Neues Stadium der Donauregulierung

Ausschnitt einer historischen Landkarte

Umlandkarte von Wien 1809 bis 1819

Ingenieur Johann Sigismund Eutelhuber wurde als neuer Spezialist berufen. Schon 1769 legte er seinen ersten Plan der Regierung vor. Doch zuerst musste er seine Fähigkeiten durch kleinere Aufgaben unter Beweis stellen. 1776 bekam er dann den offiziellen Befehl mit den Regulierungsmaßnahmen von Klosterneuburg bis zur Kanaleinmündung bei Simmering zu beginnen.


Die Bauvorhaben

  • Entlang des linken Donauufers entstand der sogenannte Hubert'sche Damm, der von Langenzersdorf bis zur Höhe von Simmering reichte.
  • Zusätzliche Sicherung des linken Ufers mit insgesamt 54 Spornen
  • Abdämmung der Schwarzen Lacke
  • Errichtung eines weiteren Inundationsdammes (Inundation bedeutet Überschwemmung) am rechten Donauufer von der Kanalausmündung in Nussdorf, entlang des Kaiser Wassers nördlich der Brigittenau und des Augarten, bis in die Nähe des Heustadlwassers
  • Fixierung des Ufers an der Nußdorfer Stromgabelung mit kleinen Spornen und Ausbau des Teilwerkes

Das katastrophale Allerheiligenhochwasser von 1787, das den Hubertusdamm brechen ließ, war eine neuerliche Enttäuschung für alle Beteiligten und veranlasste Kaiser Joseph II. die Wiederherstellung des Dammes zu verbieten. Erst nach seinem Tode nahm man die Bauarbeiten wieder auf.

Neue Experten wagten sich an das "Abenteuer Donau", zum Beispiel der Wasserbaudirektor Abbé Walcher oder der ungarische Wasserbaudirektor Heppe.

Während der Regierungszeit von Franz II. Joseph Karl (1792 bis 1835) geschahen auch nur willkürliche Regulierungsmaßnahmen.

Aus heutiger Sicht kann man sagen, dass das Jahr 1797 den Beginn der systematischen Donauregulierung markiert, wobei diese Phase einen großen Zeitraum einnimmt und immer wieder von Rückschlägen und Kriegswirren gekennzeichnet war.

Die Napoleonischen Kriege beendeten wiederum die Bauarbeiten. Bis 1848 wurde nichts mehr zum Schutze der Bevölkerung im Einzugsgebiet der Donau unternommen. Die Stagnation der Bauarbeiten bedeutete jedoch nicht, dass sich nicht findige Köpfe, wie zum Beispiel der Wasserbauamtsinspektor Johann Freiherr von Pacassi oder etwas später der Direktor des Hofbauamtes Josef Schemmerl Ritter von Leytenbach, Gedanken zum Problem der Donauregulierung gemacht hätten.

Schemmerl wollte 1811 einen 1,9 Kilometer langen, geraden Durchstich des Donaustromes machen, wobei der Donaukanal als einziger Seitenarm übrig bleiben sollte. Der Vorschlag wurde erst zu Beginn der Großen Wiener Donauregulierung (1870 bis 1875) wieder aufgenommen. Einzig und allein die Pläne von Wasserbauamtsdirektor Osterlam wurden verwirklicht. Seine Lösung, das Kanalufer endgültig zu fixieren, verlieh dem "Wiener Arm" sein kanalartiges Aussehen. Doch die Maßnahmen waren vergebens: es bildeten sich wieder Sandbänke.

Auch der Nachfolger von Osterlam, Johann Kudriaffsky, erkannte nicht, dass die künstlich herbeigeführte Verengung der Donau bei Nußdorf zwar viel Wasser, aber auch viel Gesteinsmaterial ("Geschiebe") in den Kanal brachten. So wurde das Problem der Versandung nicht gelöst, sondern die Gefahr der Überflutung wurde erhöht.

Die Überschwemmungskatastrophe von 1830 überflutete die tiefer gelegenen Vorstädte Roßau, Leopoldstadt, Weißgerber und Erdberg und forderte viele Todesopfer.

Die neuerlichen Vorschläge von Schemmerl, seinem Nachfolger Hermengild Francesconi und Kudriaffsky wurden wieder nur teilweise berücksichtigt. Aus finanziellen Gründen wurde die Regulierung der großen Donau weiter aufgeschoben.

Einige Veränderungen an der Wiener Flusslandschaft bewirkte der Bau der Nordbahnstrecke. Aufgrund von Platzmangel für den Bau des Nordbahnhofes mussten zwei Donauarme trockengelegt werden. Wien erhielt seine zweite Donaubrücke, über die am 6. Jänner 1838 der erste Personenzug vom Nordbahnhof nach Deutsch-Wagram fuhr.

Ausschnitt eines Stadtplanes

Wien mit Vorstädten 1829 und Vororten 1818 bis 1821

Zeichnung von jubelnden Menschen vor einer Brücke über die ein Zug fährt

Eröffnungsfahrt über die Nordbahnbrücke am 6. Jänner 1838


Die Frühgründerzeit

Wien wurde zur Wirtschaftsmetropole. Seine Bevölkerungszahl verdoppelte sich von 440.000 auf 815.000 Bürger. Die Zeitspanne von 1840 bis 1870 war eine Übergangsphase vom Manufakturzeitalter zum hochindustriellen Zeitalter. Massenmietshäuser und Fabriken bestimmten den Bauboom, der einsetzte.

Die Ortschaften Brigittenau und Zwischenbrücken gehörten bis 1850 zu Niederösterreich, nach der Einbindung in das Gebiet von Wien wurden sie der Leopoldstadt angeschlossen. Nach der großen Wiener Donauregulierung veränderte sich das Landschaftsbild, und damit die Brigittenau grundlegend.

Die "Donaustadt" sollte die ursprüngliche Bezeichnung für den neu entstandenen Bezirksteil auf dem Gebiet der zugeschütteten Donauarme und dem Ort "Äußeres Zwischenbrücken" werden. Doch fiel die Entscheidung darauf,Jedoch man entschied sich, den neuen Stadtteil an die Brigittenau anzuknüpfen.

Mit dem Bau der Kaiser-Ferdinands-Nordbahn 1837 siedelten sich Fabriken und Werkstätten an.

Die Brigittenau verlor nach 1848 ihre landschaftliche Unberührtheit. Der allseits beliebte Brigittakirtag wurde im Revolutionsjahr eingestellt. Die noch nicht fertig regulierte Donau verursachte durch die immer wiederkehrenden Hochwasser enorme Schäden an den behördlich meist nicht genehmigten Arbeitersiedlungen und Fabriken. Jedoch die Grundstückspreise waren billig und so baute man weiter.

Der 1864 genehmigte Regulierungsplan für die zukünftige Bebauung von August Sicard von Sicardsburg und dem Architekten Ludwig Förster, führte zur Gestaltung der Brigittenau mit der Jägerstraße als zentraler Achse, der geplanten Brigittabrücke (spätere Friedensbrücke) und den noch gegenwärtigen Baulinien.

Lithografie von Adolf Friedrich Kunike nach der Vorlage von Jakob Alt, Wien 1820 bis1826: Spaziergänger und Arbeiter im Donaubereich

Blick auf Wien Anfang des 19. Jahrhunderts

Schwarz-weiß-Aufnahme der Brigittabrücke mit Menschen und Pferdekutschen

Brigittabrücke (spätere Friedensbrücke)


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