Sankt Veit, Ober Sankt Veit und Unter Sankt Veit

Sankt Veit

Herzog Rudolf IV. schenkte im Jahr 1365 die Herrschaft über diesen Landstrich der Dompropstei Sankt Stephan. Den Ortskern am Fuß des Kirchenhügels bildeten zwei Häuserzeilen (13., Firmiangasse und Glasauergasse), die einen ovalen Platz umschlossen, der von dem Marienbach durchflossen wurde.

Die Ortschaft entwickelte sich sehr langsam. Die Dompropstei Sankt Stephan exekutierte die Gerichtsbarkeit von Sankt Veit und in sechs weiteren Orten, nämlich Hacking, Baumgarten, Penzing, Hietzing, Speising und Lainz. Haupterwerbszweig war ursprünglich der Weinbau, der aber bereits zur Zeit Maria Theresias von der Milchwirtschaft überflügelt wurde. 1820 gab es noch 120 Joch Weingärten, 1890 reduzierte sich die Zahl auf 20 Joch. Heute gibt es keine Weingärten mehr in Sankt Veit.

Der Waldbesitz in Sankt Veit war gering. Trotzdem gab es häufig Wildschaden. Die noch heute existierende Tiergartenmauer, unter Josef II. errichtet, schaffte Abhilfe. Ort, Kirche und Schloss wurden während der Türkenbelagerungen 1529 und 1683 schwer beschädigt. 1772 ließ Erzbischof Kollonitsch die Kirche neu errichten, das Schloss wieder herstellen und den Park neu anlegen. Von 1762 bis 1777 war das Schloss im Besitz Maria Theresias. Um 1750 wurden in Hacking und in Sankt Veit Maulbeerpflanzungen zur Seidenproduktion angelegt.

Ober Sankt Veit

Ober Sankt Veit diente ähnlich wie Hietzing zur Sommerfrische. Im Wiental siedelten sich Handwerksbetriebe an. Es gab eine Zuckerraffinerie und eine Schokoladenfabrik. 1844 entstand die Wagenfabrik Rohrbacher, die später auch Autokarosserien baute. In der Auhofstraße 162 entstand die Firma Winkler & Schindler, die an der Textilveredelung verdiente. Ab September 1887 konnte man per Dampftramway von Gaudenzdorf über Hietzing bis nach Ober Sankt Veit reisen.

Die Anbindung an die Stadt brachte einen ungeheuren Aufschwung des Ausflugsverkehrs. Je stärker die Weingärten zurückwichen, desto höher wurde die Anzahl der Gastwirtschaften. Die aufgelassenen Weingärten wurden mit Villen verbaut. Die Ortschaft vergrößerte sich allmählich auch in Richtung Wienfluss. Der ehemalige Friedhof, 13., Streckerpark, wurde auf den Gemeindeberg verlegt. 1867 wurde die verwaltungsmäßige Trennung der Gemeinde von Sankt Veit in Ober und Unter Sankt Veit durchgeführt.

Unter Sankt Veit

Bis Ende des 18. Jahrhunderts war die Gegend des späteren Unter Sankt Veit nahezu unbesiedelt. Das einzige Anwesen war die Feldmühle, die 1568 als Mühle das erste Mal erwähnt wurde. Ohne Bewilligung durch den Erzbischof von Wien, der die Grundherrschaft hatte, entstand eine wilde Siedlung. Im Jahr 1803 wurde die Siedlung legalisiert, und es wurden Bauplätze für 100 Häuser von der landwirtschaftlich genutzten Flur abgeteilt. Es war etwa das Gebiet zwischen Verbindungsbahn, Auhofstraße, Fleschgasse und Hietzinger Hauptstraße.

Innerhalb kürzester Zeit ließen sich hauptsächlich kleinere Gewerbetreibende nieder. In den Ortschaften Meidling, Mariahilf und Neubau entwickelte sich eine Textilindustrie, die Färberinnen und Färber und Wirkerinnen und Wirker benötigte. Unter Sankt Veit, das anfangs Neudörfel genannt wurde, wuchs rasch an. Bereits 1820 gab es eine Schule, in der ein "ambulanter Schulgehilfe" Unterricht gab. Die Ortsbezeichnung Unter Sankt Veit entstand zu dieser Zeit.

Die Teilung von Sankt Veit in Unter und Ober Sankt Veit wurde per kaiserlichem Dekret 1867 genehmigt. Tatsächlich erfolgte sie aber erst 1870 aufgrund eines erbitterten Streites um die Grenzziehung und die Vermögensaufteilung. Hauptstreitpunkt war, welcher Gemeinde das Areal der Hutfabrik Bossi zwischen Verbindungsbahn, Auhofstraße und Mantlergasse zugeschlagen wird. Es ging dabei letztlich um die Steuereinnahmen.

Zwischen dem Vergnügungsetablissement Neue Welt und der Verbindungsbahn entstand ein Villenviertel. 1867 wurde die Pfarrkirche Unter Sankt Veit geweiht. Das St. Josefs-Greisenasyl und ein Armenhaus entstanden.

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