Geschichte des Weißgerberviertels

Der Ursprung des Vororts Weißgerber

Der Name der Vorstadt Weißgerber ist seit dem 16. Jahrhundert aufgezeichnet. Sie entstand im überschwemmungsgefährdeten Rückstaugebiet des Wienflusses durch die Umsiedlung von Flecksiedern, Rot- und Weißgerbern. Diese siedelten ursprünglich vor der Dominikanerbastei auf der anderen Seite des Wienflusses, dem heutigen ersten Bezirk. Im Jahr 1529 waren während der Türkenbelagerung ihre Häuser großteils zerstört worden. Die alten Siedlungen im Vorfeld der Dominikanerbastei wurden aus strategischen Gründen nicht mehr aufgebaut. Sie hätten bei einer neuerlichen Belagerung als feindlicher Stützpunkt dienen können.

Als die Gerber innerhalb ihres neuen Gebietes einen immer stärkeren Einfluss hatten und eine dominierende Stellung einnahmen, bekam die Ansiedlung zunächst den Namen "Alttunaw-Gemeinde der Weißgerber". Später hieß sie "Unter den Weißgerbern".

Bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde auf dem "Ochsen-Standt" jeden Freitag das Vieh auf der Landstraße herangetrieben, feilgeboten und geschlachtet.

Die Gänseweide

Im Bereich der heutigen Rotundenbrücke befand sich die "Gänseweide", eine der Hinrichtungsstätten des alten Wien. Hier wurden zum Tode verurteilte Menschen auf dem Scheiterhaufen verbrannt, darunter auch viele vermeintliche Hexen. Auf Befehl von Herzog Albrecht V. kam es im Jahre 1421 zur Ermordung von 200 Juden.

Vom Vorort zur Vorstadt

1693 wurde "Unter den Weißgerbern" an die Stadt Wien verkauft und erhielt als Vorstadt einen besonderen Rang eingeräumt. Dies führte zu einer dynamischeren Entwicklung. Eine der beliebtesten Vorstadtattraktionen war das Hetztheater. Von Nah und Fern strömte das zahlreiche Publikum, um den Tierhetzen beizuwohnen. Der mächtige hölzerne Rundbau brannte 1796 ab.

Von der Vorstadt zum Stadtteil

Noch bis ins 19. Jahrhundert war der Vorort landwirtschaftlich geprägt. In der Gemeinde lebten überwiegend Gärtner, daneben auch Fleischhauer und Flecksieder. Im Jahre 1850 wurde der Vorort eingemeindet. Zehn Jahre später wurde mit der rasterartigen Verbauung durch großstädtische Mietshäuser begonnen.

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