Wiens Schulen starten ins neue Schuljahr

Wien startet mit neuen, erweiterten und sanierten Schulen, mehr Unterstützungspersonal und einem Grundkompetenzen-Hub ins neue Schuljahr.

Video: Bürgermeister Häupl: "Ziel bleibt die Gesamtschule"

Rund 225.000 Wiener Schülerinnen und Schüler, davon knapp 17.000 "Taferlklasslerinnen und Taferlklassler", starten am kommenden Montag ins neue Schuljahr 2017/18. Insgesamt sind in Wien rund 25.000 Wiener Lehrerinnen und Lehrer an 702 Schulen im Einsatz.

Neue Schulen

Auf Wiens Schülerinnen und Schüler warten insgesamt drei nagelneue Schulen: der Bildungscampus Attemsgasse, die Neue Mittelschule Quellenstraße und die Volksschule Gasgasse. Gemeinsam mit zehn Schulerweiterungen wurden damit insgesamt 103 neue Klassen in ganz Wien geschaffen.

Mädchen schreibt "Schulbeginn" auf Tafel

Der Bildungscampus Attemsgasse, der Ende September ganz offiziell eingeweiht wird, bietet rund 800 Kindern bis zehn Jahren Platz. In nur zwei Jahren Bauzeit wurden hier eine 17-klassige Ganztagsvolksschule und ein 12-gruppiger Kindergarten unter einem Dach errichtet. Der Campus Attemsgasse ist ein sogenannter Campus plus, eine Weiterentwicklung des bisherigen Campus-Modells. Vier Schulklassen und zwei Kindergartengruppen sind auf einer Ebene räumlich zusammengefasst. Kinder unterschiedlichen Alters können hier miteinander lernen, spielen, an Projekten arbeiten und den Tag verbringen.

Eine weitere neue Schule geht in der Quellenstraße in Wien-Favoriten in Betrieb. Nach einer Rekordbauzeit von nur neun Monaten bietet die Neue Mittelschule insgesamt zehn Klassen Platz. Die Stadt hat hier rund 16 Millionen Euro investiert. Durch die gleich benachbarte Volksschule ergeben sich hier auch völlig neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit.

Erweiterte und sanierte Schulen

Drei Herren sitzen aufgereiht bei Konferenztisch mit Mikrophonen

v.l.n.r.: Stadtschulratspräsident Heinrich Himmer, Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky und Bürgermeister Michael Häupl

Darüber hinaus wurden in den letzten Monaten Schulen in ganz Wien um insgesamt 63 Klassen erweitert: So zum Beispiel im 3. Bezirk die Neue Mittelschule in der Dietrichgasse, die einen Zubau mit sieben neuen Klassen und wichtigen Nebenräumen bekommen hat. Das Dach steht zudem als Freifläche zur Verfügung. Weiters wurde in Liesing die Volksschule Draschestraße 96 um drei zusätzliche Räume in modularer Holzbauweise erweitert.

Doch auch an den Schulsanierungen wurde intensiv weitergearbeitet: Im Rahmen des Schulsanierungspaketes werden heuer insgesamt weitere 50 Schulgebäudestandorte fertig saniert. Ein Beispiel für eine umfassende Sanierung ist die Schule Afritschgasse 56 in Wien-Donaustadt, wo nun mit der Fertigstellung der Außenanlagen und einer neuen Rampe ein Sanierungsprojekt von über 7,7 Millionen Euro abgeschlossen wird. Komplett fertig saniert wurde auch die Volksschule in der Huglgasse in Rudolfsheim-Fünfhaus.

Seit Beginn des Schulsanierungspakets sind bereits 117 Projekte fertig gestellt. Da der Gemeinderat eine Verlängerung des Schulsanierungspakets beschlossen hat, werden die Sanierungsarbeiten auch in den kommenden Jahren weitergeführt und bis 2022 weitere 113 Projekte fertig gestellt.

Insgesamt investiert Wien allein im Jahr 2017 rund 57 Millionen Euro in Sanierungen und 96 Millionen Euro in Schulerweiterungen.

60 verschränkte Ganztagsschulen

Von den 384 öffentlichen Wiener Pflichtschulen bieten im neuen Schuljahr 54 Ganztags-Volksschulen und sechs Ganztags-Mittelschulen Ganztagsbetreuung in verschränkter Form. Neu dabei sind die Ganztagsvolksschule am Campus Attemsgasse und die Neue Mittelschule in der Schäffergasse.

Zusätzlich bieten 98 Pflichtschulen in nicht verschränkter Form ganztägige Betreuung an, fünf davon wurden nun für das neue Schuljahr umgestellt.

Damit bieten rund 44 Prozent der Volksschulen und knapp 49 Prozent der neuen Mittelschulen in Wien ganztägige Betreuung an.

Bildungsreform bringt pädagogische Innovation

Bei der Bildungsreform freut sich Wien vor allem über mehr pädagogische Innovation, die durch verstärkte Autonomie möglich wird. So bietet die Bildungsreform viele neue Möglichkeiten zur Entwicklung von Schulen.

Bürgermeister Michael Häupl:

Für Wien zählt bei der Bildungsreform vor allem das, was bei den Kindern in den Klassen ankommt.

Wien hat im Rahmen von Schulversuchen viel Erfahrung und die besten Voraussetzungen für innovative Schulentwicklung. Das betrifft auch das Thema gemeinsame Schule, die in Wien weiterentwickelt werden soll.

Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky und Stadtschulratspräsident Heinrich Himmer:

Beispiele für ein durchgängiges Lernen ohne Schnittstellen gibt es bereits mit der Integrativen Lernwerkstatt Brigittenau, dem Bildungscampus oder auch in den neuen Bildungsgrätzln.

Neues Unterstützungspersonal für Schulen startet

Im September startet zusätzliches Unterstützungspersonal für die Wiener Schulen. In Zusammenarbeit mit dem Stadtschulrat wird der Einsatz von Schulpsychologinnen und -psychologen um 14 Personen erhöht. Dazu wurde im Frühjahr das seit Jahren bewährte Übereinkommen mit dem Verein Wiener Kinder und Jugendbetreuung erweitert.

Die 14 Schulpsychologinnen beziehungsweise Psychologen werden an rund 100 Volksschulen tätig sein, ihre Aufgabenfelder reichen von psychologischer Einzelfallhilfe, über Präventionsarbeit, Beratung, Moderation von Konfliktgesprächen bis hin zur Mitgestaltung von Elterninformationen und Elternabenden.

Das Unterstützungspersonal wird laufend weiter aufgestockt, neben Psychologinnen und Psychologen sollen auch zusätzliche Schulsozialarbeiterinnen und -arbeiter sowie ähnliche Professionen zum Einsatz kommen.

Mit dem zusätzlichen Unterstützungspersonal bekommen vor allem Kinder mit einem schwierigen sozialen Lebensumfeld wichtige Unterstützung, zugleich werden die Lehrerinnen und Lehrer freigespielt, damit sie mehr Zeit und Kraft für innovativen Unterricht verwenden können.

Aus dem "Integrationstopf" des Bildungsministeriums hat Wien ergänzend insgesamt 150 Personen für Sprachförderung, 43 zusätzliche Schulsozialarbeiterinnen und -arbeiter, 125 Personen für begleitende integrative Maßnahmen sowie sechs mobile interkulturelle Teams bekommen. Diese Unterstützung wird auch im neuen Schuljahr 2017/18 weitergeführt.

Entbürokratisierung: Stadtschulrat streicht 521 Erlässe

521 Erlässe von insgesamt über 2.000 Erlässen werden gestrichen, um weniger Bürokratie und dafür mehr Zeit für Pädagogik zu schaffen.

In den vergangenen Monaten wurde die Rechtsabteilung des Stadtschulrats beauftragt, sämtliche schulbezogenen Erlässe zu durchforsten und hinsichtlich ihrer Notwendigkeit und auch Zeitgemäßheit zu überprüfen. Dabei wurden in einem ersten Schritt 521 Erlässe identifiziert - ein Viertel der gesamten Erlässe - die nun gestrichen werden. In einem nächsten Schritt wird nun in den kommenden Monaten bei den verbleibenden Erlässen die Möglichkeit ihrer Präzisierung und Zusammenführung überprüft.

Grundkompetenzen-Hub ab Jänner 2018

Ein weiteres zentrales Vorhaben des Stadtschulrats ist die Schaffung eines Grundkompetenzen-"Hubs". Dieser soll im Jänner 2018 der Öffentlichkeit präsentiert werden und besonders der Stärkung der Kompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen dienen. Mit ihm sollen Schulen ihre Best-Practice-Modelle präsentieren können und dadurch zur engeren Kooperationen zwischen den Standorten und den Lehrerinnen beziehungsweise Lehrern beitragen.

5.542 Flüchtlingskinder in Wiener Schulen

Insgesamt besuchen im neuen Schuljahr 5.542 Flüchtlingskinder Wiener Pflichtschulen, davon 2.914 Volksschülerinnen beziehungsweise Volksschüler. Weitere 697 besuchen unterschiedlichste Formen der Oberstufe. Von den zuletzt sechs Flüchtlingsklassen sind zwei Klassen ausgelaufen, drei weitere wurden aufgelassen. Im neuen Schuljahr bleibt lediglich ein Klasse in der NMS Kauer in Wien-Neubau bestehen.

Warenkorb entlastet Wiener Familien

Um die Familien finanziell zu entlasten, hat die Stadt Wien auch für das nun startende Schuljahr einen "Warenkorb" geschnürt. Alle öffentlichen und privaten allgemeinbildenden Wiener Pflichtschulen bekommen von der Stadt Geld, um Schulmaterialien, wie zum Beispiel Hefte, Bleistifte, Dreiecke, Zirkel, Materialien für den Handarbeitsunterricht oder für das technische Werken anzuschaffen.

Die Schulen können dabei die Materialien über die Wiener Schulverwaltung oder die Abteilung Wiener Schulen (MA 56) anfordern. Die Materialien können je nach Wunsch der Lehrerinnen und Lehrer sowie der Elternvertreterinnen und -vertreter auch selbst angeschafft werden. Insgesamt werden Eltern an öffentlichen Volksschulen durchschnittlich mit 33 Euro, an Hauptschulen/Neuen Mittelschulen mit 47 Euro und an Polytechnischen Schulen mit 70 Euro im Jahr finanziell entlastet.

Pro Schuljahr investiert die Stadt insgesamt 7,8 Millionen Euro in Schulmaterialien, davon 4,6 Millionen für den Wiener Warenkorb.

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