Fragen und Antworten zu Drogenabhängigkeit und Suchtberatung

Zur Information über die Drogenberatungsstelle in der Nußdorfer Straße hat die Bezirksvorstehung Alsergrund häufig gestellte Fragen gesammelt. Die Antworten zu den Fragen rund um Drogenabhängigkeit, Suchtberatung und Drogenpolitik wurden von Fachleuten der Sucht- und Drogenkoordination Wien zusammengestellt.

Fragen zu Drogenabhängigkeit

Ist Drogenabhängigkeit eine Krankheit?

Ja. Sucht wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Abhängigkeitssyndrom (umgangssprachlich: "Abhängigkeit") bezeichnet, das durch eine Gruppe von körperlichen, verhaltensbezogenen und kognitiven Symptomen charakterisiert ist, die sich nach wiederholter Einnahme bzw. wiederholtem Konsum von psychotropen Substanzen (auch Medikamenten), Alkohol oder Nikotin entwickeln. Charakteristisch ist ein starkes, oft unüberwindbares Verlangen, sich die Substanz zuzuführen oder ein bestimmtes Verhalten zu zeigen. Weitere Kennzeichen sind eine fortwährende oder periodische Einnahme der Substanz, Schwierigkeiten, den Konsum zu kontrollieren, und eine fortschreitende Vernachlässigung von Interessen, Verpflichtungen oder Aktivitäten. Es kommt dabei zu einer Toleranzerhöhung und vielfach zu einem körperlichen Entzugssyndrom.

Sucht ist der umgangssprachliche Begriff für verschiedene medizinisch-psychologische Krankheitsbilder und eine Erkrankung, die viele Ursachen und unterschiedliche Verläufe haben kann. Sucht beschreibt Verhaltensweisen, die sich weitgehend der Kontrolle der Betroffenen entziehen, und deren individuelle und/oder gesellschaftliche Auswirkungen schädlich sind, sodass therapeutischer oder gesellschaftlicher Handlungsbedarf besteht.

Warum ist Drogenabhängigkeit so schwer zu behandeln?

Sucht ist eine chronische Erkrankung, die nie nur eine Ursache hat, sondern immer sowohl von der Entstehung her als auch im Verlauf sowohl biologische als auch psychische und soziale Komponenten aufweist. Die Chemie der jeweils konsumierten Droge ist nur ein Faktor unter vielen und in der Regel für die Entstehung der Sucht nicht der ausschlaggebende.

Die Entwicklung einer Suchterkrankung verläuft in aller Regel auch nicht linear, sondern in verschiedenen Phasen, die mehr oder wenige akut sein können. Auch Rückfälle gehören zum Krankheitsverlauf. Die Genese dieser Erkrankung ist multifaktoriell und komplex. Entsprechend schwierig ist auch deren Behandlung. In vielen Fällen ist eine vollständige Heilung, so wie bei zahlreichen anderen chronischen Erkrankungen auch, heute noch nicht möglich. Möglich sind aber fast immer eine Stabilisierung der Situation der Betroffenen und eine Verbesserung des Krankheitszustandes, sodass viele mit ihrer Krankheit ein einigermaßen normales und sozial integriertes Leben führen können.

Erschwert wird eine Behandlung dadurch, dass Sucht eine Erkrankung ist, deren Betroffene vielfach diskriminiert werden und ihnen eine Schuld an ihrer Erkrankung gegeben wird. Dies verstärkt für die Betroffenen nicht nur psychosoziale Leidenszustände, sondern verhindert oft auch, dass sich Suchtkranke schon in einem frühen Stadium der Suchtentwicklung - in der die Heilungschancen natürlich ungleich höher sind - behandeln lassen.

Warum gibt es das Spritzentauschprogramm?

