Siedlungsentwicklung in Hietzing

Die Wiener Siedlungen sind einheitlich geplante und in der Regel genossenschaftlich organisierte dichte Einfamilienhaus-Bebauungen. Derartige Siedlungen entstanden in den Großstädten des 19. Jahrhunderts als Reaktion auf die unzumutbaren Wohnbedingungen in den Wohnungen und Mietskasernen. Die Siedlungen ermöglichten es den Menschen, würdiger und gesünder zu leben. Diese neue Lebensform war gekennzeichnet durch die relativ große Eigenverantwortlichkeit bei der Organisation der Siedlung.

Entwicklungsphasen

Auch im 13. Bezirk finden sich Beispiele für die wesentlichen Entwicklungsphasen des Wiener Siedlungsbaus. Die bereits 1904 vom Ersten Wiener Beamtenbauverein errichtete Siedlung In der Hagenau, das so genannte Lainzer Cottage, weist verschiedene Haustypen in einer Reihe um eine U-förmige Gasse auf. Die dreigeschossigen Häuser waren für kinderreiche Familien höherer Beamter geplant. Sie entsprachen in Dimension und Ausstattung den Bedürfnissen des bürgerlichen Mittelstandes. Die zum Teil noch vor dem Ersten Weltkrieg geplante und gebaute Ostmarksiedlung ist stark von der englischen Gartenstadtbewegung geprägt. Sie erhebt aber geringeren sozialen Anspruch und erweist sich im Grunde als eine auf verschiedene Art angeordnete Kombination von Einfamilienvillen. Manche wurden auch freistehend in einem Garten gebaut.

Die frühe erste Phase der Siedlungsentwicklung in Wien entstand nach dem Ersten Weltkrieg. Das Siedeln in Selbstorganisation wurde im 13. Bezirk über Besetzung von Grundstücken während der Anfangsphase der Siedlung Friedenstadt und der SAT (Siedlung Auhofer Trennstück) verwirklicht.

Siedlung Friedenstadt und Künstlersiedlung 1920er-Jahre

Zur zweiten Phase zählen ab 1921 die Siedlung Friedenstadt, die Künstlersiedlung (1922 bis 1925), 13., Riedelgasse, und ein Teil der Hermeswiese (1923 bis 1927) beziehungsweise die untere Hermesstraße, 13., Hochmaisgasse. Es handelte sich um Anlagen, die von Genossenschaften errichtet wurden.

Zur dritten Phase zählen Siedlungen, die unter der Leitung der Gemeinde Wien errichtet wurden. Dazu gehören unter anderem ein weiterer Teil der Hermeswiese (1923 bis 1927 und 1929), 13., Dvorakgasse, oder auch Teile der Siedlung Lockerwiese (1928 bis 1932 und 1938), 13., Wolkersbergenstraße, sowie die Siedlung Versorgungsheimstraße, 13., Versorgungsheimstraße. Die Siedlung Versorgungsheimstraße wurde von der Organisation Heimbauhilfe der Gemeinde Wien finanziert.

Malfatti-Siedlung 1930 und Kongress-Siedlung 1951

Mit Unterstützung des Bundes wurde von den Eigentümern selbst die Zollwache-Siedlung (1931 und 1932), 13., Kalmanstraße, für Beamte der Zollwache sowie die Polizei-Siedlung (1932 und 1933), 13., Dr. Schober-Straße, für Polizeibeamte gebaut. Der Bund stellte preisgünstigen Baugrund zur Verfügung. Zwischen 1930 und 1932 entstand die Malfatti-Siedlung, 13., Franz-Schalk-Platz. Sie ist eine von der Reichsversicherungsanstalt finanzierte Anlage und umfasst 14 Zweifamilienhäuser in Reihenbauweise sowie ein Einfamilienhaus. 1951 bis 1953 wurde von der Stadt Wien die Kongress-Siedlung errichtet. Ihr Name erinnert an den 1953 in Wien abgehaltenen 11. Internationalen Städtekongress.

Die Hinwendung zum individuellen, abgeschlossenen und uneinsichtigen Privatbereich ist bei der Fertigteilhaus-Mustersiedlung (1953 bis 1954), 13., Veitingergasse, zu bemerken. Sie ist ein anschauliches Beispiel für ökonomisches Bauen in Serie mit einer weitgehend reduzierten Konstruktion. 1954 bis 1956 wurde von der Vindobona Bau-, Wohnungs- und Siedlungsgenossenschaft die Hagenberg-Siedlung (13., Erzbischofgasse und 13., Himmelhofgasse) gebaut. Finanziell unterstützt wurde das Projekt von der Wiener Städtischen Versicherungsanstalt. Es handelt sich bei dieser Anlage nicht um Einfamilienhäuser, sondern um 20 Mehrfamilienhäuser mit je sechs bis acht Wohnungen. Individuell nutzbare Gärten fehlen. Die großzügigen Grünflächen sind allen Bewohnerinnen und Bewohnern gleichermaßen zugänglich. Die Anlage war als kostengünstiger Beitrag zur Linderung der extremen Wohnungsnot nach dem Zweiten Weltkrieg gedacht.

1963 bis 1965 wurde von der Siedlungsgenossenschaft Volksbau die Wohnhausanlage Josef Afritsch, 13., Alban-Berg-Weg, errichtet. An ihr zeigt sich wieder die Tendenz zum abgeschlossenen, persönlichen Wohnbereich.

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