Lerchenfelder Straße wird klimafit

Die Durchzugsstraße soll grüner und verkehrsberuhigt werden. Die Bezirke Neubau und Josefstadt führen gemeinsam mit der Stadt einen umfassenden Dialogprozess für die Bewohner*innen und Wirtschaftstreibenden.

Ein Mann sitzt vor einem Bücherladen, vor dem viele grüne Pflanzen stehen

Die Lerchenfelder Straße im 7. und 8. Bezirk ist im Bestand eine zum Teil wenig attraktive Durchzugsstraße. Vom Gürtel zur Innenstadt ist der Grünanteil gering, es gibt wenig Bäume und verhältnismäßig viel Platz für den ruhenden Verkehr. Gerade an heißen Tagen ist die Aufenthaltsqualität gering: fehlende Beschattung, keine Kühlung oder fehlende konsumfreie Sitzgelegenheiten prägen derzeit die Straße.


Eine Neugestaltung zum "klimafitten" öffentlichen Straßenraum ist dringend notwendig. Im Fokus steht dabei eine breite Beteiligung der Bewohner*innen und der Wirtschaftstreibenden, deren Ergebnisse die Basis für die künftige Straßendetail- und Verkehrsplanung sein sollen. Die Bezirke Neubau und Josefstadt starteten daher gemeinsam mit der Stadt Wien einen partizipativen Dialogprozess.

Planen im Dialog

Seit dem Projektbeginn im Februar 2022 fanden regelmäßige Treffen des Projektteams statt. Zudem gab es Zwischenpräsentationen in den jeweiligen politischen Gremien der beiden Bezirke sowie intensive Überlegungen, welche ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen vorhanden und welche für eine klimafitte Entwicklung der Lerchenfelder Straße notwendig sind. Im Zentrum der letzten Wochen und Monate stand der Dialog mit den Nutzer*innen der Straße. Zuvor wurde beobachtet, wer die Straße nutzt und wofür.

Nutzung der Lerchenfelder Straße

Im April 2022 beobachteten Mitarbeiter*innen der Gebietsbetreuung Stadterneuerung und das Projektteam, wie die Lerchenfelder Straße zu unterschiedlichen Zeitpunkten von Fußgänger*innen genutzt wird. Dabei zeigte sich, dass ganz unterschiedliche Menschen auf der Straße unterwegs sind: Sehr früh sind die Hundebesitzer*innen anzutreffen, gefolgt von Schüler*innen bei der Stolzenthalergasse und Piaristengasse. Zu Mittag ist bei den Supermärkten und bei den Bäckern viel los, am Nachmittag drehen Menschen mit Kinderwägen ihre Runden, und etwas später füllt sich der Bereich rund um den Weghuberpark mit Jugendlichen. Familien besuchen am Nachmittag gerne den Josef-Strauß-Park. Ganztägig genutzt werden der Ceija-Stojka-Platz sowie der Platz vor der Apotheke auf Höhe Nr. 35.

Die Lerchenfelder Straße ist ein belebter und intensiv genutzter Ort für viele unterschiedliche Menschen. Das zeigten auch die Antworten auf die Frage: "Was ist typisch für die Lerchenfelder Straße?" Besonders geschätzt wird die große Vielfalt an kleinen und speziellen Geschäften. Aber auch das gute Verhältnis von Geschäften und Gastronomie wird auffallend oft gelobt. Auch die besondere Nähe zu den Kund*innen wird von den Interviewten immer wieder hervorgehoben.

Bei den Interviews wurden insgesamt 468 Menschen befragt, davon 369 Personen auf der Lerchenfelder Straße und 99 Personen in den Geschäften oder Lokalen. Ergänzend dazu haben 130 Personen einen Online-Fragebogen ausgefüllt und 14 Personen haben ihre Ideen per E-Mail geschickt.

Erste Ergebnisse

Die Ergebnisse zeigen, dass für die Menschen folgende Themen für eine klimafitte Lerchenfelder Straße von zentraler Bedeutung sind:

  • Mehr Begrünung und mehr Bäume
  • Verkehrsberuhigung
  • Radinfrastruktur
  • Mehr Raum für Fußgänger*innen
  • Mehr Sitzgelegenheiten
  • Geschwindigkeitsbeschränkung
  • Parkplätze reduzieren
  • Mehr Platzsituationen und Treffpunkte
  • Beschattung

Der bereits vorhandene gute "Mix" an Geschäften und Lokalen sowie die Plätze zum Verweilen sollten erhalten beziehungsweise erweitert werden. Möglichkeiten, zur Energiewende etwas beizutragen, sollen unterstützt und gefördert werden. Die meisten der bislang erreichten Menschen sind zudem mit der Straße emotional verbunden und nutzen diese nicht nur zum Einkaufen.

Bezirksvorsteher von Neubau, Markus Reiter:

Das ist ein wichtiger Schritt auch für die Kühle Zone Neubau, damit die Neugestaltung langfristig passt und den besonderen Charme, die Stimmung und den eigenen Puls der Lerchenfelder Straße stärkt.

Dialogforen und Ausstellung im Herbst 2022

Bei 2 Dialogforen am 20. und 27. September 2022 wurden die Ergebnisse der sozialräumlichen Erhebung mit dem Schwerpunkt "Straßeninterviews" präsentiert. Bei 7 Themen-Tischen standen das Projektteam sowie Expert*innen aus Politik und Verwaltung für Fragen und Antworten bereit. Die Themen waren: "Begrünung und Abkühlung", "Aktive Mobilität", "Verkehrsberuhigung", "Geschäfte und Gastronomie", "Aufenthalt und Lieblingsplatzerl", "Energie sparen" sowie "Zum Projekt allgemein". Die Ergebnisse werden in den weiteren Planungsprozess einfließen.

Im Oktober waren die Ergebnisse der Befragung für 3 Wochen im Treffpunkt Lerchenfeld als Ausstellung zu sehen. Zu den Öffnungszeiten stand eine fachliche Auskunftsperson zur Verfügung. Zusätzlich fanden Führungen und Veranstaltungen statt.

Ausblick 2023

Ende 2022 sollten alle Vorerhebungen weitestgehend abgeschlossen sein. Dann kann die zuständige Magistratsabteilung im Winter 2022/2023 eine Ausschreibung für ein Planungsbüro starten. Läuft alles nach Plan, kann das ausgewählte Büro im Frühjahr 2023 mit der Planung beginnen. Der 1. Entwurf sollte im Herbst 2023 bei weiteren Dialogforen zur Diskussion stehen.

"PROZESS:DESIGN Lerche" zur partizipativen Gestaltung einer klimafitten Lerchenfelder Straße: 7 MB PDF

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