Vorgeschichte zur Donauregulierung

Schwarz-weiß-Zeichnung einer Stadt

Wien 1683

Schon die Römer versuchten die Donau für sich zu nutzen. Als sie ihren Stützpunkt Vindobona anlegten, legten sie einen Militärhafen für ihre Donauflotte an (belegt seit dem ausgehenden 4. Jahrhundert). Das Legionslager dürfte den Übergang einer alten Handelsstraße über die Donau kontrolliert haben. Die Donau, die sich nach dem Durchbruch der Wiener Pforte in mehrere Arme geteilt hat, war weniger tief und reißend und konnte leicht überquert werden.

Bis zum ausgehenden Hochmittelalter floss die Donau entlang einer Linie. Diese war von der heutigen Liechtensteinstraße und dem Salzgrieß markiert. Man versuchte durch hölzerne Befestigungen die Ufer vor den Wassermassen zu schützen. Doch diese Bemühungen waren immer nur von kurzer Dauer.

Um die Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert veränderte die Donau erstmals ihren Lauf und rückte immer mehr nach Norden ab. Dies führte zu einer Verlandung der Anlegeplätze unterhalb der erstmals erwähnten Marienkapelle (später Maria am Gestade). Die Kapelle musste nach Norden verlegt werden.

Damals verlief die Hauptstromlinie entlang des heutigen Donaukanals (damals "Wiener Arm").

Gegenüber dem "Wiener Arm" lag der "Untere Werd" ("Werd" bedeutet "Insel"). Der "Untere Werd" war eine Gruppe von Inseln, die im Spätmittelalter zu großen Blöcken zusammenschmolzen. Nach der großen Donauregulierung 1870 bis 1875 bildeten die Blöcke die Praterinsel (heutiger 2. und 20. Bezirk). Anno 1300 wurde der burgähnliche, mit Palisaden umgebene "Hof zu Neydecke" schriftlich erwähnt, und zeugt so von der frühesten Besiedelung im Gebiet der Donauinseln.

So gab der "Wiener Arm" immer mehr von seiner Wasserführung an die nördlich gelegenen Donauarme ab. Er blieb jedoch aufgrund der Nahrungsmittelversorgung für den Schiffsverkehr von großer Bedeutung. Durch die allmähliche Versandung bedroht, versuchte die damalige Stadtverwaltung im Rahmen der technischen Möglichkeiten das seichter werdende Flussbett auszubaggern.

Erstmals urkundlich belegt, verwendete man 1376 so genannte Wasserpflüge. Die Handbagger brachten jedoch keinen großen Erfolg. Bis ins 16. Jahrhundert hatte man nicht ausreichend technische Möglichkeiten, den Lauf der Donau zu beeinflussen.

Durch immer wiederkehrende Hochwasser veränderten die Donau und ihre Seitenarme ihren Lauf und stellten eine ständige Bedrohung für die Bevölkerung dar. Somit war auch der Bau von dauerhaften Brücken eigentlich nicht möglich.

Schwarz-weiß-Zeichnung eines Flusses, im Hintergrund befindet sich eine Stadt

Blick Richtung Klosterneuburg um 1650

Schwarz-weiß-Zeichnung einer Stadt mit einem blauen Fluss, der sich durch die Häuserreihen schlängelt

Die "Schlagbrücke" über den Donaukanal (vormals Wiener Arm), Wien 1683


Die erste standhafte Brücke

Die erste "standhafte" Donaubrücke war die "Schlagbrücke" ("Slachpruck"). Sie wurde in den Jahren 1463 und 1464 an der Stelle der heutigen Schwedenbrücke errichtet und war für fast ein halbes Jahrtausend die einzige Verbindung zu den Donauinseln. Durch Überschwemmungen immer wieder zerstört, musste sie jedes Mal neu aufgebaut werden.

Erst im 15. Jahrhundert wagte König Albrecht II. (als Landesfürst Albrecht V.) die Überbrückung der Donauhauptarme. Das von ihm 1439 erlassene Brückenrecht erlaubte mit mehreren Brücken die verzweigte Donau zu überspannen, auf denen eine Brückenmaut zu entrichten war. Die Überquerung der Donau und ihrer Verästelungen "trockenen Fußes" war ungemein wichtig für Wien und den ungehinderten Handelsweg nach Norden. Die Ansiedelungen von verkehrsgebundenen Gewerben, wie zum Beispiel Handwerkern, an der neuen Ausfallstraße in den "Unteren Werd" (heutiger 2. und 20. Bezirk) war die Folge der Bemühungen der Donau "Herr zu werden".

Der Untere Werd

Lithografie von Adolf Friedrich Kunike  nach der Vorlage von Jakob Alt, Wien 1820 bis 1826: Männer, die eine Brücke an einem Fluss errichten

"Taborbrücke bey Wien"

Nach der ersten Türkenbelagerung 1529 begann man massiv die Stadt neu zu befestigen. Nach der Fertigstellung und kurz vor der zweiten Türkenbelagerung 1683 war Wien die stärkste Festung des Abendlandes. Durch diese bauliche Entwicklung und die Raumnot der stark zunehmenden Bevölkerung Wiens im 16. und 17. Jahrhundert, strömten immer mehr Bürger in die Vorstädte.

Entlang des Wassers siedelten sich zunehmend Kleingewerbetreibende, wie Flößer, Binder, Holzhändler, Lederer, Weißgerber und Fleischhauer an. Wichtige Veränderungen an der Kulturlandschaft entwickelten sich am linken Ufer des "Wiener Armes", im "Unteren Werd". Hier entstand jenseits der Schlagbrücke nach dem Wiederaufbau der von den Türken zerstörten Häuser die größte Vorstadt Wiens (Leopoldstadt). Es entstand eine Art Ghetto der Wiener Juden nachdem sie 1624 aus der Stadt verbannt wurden.

Den Wienern nach wie vor ein Dorn im Auge wurde Kaiser Leopold I. solange bedrängt, bis er 1670 die Aufhebung der "Judenstadt" verfügte und sie vertreiben ließ. Das damit auch ein wirtschaftlicher Abschwung des Gebietes einherging und der neuen "Leopoldstadt" schadete, war niemandem bewusst.

Ende des 17. Jahrhunderts wurde die Taborstraße angelegt. Von dort kam man über die "Kleine Taborbrücke" auf die Insel "Im Durchlauf" und schließlich über die "Große Taborbrücke" nach Floridsdorf. Von dort führte der Weg weiter nach Böhmen. Aufgrund der geografischen Lage, "Zwischenbrücken" genannt, entstanden erste Ansiedelungen an der "Großen Taborbrücke". Neben einem Mauthaus und einem Blockhaus wurde die Johann-Nepomuk-Kapelle errichtet.

Der Donaustrom hatte sich zu diesem Zeitpunkt endgültig nach Norden verlagert und von Wien entfernt.

Die Einwohnerzahl des Gebiets "zwischen den Brücken" stieg rasch an. Hier siedelten sich vornehmlich Fischer, Gärtner, Schiffsmüller oder Gastwirte an. 1820 zählte man bereits 320 Einwohner und unterschied zwischen dem "Inneren Zwischenbrücken" und dem "Äußeren Zwischenbrücken".

Zeichnung einer Brücke über einem Fluss

Große Taborbrücke

Ausschnitt einer historischen Landkarte

Lageplan von Zwischenbrücken und der Brigittenau von 1821

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