Kann man die Donau bezwingen? - wasserbauliche Maßnahmen

Schwarz-weißer Stadtplan von Wien mit Vorstädten mit blau eingezeichneter Donau

Wien mit Vorstädten 1706

Seit dem 16. Jahrhundert nahmen die Wiener tiefgreifende Veränderungen am Flussbett der Donau vor. Vordergründiges Bestreben war dabei, den Wiener Arm schiffbar zu halten. Daneben rückte den Stadtvätern immer mehr ins Bewusstsein, das die Bevölkerung gegen die immer wiederkehrenden Hochwasser und deren Folgen geschützt werden muss.

Zwei wasserbauliche Maßnahmen wurden angewandt: "Buhnen" und "Schlacht" beziehungsweise "Beschlächt"


Buhnen
Darunter verstand man kleine, vom Ufer aus quer zur Stromrichtung verlaufende Dämme, welche das Wasser zur Laufänderung zwingen sollten. Sie reichten bis zur Mittelwasserhöhe und bestanden aus aufgeschütteten Steinen oder aus "Faschinen" (zusammengeschnürte Strauchbündel).
Schlacht oder Beschlächt
So wurden senkrechte, in den Boden gerammte Bohlenwände zur Befestigung des Ufers bezeichnet.

Viele Wasserbaumeister wurden im Verlauf der Regulierungsbemühungen zu Rate gezogen. Der erste bedeutende war Hans Gasteiger. Er erfand eine "Baggermaschine", um die Vertiefung des "Wiener Armes" zu gewährleisten. Das Grundproblem waren immer die fehlenden Geldmittel, die alle Regulierungsversuche entweder ins Stocken geraten ließen oder im Keim erstickten.

Der nächste Spezialist war Ferdinand Albrecht Freiherr von Hoyos-Stixenstein, der fälschlicherweise als der "Erbauer" des Donaukanals (Namensgebung seit Anfang des 18. Jahrhunderts) angenommen wird und dessen Erfolge eher bescheiden ausfielen. Der Salzburger Architekt Hans Konrad Aspers schlug vergebens eine Begradigung des rechten Donauufers unterhalb des Leopoldberges und die Befestigung des linken Ufers bei der "Schwarzen Lacke" vor.

Sein Nachfolger Jakob von Hollstein legte ein Teilwerk bei Nussdorf an mit der Intention mehr Wasser in den "Wiener Arm" zu leiten, um so die Versandungen "auszuspülen". Die erhöhte Fließgeschwindigkeit des Wassers bewirkte aber gleichzeitig mehr "Geschiebe"(Gesteinsmaterial, das vom Fluss mitgenommen wird). Das blieb bei weniger Fließgeschwindigkeit unweigerlich liegen und führte zu noch mehr Versandungen. Auch der kaiserliche Schiffmeister Simon Peter Langsteger scheiterte an seiner Aufgabe, die Donau in den Griff zu bekommen.

Zeichnung der ersten Donaubrocken

Übersichtspläne von Ferdinand Albrecht Freiherr von Hoyos-Stixenstein

Schwarz-weiß-Zeichnung von Frauen, Männern und Pferdekutschen in einem Wald

Die Brigittenau als Erholungsgebiet von Wien


Eine neue Ära für Wien bricht an

Das Barockzeitalter und die damit verbundene prächtige Entwicklung Wiens führten ab 1683 bis 1770 zu einer Verdoppelung der Einwohnerzahl von 80.000 auf 160.000. Aus Platzmangel in der Innenstadt drängten die Menschen weiter in die Vorstädte und besiedelten versandete Donauarme.

Die neuen Vorstädte Roßau, Lichtental (ehemaliges "Alt-Lichtenwörd") oder Weißgerbervorstadt waren die Standorte für Fischer, Schiffer, Flößer, Binder, Seiler, Gerber, Lederer, Gemüsegärtner und Milchmeier. Neben der Vorstadt Leopoldstadt gab es damals drei Erholungslandschaften: den Prater, den Augarten und die Brigittenau (früher "Wolfsau" genannt).

Während des 30-jährigen Krieges (1618 bis 1648) wurden alle baulichen Maßnahmen zur Regulierung der Donau eingestellt.

Nach einer Begebenheit, bei der Erzherzog Leopold Wilhelm von Österreich bei Kampfhandlungen an der "Wolfsschanze" nur knapp dem Tode entronnen sei, stiftete am Ende des 30-jährigen Krieges Kaiser Ferdinand III. 1645 die "Brigittakapelle" zu Ehren der Heiligen Brigitta von Schweden an dieser Stelle. Sie wurde 1651 unter Kaiser Leopold I. fertig gestellt und war später ein Anziehungsort für viele Wiener um das Kirchweihfest zu feiern. Um die von Jahr zu Jahr steigenden Besucherzahlen zu bewältigen, musste sogar eine eigene Schiffsbrücke über den Donaukanal geschlagen werden. Sie befand sich an der Stelle der späteren Brigitta- oder Stroheckbrücke beziehungsweise der heutigen Friedensbrücke.

Zur Zeit der zweiten Türkenbelagerung 1683 befand sich die Belagerungszone im Bereich der heutigen Brigittenau. Dort befand sich der einzige Brückenübergang über die Donau. Dieser lag in der Hand der Türken. Die Brigittakapelle wurde während der Kriegshandlungen zerstört, jedoch zwei Jahre nach Ende der Belagerung wieder aufgebaut.

Die übrige Brigittenau war zu Beginn des 18. Jahrhunderts noch unbewohnt.

