Bezirksgeschichte Josefstadt

Entstehung der Josefstadt

Die Josefstadt ist eine relativ junge Vorstadt. Bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts bestand das Gelände in erster Linie aus Äckern, Wiesen und Weingärten. Die Vorstadt Josefstadt ging aus dem Landgut Rottenhof hervor. Dieser Gutshof ist bereits seit dem 15. Jahrhundert nachweisbar. Er lag ursprünglich ungefähr auf dem Gebiet des heutigen Schmerlingplatzes. 1644 wurde der Gutshof weiter westlich nahe des heutigen Palais Auersperg neu aufgebaut. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts gab Hippolito Marchese Malaspina, der damalige Besitzer des Rottenhofes, einen Teil der Gründe für 40 Parzellen frei. Dies führte ab 1697 zu einer regen Bautätigkeit in der Nähe des Rottenhofes. Im selben Jahr wurde auch das Piaristenkloster gegründet. 1700 verkaufte Malaspina den Rottenhof an die Gemeinde Wien. Der Kaufvertrag vom 17. April ist sozusagen die „Geburtsurkunde“ der Josefstadt.

Die Bezeichnung "Josefstadt" gibt es seit dem Jahr 1700. Sie wurde nach dem Kronprinzen und späteren Kaiser Joseph I. benannt. Die damalige Vorstadt Josefstadt umfasste ungefähr das Gebiet Auerspergstraße 1 bis 23, Lerchenfelder Straße 2 bis 12, Lange Gasse 1 bis 33, Josefstädter Straße 28 bis 88, deren Hinterseite von 15 bis 23 sowie das Gebiet zwischen Florianigasse 11 bis 59, Hinterseite 61 bis 75 und Blindengasse 33 bis 35. An die Josefstadt grenzten die Vorstädte St. Ulrich, Alsergrund, Breitenfeld und Altlerchenfeld.

Zwischen 1700 und 1720 werden in den Vorstädten Josefstadt, Alsergrund und Strozzigrund mehrere Adelspalais errichtet. Vier dieser Palais sind heute noch erhalten: Auersperg, Damian, Schönborn und Strozzi.

Bebauungsphasen

Die Bebauung des Gebietes der Josefstadt erfolgte in mehreren Phasen. Nachdem die Türkengefahr Ende des 17. Jahrhunderts beseitigt worden, war, zogen viele Adelige und Bürger in die Vorstädte. Hier gab es noch genügend Grund für repräsentative Häuser mit Garten zu erschwinglichen Preisen. Um 1770 war die erste Welle der Bebauung abgeschlossen. 1770 bis 1780 setzte nach der Parzellierung großer Grünflächen die zweite Phase ein.

Die dritte Phase im zweiten Viertel des 19. Jahrhunderts führte zu einer Verbauung großer Areale. Vor allem Angehörige der Mittelschicht strömten in die südlichen und westlichen Vorstädte. In dieser Zeit wurde das Landesgericht erbaut und die Landesgerichtsstraße verbaut. Nach Aufgabe des Exerzier- und Paradeplatzes zwischen Schmerlingplatz und Alser Straße wurden an seiner Stelle das Rathausviertel, das Parlament, der Justizpalast und die Universität errichtet. In der Folge zogen viele Beamte und Studenten in die Josefstadt.

Um 1900 setzte nach dem Abbruch der Kavalleriekaserne und des Linienwalls die vierte große Verbauungsphase ein. An Stelle des Linienwalls wurde die zwischen 1865 und 1873 errichtete Gürtelstraße verbreitert.

Der im späten Mittelalter und der frühen Neuzeit festgelegte Grundriss wurde in den folgenden Jahrhunderten kaum verändert. Die Auflassung von Weingärten und Äckern führte oft zu einer Querteilung von Parzellen. In den Vordertrakten der Häuser entstanden Gewölbe für Handwerker und Gewerbetreibende. Während der sogenannten Gründerzeit in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es wieder zu Grundzusammenlegungen, um größere Zinshäuser mit mehr Wohnungen bauen zu können. Ermöglicht wurde dieser Bauboom durch eine Steuerbegünstigung. In dieser Zeit entstanden viele neue Wohnhäuser mit gut ausgestatteten Wohnungen. In diese Periode fallen viele Häuser in neu eröffneten Gassen wie die Häuser mit den geraden Nummern in der Lenaugasse.

Die bevorzugten Wohngebiete waren die Vorstädte Alsergrund und Josefstadt. Breitenfeld, im Westen vom Linienwall abgeschlossen, lag etwas abseits und wurde erst nach der Parzellierung 1801 besiedelt. Alt-Lerchenfeld war von den Arbeitern in der Seiden- und Bandwebindustrie des nahen Schottenfeldes bewohnt.

In der Hochphase der Gründerzeit zwischen 1865 und 1885 orientierte sich der Wohnbau stark an den prachtvollen Bauten der Ringstraße. Die Häuser dieser Zeit hatten eine repräsentative Funktion und sollten die gesellschaftliche Position des Besitzers ausdrücken. Bei der Gestaltung der Häuser wurde auf verschiedene, industriell gefertigte Elemente des Barock und der Renaissance zurückgegriffen.

Der Bezirk Josefstadt

Durch das provisorische Gemeindegesetz wurden 1850 34 Vorstädte mit der Inneren Stadt vereint. 1862 trat eine neue Einteilung der Bezirke in Kraft. Der neue Bezirk Josefstadt schloss die gleichnamige Vorstadt, den Strozzigrund und das Breitenfeld zur Gänze ein, weiters Teile von St. Ulrich (zwischen Piaristen- und Neudeggergasse), Altlerchenfeld (zwischen Lerchengasse und Gürtel) und Alsergrund (zwischen Laudon- und Alser Straße). Mit der neuen Bezirkseinteilung wurde auch die heutige Straßen- und Platznummerierung eingeführt.

Der 8. Bezirk ist der kleinste Bezirk Wiens. Seine Fläche beträgt 108 Hektar. 2015 lebten 24.518 Menschen in der Josefstadt.

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