Gedenktafel für das ehemalige Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis Wien-Neubau

Anlässlich des Tags der Befreiung am 8. Mai enthüllten Bezirksvorsteher Mag. Thomas Blimlinger und Abt Johannes Jung eine Gedenktafel, die an das ehemalige Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis erinnert, das sich im Gebäude des Stifts Schotten in der Hermanngasse 38/Ecke Burggasse 69 befand.

Vier Männer vor der Gedenktafel für das Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis

V.li.: Bezirksvorsteher Mag. Thomas Blimlinger, Abt Johannes (Stift Schotten), Mathias Lichtenwagner, Dr. Paulus Bergauer (Pfarre von St. Ulrich)

1931 bezog die Polizei das Gebäude, Ende 1931 zogen die Bezirksgerichte aus. Während der antisemitischen Pogrome im November 1938 wurde das Gebäude kurzzeitig als Sammelstätte für eine unbekannte Anzahl Verfolgter verwendet. Nach dem "Anschluss" 1938 ging das Bundesheer in der deutschen Wehrmacht auf. Wegen der tausenden Verfahren gegen Soldaten und Zivilpersonen hatte die Wehrmachtsjustiz großen Platzbedarf und übernahm auch dieses Gebäude als "Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis - Zweigstelle Neubau".

Das Gefängnis war eines von sechs Zweigstellen, in denen Soldaten und Offiziere, aber auch Zivilpersonen, die der Fahnenflucht, der "Wehrkraftzersetzung", des Kriegsverrats oder anderer Delikte verdächtig erschienen, inhaftiert wurden.

Denkmal der Opfer der NS-Militärjustiz

Eine Frau und ein Mann lesen die Gedenktafel

Die Gedenktafel für das Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis wurde am Stift Schotten angebracht. (Großansicht: 223 KB JPG)

Ab Herbst 2014 erinnert ein Denkmal am Wiener Ballhausplatz an die Opfer der NS-Militärjustiz und würdigt an diesem zentralen und symbolischen Ort der Republik. Dazugehörig werden an verschiedenen geschichtsträchtigen Orten Gedenktafeln eingerichtet.

Die Gedenktafel in Neubau ist ein Teil dieses Projekts und die erste in Wien. Das zentrale X auf der Tafel verweist auf das Deserteursdenkmal in X-Form am Ballhausplatz.


Bezirksvorsteher Mag. Thomas Blimlinger:

Sehr spät - viel zu spät - begann Ende der 1990er-Jahre die öffentliche Diskussion um die juristische Rehabilitierung von Wehrmachtsdeserteuren und anderen Opfern der NS-Militärjustiz. Auch im öffentlichen Raum findet dieser Prozess langsam seinen Niederschlag. Die Tafel, die in Neubau enthüllt wurde, ist ein Zeichen dafür.

Bezirksvorsteher Blimlinger dankte dem Historiker und Initiator Mathias Lichtenwagner für sein großes Engagement und dem Stift Schotten für die Unterstützung bei diesem Projekt.

Standort der Gedenktafel

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