Die Donauregulierungskommissionen

Ausschnitt einer historischen Landkarte

Die Brigittenau und Zwischenbrücken nach der Donauregulierung um 1880

Nach 1849 widmete sich der neue Handelsminister Karl Ludwig Freiherr von Bruck dem Problem der großen Donauregulierung. Eine von ihm eingesetzte Kommission erarbeitete einen Plan und griff die ursprüngliche Idee von Josef Schemerl wieder auf.

Danach sollte der Durchstich des Hauptbettes in Angriff genommen werden und das Kaiserwasser als Winterhafen erhalten bleiben. Erstmals dachte man auch daran, den Donaukanal mit einer Schleusenanlage vor Hochwasser und Eisstößen zu schützen.

Nach dem Sturz des Ministers Bruck stagnierten die Planungsarbeiten wieder. Die leeren Staatskassen ließen alle weiteren Bauvorhaben stillstehen.

Zehn-Punkte-Programm

Das Schicksalsjahr 1862 mit einem weiteren katastrophalen Hochwasser rief endgültig 1864 eine neue Kommission auf den Plan. Wegen des Krieges gegen die Preußen drei Jahre verspätet, legten sie ein Zehn-Punkte-Programm vor:

  • Die zu regulierende Strecke reicht von der Kuchelau bis Fischamend (26 Kilometer).
  • Ziel ist die Fassung des Stromes in ein Normalbett, der Abbau der Nebenarme, der Hochwasserschutz und die Beseitigung von Schifffahrtshindernissen zur Befahrung mit Dampfschiffen, die einen größeren Tiefgang haben.
  • Der Donaukanal soll schiffbar bleiben und hochwassersicher gemacht werden.
  • Die Schaffung von Stapelplätzen, Güterumschlagplätzen, Landungsplätze, ein Winterhafen, Werften, Docks und die benötigten Eisenbahnanschlüsse sollen an der Donau gewährleistet werden.
  • Das Bett der Donau soll wieder näher an die Stadt verlegt werden, wobei der Prater erhalten bleiben muss.
  • Für alle Einrichtungen müssen Verbindungsmöglichkeiten (Bahn und Straße) vorhanden sein.
  • Die Möglichkeit einer raschen Verladung an den Landungsplätzen muss gegeben sein.
  • Stabile Donaubrücken sind zu errichten.
  • Es muss Platz für Schießstätten, Militärschiffsmühlen und Pferdeschwemmen vorhanden sein; weiters soll eine Verbindung zwischen den Landungsstellen und der Leopoldstädter Kavalleriekaserne hergestellt werden.
  • Die Einholung von Sachverständigengutachten ist zu veranlassen.
Planausschnitt mit blau eingezeichneter Donau

Die Brigittenau heute im Vergleich mit dem ursprünglichen Verlauf der Donau 1849

Planausschnitt

Generalregulierungsplan 1912


Die hochindustrielle Phase und die große Wiener Donauregulierung

Immer mehr Industrieanlagen bildeten sich entlang der Bahnlinien und an den Ausfallstraßen.

Die Blütezeit der Wohnbaugesellschaften, die die letzten freien Flächen mit dem typischen gründerzeitlichen Rasterschema überzogen, brach an. Die Einwohnerzahl Wiens schnellte zwischen 1870 und 1890 von 815.000 auf 1.342.000 Einwohnerinnen und Einwohner.

Der erste Spatenstich von Kaiser Franz Josef am 14. Mai 1870 sollte wegweisend für die Weiterentwicklung Wiens sein. Die Detailplanung für die große Wiener Donauregulierung übernahmen die beiden Architekten James Abernethey und Georg Sexauer.

Die Oberbauleitung übernahm Ministerialrat Gustav Wex. Erstmalig kamen Baumaschinen zum Einsatz, die kurz zuvor noch am Bau des Suez-Kanals beteiligt waren. Am 30. Mai 1875 fand für die Schifffahrt die Eröffnung des 13,27 Kilometer langen neuen Donaubettes statt. Aufgrund der Fehler der letzten Jahrhunderte, verzichtete man darauf das Donauwasser gewaltsam in den Kanal zu treiben. Die Kanalausmündung wurde nun tangential an den Donaulauf gelegt und anschließend weiter als zuvor vom Hauptstromstrich entfernt, womit man verhindern konnte, dass zu viel Eis in den Kanal getrieben wurde. 1894 bis 1898 baute Otto Wagner anstatt des Sperrschiffes von 1873 das "Nußdorfer Wehr" und daneben eine Kammerschleuse für die Schifffahrt.


Modell eines Sperrschiffes

Modell des Sperrschiffes von 1873: Vorgänger der Nußdorfer Schleuse

Modell der Nußdorfer Schleuse

Modell der Nußdorfer Schleuse; erbaut von Otto Wagner 1894 bis 1898

Schwarz-Weiß-Aufnahme eines Sperrschiffes (Schwimmtor)

Sperrschiff Nußdorfer Spitz

Menschen überqueren das Sperrschiff beim Nußdorfer Spitz bei Hochwasser

Sperrschiff bei Hochwasser


Das Gebiet um das "Äußere Zwischenbrücken" fiel dem Donaudurchstich zum Opfer. Die Gegend um das "Innere Zwischenbrücken" mitsamt dem Kaiserwasser wurde trockengelegt.

Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts war die Siedlungsentwicklung angesichts der ständigen Überschwemmungsgefahr stark gehemmt. Nun begann eine immer stärkere wirtschaftliche Erschließung und Verbauung nach großstädtischem Muster.

In den Tagen der Spätgründerzeit im Jahre 1900 wurde die Brigittenau als 20. Bezirk von der Leopoldstadt abgetrennt. Der Großteil von Zwischenbrücken kam zur Brigittenau. Als Zentrum des neuen Bezirkes sollte der Allerheiligenplatz fungieren. Kurz nach der Jahrhundertwende wurde eine Kirche, eine Schule und ein Park errichtet. Die Einwohnerzahl Wiens belief sich auf 1.870.000 Bürgerinnen und Bürger. Die Brigittenau war zu diesem Zeitpunkt ein Arbeiter- und Industriebezirk.

Schwarz-weiß-Foto von einer Brücke und Häuser entlang der Donau

Blick auf das Nußdorfer Wehr und die regulierte Donau 1899

Schwarz-weiß-Aufnahme von oben von der Nußdorfer Wehr

Luftaufnahme Nußdorfer Wehr


Schwarz-weiß-Zeichnung von einem Schaufelbagger

Baggermaschine 19. Jahrhundert

Zeichnung von Häusern und Straßenecken

Ansichten der Brigittenau um 1900


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