Zu glauben, dass es in den nächsten Jahrzehnten eine drogenfreie Gesellschaft geben wird, ist eine Illusion. Das oberste Ziel der Wiener Sucht- und Drogenpolitik ist daher, dass so wenige Menschen wie möglich Drogen konsumieren, und dass jene, die davon nicht abzuhalten sind, so wenig Schaden wie möglich nehmen. Aus diesem Grund gibt es seit beinahe 25 Jahren das Spritzentauschprogramm in Wien, ein international anerkanntes Programm zur Schadensminimierung.

Wenn eine Heilung nicht, noch nicht oder nur teilweise möglich ist, ist es das Ziel, zusätzliche Erkrankungen und Schäden, die durch Suchtmittelkonsum entstehen können, möglichst gering zu halten. Die Annahme, dass Suchtkranke zwar behandelt werden sollen, aber ein Spritzentausch nicht notwendig ist, ist falsch. Ein Spritzentauschkontakt ist für Betroffene oft (über)lebenswichtig und reduziert die Infektionsgefahr deutlich. Die Bereitstellung von sterilen Spritzen und der Kontakt beim Spritzentausch ist für viele Suchtkranke der erste Schritt in eine Therapie. Beim Spritzentausch werden gebrauchte Spritzen zurückgegeben und können damit fachgerecht entsorgt werden. Der Spritzentausch dient also auch der Sicherheit, denn jede getauschte Spritze ist auch eine fachgerecht entsorgte Spritze.

Ist die Verabreichung von Drogenersatzstoffen sinnvoll?

Ja. Die so genannte Substitutionsbehandlung, also die Versorgung bzw. Behandlung Drogenabhängiger mit Drogenersatzstoffen, ist von der medizinischen Seite her geeignet, eine große Zahl von Betroffenen effektiv zu stabilisieren und erleichtert einem Teil der PatientenInnen den Zugang zu einer abstinenzorientierten Therapie. Sie holt die Suchtkranken aus der Illegalität und ermöglicht vielen von ihnen die Reintegration ins Arbeitsleben und somit ins soziale Leben. Die eigentliche Suchterkrankung wird dadurch viel besser behandelbar.

Wie viele Drogenabhängige gibt es in Wien? Sind alle in Behandlung?

Die Schätzungen belaufen sich auf rund 12.500 Opiatabhängige. Rund 7.000 davon befinden sich in Substitutionsbehandlung. Es ist davon auszugehen, dass fast alle Suchtkranken zumindest in irgendeinem Betreuungs- oder Behandlungssetting an das psychosoziale bzw. das medizinische Hilfesystem andocken.

Sieht man allen Drogenkranken an, dass sie süchtig sind?

Nein. Das Bild von Süchtigen ist häufig ein Zerrbild, das durch manche Medien geprägt ist. Es gibt natürlich auch Süchtige, deren Anblick nicht angenehm ist, oder Drogenkranke, die sichtbar beeinträchtigt sind. Der überwiegenden Mehrzahl der Suchtkranken sieht man ihre Krankheit jedoch nicht an. Deutlich wird dies auch dadurch, dass auch im 9. Bezirk (wie in allen anderen Bezirken Wiens natürlich auch) einige hundert Suchterkrankte leben und dies offenbar, ohne weiter aufzufallen.

Fragen zur Einrichtung "Change"

Was ist eine "Drogenberatungsstelle"?

So komplex wie die Suchterkrankung und die erforderlichen Behandlungsschritte, so vielfältig ist auch das Angebot an Behandlungsangeboten. Die Angebote umfassen medizinische, psychische und soziale Hilfe, die in Krankenhäusern (sowohl stationär als auch ambulant), Beratungsstellen und Rehabilitationseinrichtungen geleistet wird.

"Drogenberatungsstellen" sind Einrichtungen des Sucht- und Drogenhilfenetzwerks, in denen die verschiedensten ambulanten Betreuungsleistungen angeboten werden. Nicht in allen Einrichtungen wird die gleiche Art von Leistungen erbracht. Das Spektrum reicht von sehr niedrigschwelligen Hilfen, die wichtig sind, damit Suchtkranke den Einstieg in eine Behandlung schaffen, bis hin zu Behandlungssettings, die eine kontinuierliche, oft über Jahre dauernde therapeutische Unterstützung anbieten.

