Bedürfnisse ein: SportlerInnen kommen genauso auf ihre Einheiten wie klassische gemütliche VielschwimmerInnen. Auch die vielen Schulklassen können ihre Programme ungestört durchziehen", sagt der kommunale Bäderchef.

Die Wiener Bäder: barrierefrei und umweltschonend

Vor allem aber können die Wiener Bäder auf ihre Barrierefreiheit sowie hohe Hygiene- und Sicherheitsstandards stolz sein, stellt Teubenbacher fest. Eintrittspreise sind moderat und leistbar. Seit der Jahrtausendwende flossen rund 40 Millionen Euro in die Modernisierung, zum Beispiel von Krapfenwaldlbad und Gänsehäufel. Und: Schon seit Längerem setzt die Stadt umweltschonende und sparsame Energieformen ein. "Was viele nicht wissen", schwärmt Teubenbacher, "die Städtischen Bäder sind Wiens größter Solaranlagenbetreiber."

Die Wiener Bäder betreiben rund 16.000 Quadratmeter Sonnenkollektorflächen. Auch was die Sicherheit der Badegäste anlangt, liegen Wiens Hallenbäder im Spitzenfeld. Allein das Aufsichtspersonal muss sich einer besonders langwierigen und intensiven RetterInnen-Ausbildung unterziehen. "Wir freuen uns schon auf das kommende Jahr, da feiert das Jörgerbad sein 100-jähriges Bestehen", kündigt Teubenbacher an.

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