Geschichte des Vororts Landstraße

Die Vorstadt Landstraße ist die flächenmäßig größte der drei ehemaligen Vorstädte. Sie gab dem späteren dritten Bezirk seinen Namen. Entwickelt hat sich die Vorstadt Landstraße aus jener Niederlassung, die sich um das früher hier befindliche Frauenkloster St. Nikolai vor dem Stubentor gebildet hatte. In der Gegend der heutigen Rochuskirche, wo der Anstieg zur Terrasse des Wientales überwunden ist, entwickelte sich der Altkern des späteren Bezirks. Die Vorstadt wurde ursprünglich, um 1200, "Niklasvorstadt" genannt, etwa ein Jahrhundert später dann Landstraße.

Verkehrswege

Die beiden bereits in der Antike genutzten Verkehrswege sind die Landstraße und der Rennweg. Sie trugen durch ihre Bedeutung sicherlich zur Entscheidung bei, hier eine Niederlassung zu gründen. Der am Fuße der Arsenalterrasse gelegene Teil hieß Rennweg, der andere, der tiefer lag, behielt den Namen Landstraße. Beide Teile wurden durch die spätere Ungargasse verbunden. Ihr Name leitete sich davon ab, dass sich schon in der Frühzeit zahlreiche, vor allem aus Ungarn kommende Kaufleute hier einquartierten. Der Existenz dieser Hungargasse, wie man sie früher nannte, verdankte die Landstraße viel im Hinblick auf ihre Weiterentwicklung zu einer bedeutenden Vorstadt. Ähnlich wie die spätere Hauptstraße der Vorstadt geht auch der zweite wichtige Straßenzug der Landstraße, der Rennweg, auf die römische Limesstraße zurück. In der Frühzeit dürfte hier nur eine Art Saumpfad durch die Uferlandschaft geführt haben.

Infrastruktur

Etwa ab dem 14. Jahrhundert sind entlang des Rennwegs Weingärten nachzuweisen. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts bestand am Rennweg eine Schießstätte, an der sich die Bürger der Stadt im Gebrauch der Waffen üben konnten. Der Name dieses Verkehrsweges leitet sich von einem Pferderennen ab, das zwischen 1382 und 1534 meist zweimal jährlich hier abgehalten wurde: das sogenannte "Scharlachrennen".

Das Bürgerspital von St. Marx war eine der ältesten Einrichtungen des Bezirks Landstraße. 1394 ging es aus einem ehemaligen Siechenhaus für Aussätzige hervor. Es war weit außerhalb der Stadt angesiedelt, auch wegen der damals berechtigten Angst vor ansteckenden Krankheiten. Im 16. Jahrhundert gelangte das Spital durch großzügige Stiftungen zu Gütern wie Weinbergen, Äckern und Gärten, deren Einkünfte zum Unterhalt des Spitals eingesetzt wurden. Als 1784 das (nun alte) AKH eröffnet wurde und die Krankenversorgung übernahm, diente das Bürgerspital noch einige Jahrzehnte als Altenheim. Schließlich adaptierte Adolf Mautner es zu einer Brauerei. Diese entwickelte sich bald zu einer der größten Brauereien Österreichs. Im Zuge der Zentralisierung der Biererzeugung in Schwechat wurde die Brauerei St. Marx aufgelassen. Die Reste des Bürgerspitals wurden im Zweiten Weltkrieg beschädigt und nach dem Krieg durch Neubauten ersetzt.

Wirtschaftliche Entwicklung

Ab der Mitte des 13. Jahrhunderts begann für den Vorort Landstraße eine 170-jährige Friedenszeit. Diese wichtige Tatsache wird aufgrund fehlender historischer Einschnitte gerne übersehen. Erst im ausklingenden Mittelalter sah sich Wien mehreren Belagerungen ausgesetzt. Die schwer in Mitleidenschaft gezogenen Vorstädte brauchten Jahrzehnte, um sich zu erholen.

Erst nach der letzten Türkenbelagerung, als mit keiner weiteren Bedrohung aus dem Osten gerechnet werden musste, setzte im Vorort Landstraße eine sehr dynamische Entwicklung ein, so auch im gewerblichen Sektor. Neben Lebensmittelhandlungen entstanden eine Zuckerraffinerie, Kleiderhäuser, Schneider, Lederwarenerzeuger, Glashandlungen. Auch Manufakturen und Fabriken wurden im 18. und 19. Jahrhundert gegründet: eine chemische Fabrik, Tuchfabriken, Spiegelfabriken, Buchdruckereien. Besonders hervorzuheben ist die Klavierfabrik des Johann Andreas Streicher. Der aus Stuttgart stammende Streicher entwickelte seine Fabrikationsstätte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bald zum Zentrum des Klavierbaus. Im Konzertsaal in seinem Haus in der Ungargasse 46 waren viele prominente Künstler zu Gast; der "Streichersaal" war Schauplatz vieler Konzerte.

Entscheidende Änderungen im Gesamtgefüge der Landstraße brachte die Eingemeindung der drei zum dritten Wiener Gemeindebezirk zusammengefassten Vorstadtgemeinden im Jahr 1850. Die stille Vorstadt wandelte sich zum modernen Bezirk.

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