Die Beratungsstellen haben unterschiedliche Schwerpunkte: ärztliche, psychologische, psychotherapeutische, sozialarbeiterische, arbeitstherapeutische Hilfen. Sinnvollerweise werden nicht in allen Einrichtungen alle Leistungen angeboten. In den Beratungsstellen des Wiener Sucht- und Drogenhilfenetzwerks arbeiten nur ausgebildete Fachkräfte wie Ärztinnen und Ärzte, Psychologinnen und Psychologen, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sowie Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter.

Welche Leistungen kann eine Beratungsstelle anbieten?

Eine Beratungsstelle bietet ambulante Leistungen an, wie Beratungsgespräche, Gespräche und Hilfe in akuten Krisensituationen (Krisenintervention), sogenannte tagesstrukturierende Angebote (Tagesaufenthalt), Hilfen zur Sicherung des täglichen Lebensbedarfs (Essen, Wäsche, Duschen, usw.), Krisenübernachtungsmöglichkeiten, Infektionsprophylaxe (Spritzentauschprogramm), qualifizierte und begleitete Vermittlung der Betroffenen in weiterführende Angebote, Jobvermittlung, aber auch kontinuierliche psychologische und psychotherapeutische Gespräche.

Wenn die Beratungsstelle gleichzeitig eine Krankenanstalt ist (was bei etlichen Wiener Suchthilfeeinrichtungen der Fall ist), kann auch direkt vor Ort eine ärztliche Behandlung, einschließlich medikamentöser Behandlung und Substitution, angeboten werden. Ein stationärer Krankenhausaufenthalt ist jedoch in vielen Fällen nicht sinnvoll und notwendig.

Was wird in der Beratungsstelle "Change" konkret angeboten?

  • Information, Beratung, Betreuung
  • Krisenintervention
  • Weiterleitung und Vermittlung ins Gesundheits- und Sozialsystem
  • Infektionsprophylaxe, Spritzentausch, Safer Use- und Safer Sex-Information
  • Kleiner Aufenthaltsbereich mit zehn Sitzplätzen
  • Gemeinwesenorientierte Straßensozialarbeit
  • Beschwerdemanagement

Wer betreibt diese Einrichtung?

Die Einrichtung wird von der Suchthilfe Wien gGmbH betrieben. Informationen über die SHW gibt es unter www.suchthilfe.at.

Wer arbeitet dort?

In der Einrichtung arbeiten ausgebildete Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, die eine FH für Soziale Arbeit oder eine Akademie für Sozialarbeit absolviert haben.

Wann sind die Öffnungszeiten im "Change"?

  • Montag bis Dienstag und Donnerstag bis Samstag: 9.30 bis 16.30 Uhr
  • Mittwoch: 14.30 bis 18 Uhr
  • Sonn- und Feiertage: geschlossen

Während der Öffnungszeiten ist die Hotline für Anrainerinnen und Anrainer unter der Telefonnummer +43 1 4000-53681 erreichbar.

Ist die Einrichtung "Change" vergleichbar mit dem "jedmayer"?

Nein. Die sozialmedizinische Einrichtung "jedmayer" hat eine weitaus größere Angebotspalette als das "Change" in der Nußdorferstraße. Im jedmayer gibt es neben dem Spritzentausch u.a. ein voll ausgestattetes Tageszentrum und eine Notschlafstelle. Außerdem befindet sich im selben Gebäude auch das ambulatorium suchthilfe wien.

Ist die Einrichtung ein Ersatz für Streetwork am Karlsplatz?

Nein. Die am Karlsplatz verbliebenen Angebote sind seit 2010 unverändert und werden dies auch auf absehbare Zeit bleiben. Die Neueröffnung der Beratungsstelle im 9. Bezirk erfolgte zusätzlich und nicht auf Kosten anderer Angebote.