Die ersten Häuser von Müllern, Gärtnern, Holzhändlern und Gastwirten entlang des Donaukanals entstanden zur Zeit Josephs II. (1764 bis 1790).

Nach dem Krieg erwachte aus wirtschaftlichen Gründen ein neues Interesse am Verkehrswesen, weswegen die Arbeiten an der Donauregulierung mit gesteigerter Intensität weitergingen. Die Vorschläge 1685 von dem Brixener Wasserbaumeister Sebastian Gall wurden nicht realisiert. Er wollte den oberen Teil des Wiener Armes durch einen kleinen Kanal unterhalb des Nußdorfer Teilungswerkes stärker bewässern und zwei Schleusen oberhalb der Brigittakapelle für den Hochwasserschutz errichten. Stattdessen beschränkte man sich auf die Vervollständigung des Teilwerkes und die Errichtung eines Gegensporns am linken Donauufer. Auch die Ideen des berühmten Kartographen und Ingenieurs Leander Anguissola fanden kein Gehör. Dennoch lieferte er 1688 einen Plan des Donaustromes, der den nachfolgenden Wasserbaumeistern als Grundlage diente.

Der 1.140 Meter lange Durchstich der Jahre 1696 bis 1703 in der nördlichsten Taborau, ein "Neu-Canal", gab dem Donaukanal von nun an seinen Namen. Zusätzlich wurde der Nußdorfer Arm durch einen Damm abgeschlossen und ermöglichte so die Einleitung größerer Wassermassen in den Kanal. Technisch verantwortlich zeichnete sich hierfür der Wasserbaumeister Johann Adam Dietz.

Die Situation des Donaukanals und seiner Wasserführung blieb weiterhin unbefriedigend. Aus Mangel an Geld durch die zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen blieben weiterhin Großprojekte unerfüllt. Darunter befanden sich beispielsweise die Ideen zur Donauregulierung von Joseph Haas (1752), Hauptmann Spallart (1760) oder Kommerzialrat Fremaut (1767), während der Regierungszeiten von Karl VI. (1717 bis 1740) und Maria Theresia (1740 bis 1780). Stattdessen widmete man sich nur kleinen Ausbesserungsarbeiten.

Die Stadt wächst

Schwarz-weißer Stadtplan von Wien mit Vorstädten mit blau eingezeichneter Donau

Wien mit Vorstädten 1770

Die Zeit der barocken Überschwänglichkeit war ab 1770 vorbei und wechselte unter Joseph II. zur praktischen Nüchternheit der wirtschaftstreibenden Menschen. Die Einwohnerzahl Wiens stieg ab 1770 bis 1840 von 160.000 auf 440.000. Wo sollten all diese Menschen wohnen? Durch die Napoleonischen Kriege waren jegliche Geldmittel versiegt (Staatsbankrott 1811).

In den Vorstädten verdichtete sich dennoch die Bebauung, wobei die Brigittenau im Vormärz (Zeit zwischen dem Wiener Kongress 1815 und der Märzrevolution 1848) noch kein Ortsbild aufwies. Erste Siedlungsansätze beschränkten sich auf das Donaukanalufer und auf den Rand des Augartens, während die große Freifläche in der Mitte der Au als Kavallerieexerzierplatz und ab 1820 als Richtstätte benutzt wurde (Hinrichtung Robert Blums 1848 im "Brigitta Waldl").

Um den Menschenmassen auch die nötigen Verkehrswege zu erschließen, begann man neuerlich mit umfangreichen Regulierungsarbeiten an der Donau. Die alte Schlagbrücke, einzige Verbindung über den Donaukanal, wurde zu eng und konnte erst ab 1819 neu konstruiert werden. Sie wurde zu Ehren des Kronprinzen Ferdinand in "Ferdinandsbrücke" umgetauft. 1782 ließ Kaiser Joseph II. eine zweite Brücke, die "Augartenbrücke", in die Leopoldstadt schlagen. Gleichzeitig entstand die Weißgerberbrücke (nach Einsturz 1799 und Wiedereröffnung 1803 durch Kaiser Franz in "Franzensbrücke" umbenannt), so dass von 1782 an drei Brücken den Donaukanal überspannten.

1797 entstand durch Fürst Rasumofsky an der heutigen Stelle der "Rotundenbrücke" ein hölzerner "Privatsteg", der sein Palais auf der Landstraße mit dem Prater verbinden sollte. Ab 1824 wurde an der gleichen Stelle von Ignaz von Mitis und Johann Kudriaffsky die erste Wiener Kettenbrücke ("Sophienbrücke") und zugleich die erste Hängebrücke der Welt zu Ehren der Erzherzogin Sophie errichtet.

1828 schloss der Bau des "Karlskettensteg" (heute "Salztorbrücke") die erste "Brückenbauwelle" über den Donaukanal ab. Unterhalb dieses Steges befand sich lange Zeit die Anlegestelle für Personenschiffe der Linie Wien-Linz von der 1829 gegründeten Ersten Donau-Dampfschifffahrtsgesellschaft.

Schwarz-Weiß-Zeichnung eines gemauerten Zugangs zu einer Brücke

Die "Wolfsschanze" war ein Schauplatz der Kampfhandlungen während des Dreißigjährigen Krieges.

; Lithografie von Adolf Friedrich Kunike nach der Vorlage von Jakob Alt, Wien 1820 bis 1826: Brücke über einem Fluss, im Vordergrund befinden sich Menschen und Pferde

Die Ferdinandsbrücke (ehemalige Schlagbrücke) wurde 1819 neu gebaut und umbenannt.


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