Alsergrund vergibt Daseinsvorsorge-Preis 2021

Der Verein Hemayat wurde für seine Leistungen bei der Betreuung von Folter- und Kriegsüberlebenden ausgezeichnet. Er erhielt 1.000 Euro.

Unter Daseinsvorsorge fallen Dienstleistungen, die am Wohl der Bürgerinnen und Bürger und nicht am Gewinn orientiert sind. Sie werden in Österreich von Ländern, Städten und Gemeinden erbracht, um eine allgemeine Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

Insbesondere durch die Corona-Pandemie wurde die Relevanz der Daseinsvorsorge-Einrichtungen noch deutlicher sichtbar.

Büro für Daseinsvorsorge stiftet Preisgeld

Das Büro für Daseinsvorsorge und Kommunalwirtschaft der Stadt Wien stiftete 2021 erstmals ein Preisgeld in der Höhe von 1.000 Euro pro Bezirk, um eine lokale Einrichtung der öffentlichen Daseinsvorsorge beziehungsweise deren Teams auszuzeichnen.

Die Wahl der Preisträgerin beziehungsweise des Preisträgers wurde durch die Kommission für Bildung, Inklusion, Diversität und Soziales (BIDS) der Bezirksvertretung Alsergrund in der Sitzung vom 8. Juni entschieden. Als Gewinner ging der Verein Hemayat hervor. Im Jahr 2020 betreute die Einrichtung 1128 Menschen, darunter 118 Minderjährige, aus 46 Ländern. Insgesamt wurden 14.083 Stunden für psychologische und psychotherapeutische Betreuung von Folter- und Kriegsüberlebenden geleistet.

Die Preisverleihung fand rund um den 23. Juni 2021, dem Tag der öffentlichen Daseinsvorsorge der Vereinten Nationen, statt.

Nominierungen

Die Bezirksvorsteherinnen und Bezirksvorsteher der Bezirke wurden aufgefordert Einrichtungen auszuwählen, die für den Erhalt des Daseinsvorsorge-Preises in Frage kommen. Im 9. Bezirk wurden folgende 6 Einrichtungen nominiert:

  • Hemayat - Betreuungszentrum für Folter- und Kriegsüberlebende
    Der Verein Hemayat wurde 1995 gegründet. Er hat sich als Zentrum für dolmetsch-gestützte medizinische, psychologische und psychotherapeutische Betreuung von Folter- und Kriegsüberlebenden etabliert. Durch Umstellung des Therapieangebots via Telefon und Internet konnte das Betreuungszentrum während der Corona-Pandemie durchgehend geöffnet bleiben. Es wurden eine Vielzahl an dolmetsch-gestützten Telefongesprächen geführt, um Aufklärung zu leisten und eine Verschlechterung der psychischen Symptomatik durch die Pandemie abzufedern.
  • Zentrum 9 - Jugendzentrum
    Das Zentrum 9 bietet als nicht kommerzieller Raum vielfältige gratis Angebote für Kinder, und Jugendliche aus dem Grätzl und darüber hinaus. Neben Standardaktivitäten wie Wuzeln, Spielen, Musik, Tanzen und Kochaktionen werden auch themenzentrierte Schwerpunkte gesetzt, Workshops abgehalten oder Ausflüge gemacht. Während der pandemiebedingten Kontaktbeschränkungen musste die Einrichtung rasch auf Online-Formate umstellen. Dabei stellte sich heraus, dass viele Schülerinnen und Schüler über keinen eigenen Laptop verfügen, um am digitalen Schulunterricht teilzunehmen. Das Zentrum 9 startete gemeinsam mit der Nachbarschaftshilfe Alsergrund eine große Laptop-Sammelaktion. Gebrauchte Laptops aller Art wurden gespendet und anschließend an Schülerinnen und Schüler im Bezirk verteilt.
  • Sam flex - Mobile Suchthilfe
    Sam flex leistet mobile soziale Arbeit im öffentlichen Raum. Die verschiedenen Teams helfen marginalisierten Gruppen bei der Vermittlung von Schlafplätzen oder Hilfeeinrichtungen. Mit Beginn der Corona-Krise reagierte sam flex mit einem umfassenden Maßnahmenpaket für besonders vulnerable Menschen im 9. Bezirk. So wurden Info-Flyer in mehreren Sprachen zur Einhaltung von Hygienemaßnahmen und sozialen Angeboten an Klientinnen und Klienten verteilt. Ebenso wurden Essens- und Care-Pakete geschnürt. Hygiene-Utensilien wurden verteilt, damit öffentliche Verkehrsmittel und Geschäfte des täglichen Bedarfs weiterhin aufgesucht werden konnten. Gerade für wohnungslose Personen war die Aktion von besonderer Bedeutung. Darüber hinaus führten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Organisation mit Anrainerinnen und Anrainern am Alsergrund zahlreiche Entlastungsgespräche.
  • Inclusion24 - Akzeptanz von Menschen mit Behinderung
    Inclusion24 wurde im Jahr 2019 gegründet und wird als GmbH geführt. Das Unternehmen bietet ein Gesamtpaket rund um die Umsetzung von Inklusion an. Im Fokus stehen inklusive Arbeitspolitik, Barriere-Checks und barrierefreie Websites, Erstellung von Videos in Gebärdensprache und Texten in einfacher Sprache sowie Weiterbildung, Workshops, Webinare und Sensibilisierungskurse. Während der Covid-19-Krise unterstützte Inclusion24 vor allem Menschen mit Behinderungen mit barrierefreien Informationen und Angeboten.
  • WEISSER RING - Verbrechensopferhilfe
    Der WEISSE RING hilft Opfern von Straftaten ungeachtet des Alters, Geschlechts, der Nationalität und der Art des Verbrechens. Verbrechensopfer haben umfangreiche Rechte - auch im Strafprozess. Die Einrichtung klärt gemeinsam mit Betroffenen deren Ansprüche und vermittelt auch an andere Hilfsorganisationen weiter. Eine große Herausforderung für den WEISSEN RING stellte der Terroranschlag am 2. November 2020 in Wien dar. Nach umfangreicher Vernetzungsarbeit mit anderen Einrichtungen konnte aktive Opferhilfe geleistet und rechtliche Ansprüche vieler Betroffener geklärt werden.
  • JUVIVO.09 - aufsuchende Kinder- und Jugendarbeit
    JUVIVO ist als Trägerverein für aufsuchende Kinder- und Jugendarbeit in 6 Bezirken tätig. Die Corona-Kontaktbeschränkungen galten für den Verein als größte Hürde, um gerade in diesen Zeiten weiterhin Hilfe anbieten zu können. Durch individuelle Problemerhebung konnte JUVIVO trotz der Schwierigkeiten vielfältige Angebote organisieren und so einen wertvollen Beitrag zur Unterstützung von Kindern und Jugendlichen leisten.
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