Geschichte des Areals um den Nordwestbahnhof

Colosseum

Zeichnung von Menschen vor einer berankten Tanzfläche im Freien

Das Colosseum begeisterte mit verschiedensten Besucherattraktionen

Den Beginn des Colosseums als Vergnügungsstätte markierte der Händler Anton Czermark. Er kaufte 1828 einen Tanzsaal mit Nebengebäuden und stattete diese vornehm aus. Da die Gäste ausblieben, verkaufte er das Etablissement an den Architekten Carl Hör. Dieser baute es zu einem Unterhaltungslokal aus.

Attraktionen wie ein Riesenfass mit einem Speisesaal im Inneren oder ein Riesenelefant, der einen Tanzsaal beinhaltete, fanden beim Publikum großen Zuspruch.


Zeichnung von einem riesigen Elefanten, der über eine Treppe begehbar ist

Riesenelefant im Colosseum

Zeichnung von Menschen vor einem Riesenfaß

Riesenfass im Colosseum


Erstes "Massenverkehrsmittel" führte zum Colosseum

Um die Infrastruktur zu verbessern ließ Hör 1840 das erste "Massenverkehrsmittel" bauen: eine Pferdebahn, die entlang des Donaukanals über den heutigen Gaußplatz und die Jägerstraße zum Colosseum führte. Das Pferd war zwischen zwei Wagen gespannt und bewegte sich über Holzschienen. Der Kutscher saß am Ende des Zuges und konnte je nach Fahrtrichtung seinen Sitz tauschen. Die erste Pferdebahn dieser Art in Wien hatte allerdings nicht lange Bestand. Sie wurde am 26. Juni 1842 eingestellt.

Werbung von 1840 für die Pferdebahn zum Colosseum

Pferdebahn 1840

Zeichnung von einem Eingangstor mit Pferdekutschen davor

Eingangsgebäude zum Colosseum


Neues Universum

Menschen gehen in ein Gebäude mit einem hohem Turm

Universum Eingangsgebäude

1843 entstand in der Nähe des Colosseums eine weitere Vergnügungsstätte der Brigittenau: der Vergnügungspark "Universum". Die Universumstraße entlang des Areals des Frachtenbahnhofes erinnert noch heute daran. Der Park bestand fast 40 Jahre und musste schließlich dem Bau des Nordwestbahnhofes weichen. Von weitem konnte man den hohen Turm des Vergnügungsparks sehen und die täglichen musikalischen Darbietungen begeisterten Jung und Alt.

Im anschließenden Areal befanden sich Bier- und Weinschenken, sowie Ringelspiele verschiedenster Art, Schießbuden oder Kegelbahnen. In den geräumigen Sälen fanden vornehme Bälle und welche des "gemeinen" Volkes statt. 1848 kam es hier zu Arbeiterversammlungen und während der Oktoberrevolution zu blutigen Auseinandersetzungen. Diese hatten auch für das durch einen Großbrand stark beschädigte Gebäude verheerende Folgen.

Der Nordwestbahnhof

Als letzter der Wiener Kopfbahnhöfe wurde 1870 bis 1873 der Nordwestbahnhof nach Plänen des Architekten Wilhelm Bäumler errichtet. Das damals noch sumpfige Gebiet erwies sich für die Bauarbeiten als sehr schwierig und musste bis zu vier Metern aufgeschüttet werden. Das Gebäude befand sich an der Ecke Nordwestbahnstraße/Taborstraße, dem vormaligen Standort des Verfügungsparks "Universum". Die Halle des Bahnhofes wurde für viele Zwecke genutzt. Im Laufe der Jahre fanden hier Vergnügungsveranstaltungen, Propagandareden und Ausstellungen statt. Die Halle wurde sogar Schauplatz eines Attentates. Am 11. Februar 1913 kam der sozialdemokratische Politiker Franz Schuhmeier durch eine Kugel von Paul Kunschak ums Leben. Das Begräbnis Schuhmeiers war eine der größten Massendemonstrationen vor dem Ersten Weltkrieg.

Schwarz-weiß-Aufnahme der Bahnhofshalle

Der Architekt des Nordwestbahnhofes war Wilhelm Bäumler

Eröffnung: 26. November 1927

Am 26. November 1927 wurde der "Schneepalast" eröffnet.


Nutzung als "Schneepalast"

Nachdem der Personenverkehr nach Mähren erlahmte, wurde er 1924 eingestellt und auf den Nordbahnhof verlegt. Die leerstehende Halle adaptierte man daraufhin für politische und kulturelle Veranstaltungen. Mit der Eröffnung am 26. November 1927 verwandelte sich das Gebäude in einen "Schneepalast". Durch den Engländer Laurence Clarke Ayscough und seiner geheimen Schneemixtur konnte man bald auf einer schiefen Ebene dem winterlichen Vergnügen frönen. Sogar eine Sprungschanze wurde in die Halle gebaut. Am Tag der Eröffnung wäre um ein Haar ein zweites Attentat geglückt. Richard Strebinger, Mitglied der monarchistischen Vereinigung "Ostara", versuchte den damaligen Bürgermeister Seitz in seinem Dienstwagen zu erschießen.

Zweiter Weltkrieg und Abriss

Am 26. März 1938 hielt Herman Göring gegen den politischen Katholizismus eine Rede. Nur Tage danach, am 9. April, sprachen Goebbels und Hitler an gleicher Stelle. Auch die Ausstellung "Der ewige Jude" fand nicht ohne Grund in der Halle des Nordwestbahnhofes statt, wohnten doch viele Juden in der Leopoldstadt und der Brigittenau. Diese Ausstellung war der Startschuss für die große Judenverfolgung. Während des Krieges nutzte die deutsche Wehrmacht den Bahnhof als Lager. Er wurde durch Bombenangriffe schwer beschädigt. Der Nordwestbahnhof wurde 1952 endgültig abgerissen.

Hermann Göring hält vor SS-Soldaten eine Rede

Rede Hermann Görings am 26. März 1938

Zug fährt in einen Bahnhof ein

Letzter Zug am Nordwestbahnhof

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