Eine Szeneverlagerung vom Karlsplatz kann es auch deswegen nicht geben, weil es seit Jahren keine Szene mehr am Karlplatz gibt. Dies ist auf eine umfassende Integrations- und Sicherheitsoffensive am Karlsplatz zurückzuführen, bei der beginnend mit 2009 unter anderem die Betreuungskapazität verdoppelt wurde, sodass der Aufenthalt von Suchtkranken am Karlsplatz und an anderen damaligen Szenetreffpunkten kontinuierlich rückläufig war.

Ich bin an einem persönlichen Gespräch interessiert, ist das möglich?

Zu den Öffnungszeiten von "Change" können Sie gerne zu einem persönlichen Gespräch mit einer Mitarbeiterin oder einem Mitarbeiter in der Beratungsstelle vorbeikommen.

Nimmt die Suchthilfe am Standort Kleiderspenden entgegen?

Kleiderspenden sind sehr willkommen und werden von manchen Suchtkranken dringend gebraucht. Aus organisatorischen Gründen ersucht die Suchthilfe Wien aber, diese bitte nur beim jedmayer abzugeben.

Fragen zum Spritzentausch

Wie kann ich mir einen Spritzentausch vorstellen?

Sterile Spritzen werden im Tausch gegen gebrauchte Spritzen gratis abgegeben. Die Suchtkranken bringen die von ihnen benützten Spritzen mit und legen diese auf eine Metallvorrichtung, auf der sie leicht gezählt werden können, ohne dass jemand damit in Kontakt kommt. Von dort kommen die Spritzen direkt in einen eigenen, sicheren Abfallbehälter. Die Abfallbehälter werden von einer auf medizinische Abfälle spezialisierten Firma dann fachgerecht entsorgt. Pro zurückgebrachter Spritze bekommen die Suchtkranken ein steriles Set ausgehändigt. Mit dem Tauschsystem wird sichergestellt, dass bereits verwendete Spritzen von niemandem mehr benutzt werden können und zudem fachgerecht entsorgt werden.

Die Rücklaufquote bei den getauschten Spritzen liegt bei 98 Prozent. Das bedeutet, dass 98 Prozent der ausgegebenen spritzen auch wieder zurückgebracht und fachgerecht entsorgt werden. Mit dem Spritzentauschprogramm gelingt es, das Auftreten von schwerwiegenden Infektionserkrankungen extrem niedrig gehalten. Spritzentausch ist ein international anerkanntes Programm zur Schadensminimierung und findet in Wien seit beinahe 25 Jahren statt.

Wie werden die gebrauchten Spritzen entsorgt?

Die Spritzen werden von einer Spezialfirma abgeholt und fachgerecht als Sondermüll entsorgt.

Warum werden gebrauchte Spritzen im öffentlichen Raum gefunden?

In keiner Millionenstadt - auch in Wien nicht - kann ausgeschlossen werden, dass Spritzen im öffentlichen Raum gefunden werden. Rund 98 Prozent jener Spritzen, welche die Suchthilfe via Spritzentauschprogramm ausgibt, werden nach Gebrauch (meist im privaten Raum) auch wieder an die Suchthilfe retourniert. Die Möglichkeit des Spritzentauschs reduziert daher die Gefahr, Spritzen im öffentlichen Raum zu finden. Spritzenfunde gibt es über alle Bezirke Wiens verteilt.

Ich habe eine Spritze im öffentlichen Raum entdeckt. Was soll ich tun?

Bitte sorgen Sie nicht selbst für die Entsorgung, sondern rufen Sie das Misttelefon der Abteilung Abfallwirtschaft, Straßenreinigung und Fuhrpark (MA 48) unter +43 1 546 48 an. Zu den Öffnungszeiten von "Change" können Sie, wenn es sich um das Umfeld der Einrichtung handelt, auch unter +43 1 4000-53681 die MitarbeiterInnen informieren, die die Spritze fachgerecht entsorgen werden.

Ich habe mich an einer gebrauchten Spritze gestochen, was soll ich tun?

