Raum für Frauen: Vergangenheit gestalten - Zukunft zeigen

Teppich des Projekts "Tell these people who I am"

Der Unterausschuss für Kunst im öffentlichen Raum, Wien Neubau, lud im März 2010 zum geladenen Wettbewerb für die Gestaltung von drei Interventionen im öffentlichen Raum des 7. Bezirks. Das Siegerprojekt "Frauen einen Teppich ausrollen" von Iris Andraschek wurde nun unter dem Titel "Tell these people who I am" realisiert und am 13. Oktober 2011 in der Stiftgasse 2 der Öffentlichkeit präsentiert.


Ausgangspunkt

Im öffentlichen Raum in Wien ist das Geschlechterverhältnis beziehungsweise die Repräsentation von Frauen gemessen an ihrem tatsächlichen Anteil an der Gesamtgesellschaft ähnlich schlecht wie in der Kunst. Im 7. Bezirk tragen von etwa 70 Straßen- und Ortsbezeichnungen 28 Flurnamen beziehungsweise geographische Bezeichnungen, 26 Männernamen und fünf Berufsbezeichnungen. Zwei tragen die Namen von Frauen. Von den sieben ausgewiesenen Denkmälern im öffentlichen Raum, die im Denkmalamt aufscheinen, erinnert eines an eine Frau, nämlich an die Schauspielerin Hansi Niese (1875 bis 1934).

Die Gesamtgesellschaft setzt sich dagegen aus circa 53 Prozent Frauen und 47 Prozent Männern zusammen. Frauen haben in der Vergangenheit als Künstlerinnen, Lehrerinnen, Geschäftsfrauen, Wissenschaftlerinnen etc. das Leben im Bezirk geprägt. Viele unserer heutigen Errungenschaften - wie zum Beispiel Schulbildung für alle Klassen und Geschlechter - gehen auf energisches, visionäres und entschiedenes Engagement von Frauen zurück. Dennoch werden sie in den großen Geschichtsdarstellungen gerne vergessen, tauchen nur selten in der persönlichen Erinnerung und fast nie symbolisch in Form von Denkmälern oder als Straßenbezeichnungen im öffentlichen Raum auf. Sie verschwinden unsichtbar.

Gegenstand des Wettbewerbs

Ziel des Projektes ist es, den Anteil an Frauen, die die Gesellschaft aktiv mitgestaltet haben, zu erkennen und sichtbar zu machen. Mit dem Kenntlichmachen der Orte, an denen sie gelebt und/oder gearbeitet haben, soll sowohl ihre Arbeit selbst als auch ihre Verbindung zum Bezirk dargestellt werden: Frauen als Knotenpunkte in der Gesellschaft, als aktiv Handelnde und Gestaltende an bis heute lebendigen Schnittpunkten im Bezirk.

Tell these people who I am – das Siegerinnenprojekt

Eingefräster Teppich von Iris Andraschek

Im Rahmen dreier Interventionen im öffentlichen Raum in Wien Neubau fräste die Künstlerin Iris Andraschek "Teppiche" in den Gehsteigbelag des 7. Bezirks. Die Teppichmuster dienen als Träger von Informationen dreier historischer Frauenpersönlichkeiten: Olly Schwarz, Gisela von Camesina de San Vittore und Vally Wieselthier. Mit persönlichen Notizen, Aussagen und Geschichten werden deren Tätigkeiten an ihren Wirkungsstätten versinnbildlicht.

Iris Andrascheks Teppiche heben die Frauen aus der Anonymität, benennen sie, stellen Geschichte her. Als Titel "Tell these people who I am" hat Andraschek ein Zitat von Vally Wieselthier gewählt, es stammt aus einem Telegramm, das sie an Roosevelt schrieb.


Die Erinnerungsorte

Stiftskaserne, Stiftgasse 2

Olly Schwarz (1877 bis 1960), Frauenrechtlerin, Gründerin der Wiener Handelsschule für Mädchen und des Athenaeums, Hochschule für Frauen, gründete 1916 die Zentralstelle für weibliche Berufsberatung, mit dem Austrofaschismus wird sie "in Pension" geschickt, engagiert sich ab 1933 mit der Machtergreifung Hitlers in der "Liga für Menschenrechte"

Augustinplatz

Vally Wieselthier (1895 bis 1945), Keramikerin, Bildhauerin, Designerin, Mitarbeiterin der Wiener Werkstätte, ab 1927 künstlerische Leiterin der Keramikabteilung, geht 1932 nach New York und beeinflusst weiter eine eigenständige Keramikproduktion der Wiener Werkstätte

Lerchenfelder Straße 131

Gisela von Camesina de San Vittore (geboren 1865) wurde in Triest als Tochter eines österreichischen Beamten geboren und zur Lehrerin ausgebildet. Nachdem sie als Fachlehrerin die Unterrichtsanstalten in Dresden, Stuttgart und Berlin besucht hatte, rief sie 1884 ein ganz neues Unterrichtssystem zur gewerblichen Ausbildung erwachsener Mädchen in Wien ins Leben. Ferner richtete sie im Jahre 1886 als erste Lehrerin in Europa die Unterrichtsabteilung in der Technologie wie auch in der Hygiene und Krankenpflege ein und legte denselben ihre eigenen Lehrbücher zu Grunde.

Über die Künstlerin

Iris Andraschek 1963 in Horn geboren, lebt und arbeitet als freischaffende Künstlerin in Wien. Sie ist Mitglied der Wiener Secession und von Foto Fluss. Neben zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen hat sie auch zahlreiche Projekte im öffentlichen Raum umgesetzt: unter anderem "Der Muse reicht'", "Arkadenhof der Universität Wien", "Als das Wünschen noch geholfen hat", "Platzgestaltung Taufkirchen an der Pram".

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