Sollte es zu dem extrem seltenen Fall einer Nadelstichverletzung kommen, ist eine Infektion höchst unwahrscheinlich. Trotzdem ist zur eigenen Sicherheit, und um jedes Risiko auszuschließen, eine unverzügliche Kontaktaufnahme mit einer der folgenden Einrichtungen angeraten:

  • Immunambulanz, Sozialmedizinisches Zentrum Baumgartner Höhe, Otto Wagner Spital, Telefon: +43 1 91060-42710
  • Station 4 Süd, AKH Wien, Telefon: +43 1 40400-42420.

Fragen zur Standortwahl

Warum wurde dieser Standort gewählt?

Bei der Planung von Sozialeinrichtungen, sei es für Suchtkranke, für Wohnungslose oder Flüchtlinge werden unterschiedliche Kriterien - auch für das Gemeinwesen - herangezogen. Dabei wird grundsätzlich darauf geachtet, dass soziale Einrichtungen über alle Bezirke in Wien verteilt werden. Dies entspricht dem solidarischen Prinzip. Die Angebote der neuen sozialen Tageseinrichtung tragen wesentlich dazu bei, dass suchtkranke Menschen in das Gesundheits- und Sozialsystem der Stadt Wien integriert werden können und auf diese Weise das Gemeinwesen entlastet wird. Ohne derartige Einrichtungen wären der öffentliche Raum und das Gemeinwesen mit den Begleiterscheinungen der Suchtkrankheit stärker belastet.

Für die Beratungsstelle "Change" wurde sehr lange wienweit nach einem geeigneten Standort gesucht. Die inhaltlichen Kriterien, die der Anmietung an diesem Standort zugrunde liegen, sind:

  • Der Gesamtzustand des Objekts wird als befriedigend bewertet: Die Grundausstattung wie Heizung, Böden, Fenster, usw. ist in Ordnung. Das Volumen der zu tätigenden Adaptionen ist gering. Der Eingang ist barrierefrei und es sind rechtskonforme Fluchtwege vorhanden. Die räumliche Aufteilung ist sehr übersichtlich.
  • Gute Verkehrsanbindung und die daraus resultierende hohe Annahmewahrscheinlichkeit der Angebote: Das Objekt ist binnen weniger Gehminuten sowohl von der U6-Station Nußdorfer Straße als auch von der U6-Station Währinger Straße zu erreichen. Dies hat den Vorteil, dass sich der Anfahrtsweg des Klientels auf zwei U-Bahnstationen verteilt. Zusätzlich ist eine Anbindung von der U4-Station Friedensbrücke (rund acht Minuten) und vom Verkehrsknotenpunkt Spittelau (etwa neun Minuten) gegeben.
  • Die Kooperationen mit den wichtigsten involvierten PartnerInnen bestehen und funktionieren: Bezirksvorstehung, Polizei, Abteilung Abfallwirtschaft, Straßenreinigung und Fuhrpark (MA 48) und Wiener Stadtgärten (MA 42).

Warum gab es vor Fixierung des Standorts keine BürgerInnenbefragung?

Grundsätzlich findet es die überwiegende Mehrzahl der Bürgerinnen und Bürger wichtig, dass solche Einrichtungen zur Verfügung stehen. Wie bereits seit vielen Jahren beobachtet wird, werden allerdings meist solche Einrichtungen in der eigenen Nachbarschaft mit unterschiedlichen Argumenten abgelehnt. So würde die Gefahr entstehen, dass bestimmte Zielgruppen nicht mehr bedarfsgerecht versorgt werden können und wichtige Angebote im Sozial- und Gesundheitsbereich, wie Spitäler, Beratungsstellen, Wohnungsloseneinrichtungen oder Unterkünfte für Flüchtlinge, nicht betrieben werden können.

In der Nähe der Beratungsstelle befinden sich Bildungseinrichtungen wie Kindergärten und Schulen, birgt dies Gefahren?

Wien verfügt über ein dichtes Bildungs- und Kinderbetreuungsnetz und es gibt praktisch keinen potentiellen Standort, in dessen unmittelbarer Umgebung nicht entweder eine Schule oder ein Kindergarten zu finden ist. Die jahrzehntelange Erfahrung mit Suchthilfeeinrichtungen in anderen Bezirken hat nachweislich gezeigt, dass mit ihrer Präsenz die Erhöhung der sozialen Kontrolle verbunden ist. Einrichtungen des Sucht- und Drogenhilfenetzwerks sind praktisch immer in einer Wohnumgebung zu finden. Nirgends wurde eine erhöhte Gefährdung registriert.

Warum werden Beratungsstellen nicht in Spitälern untergebracht?

Der niederschwellige Zugang zu Beratungs- und Betreuungsmöglichkeiten ist für einen Teil der Suchtkranken Voraussetzung, überhaupt mit dem Suchthilfenetzwerk in Kontakt zu kommen. Auf Basis dieses direkten und vor allem unbürokratischen Eintritts in das Netzwerk der Beratungs-, Betreuungs-, Behandlungs- und Rehabilitationseinrichtungen gewinnen Suchtkranke Vertrauen und können somit an eine weitergehende Therapie herangeführt werden, die letztlich die soziale Reintegration ermöglicht.

Krankenhäuser spielen aber in der Behandlung Suchtkranker ebenfalls eine zentrale Rolle: insbesondere für einen Entzug oder die Behandlung verschiedener organischer und/oder psychischer Begleiterkrankungen sind stationäre Aufenthalte oft unerlässlich. Die Betreuung von Suchtkranken in einer niederschwelligen Beratungseinrichtung und eine Behandlung im Krankenhaus sind Maßnahmen, die einander ergänzen. Beides wird gebraucht und beides wird in Wien angeboten.

Fragen zur Zusammenarbeit mit der Polizei

Werden die Polizeistreifen in der Gegend rund um das Change verstärkt?

Ja. Schwerpunktstreifen gibt es von Montag bis Samstag von 7 bis 19 Uhr im erweiterten Gebiet samt Parkanlagen. Dabei kommt es täglich zu mehrmaliger Präsenz im unmittelbaren Umfeld, besonders vor den Öffnungszeiten und nach den Schließzeiten.

Schwerpunktaktionen, also die sichtbare Präsenz von mehreren uniformierten Polizeikräften, erfolgen wiederkehrend: einerseits bei den wöchentlich stattfindenden Routinebesprechungen, andererseits schauen die Beamtinnen und Beamten im Rahmen ihrer routinemäßigen Streifen immer wieder in der Einrichtung vorbei, was teilweise zur falschen Vermutung geführt hat, dass es Einsätze im oder um das "Change" gegeben habe.

Bringt die Einrichtung ein Gefahrenpotenzial durch "Beschaffungskriminalität"?

Laut Kriminalitätsstatistik gibt es rund um Suchthilfeeinrichtungen keine höhere Kriminalität als in anderen Bereichen in Wien. Dies bestätigt auch die Wiener Polizei, mit der bereits jetzt eine enge und akkordierte Zusammenarbeit erfolgt. Speziell dort, wo Drogeneinrichtungen sind, werden KooperationspartnerInnen geschult und es findet eine hohe Kontrolle durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sozialen Arbeit, Polizei, Abteilung Abfallwirtschaft, Straßenreinigung und Fuhrpark (MA 48) und Wiener Stadtgärten (MA 42) statt. Rechtsübertretungen werden von der Exekutive geahndet, die Präsenz der Beamtinnen und Beamten ist sichergestellt.

Frage zur Sucht- und Drogenstrategie der Stadt Wien

Wo kann ich mehr über das Suchthilfenetzwerk und die Sucht- und Drogenpolitik der Stadt Wien erfahren?

Nähere Informationen zum umfangreichen Angebot der Wiener Suchthilfeeinrichtungen gibt es auf den Internetportalen der Suchthilfe Wien sowie der Sucht- und Drogenkoordination Wien. Dort finden Interessierte auch Links zu allen von der Stadt Wien geförderten Beratungsstellen und Einrichtungen.

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