| 2.7.1.3 |
| Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP): Gaupersonalamt: Hauptstelle Ahnennachweis "Gausippenamt" (früher: Amt für Sippenforschung) |
| {angelegt:} 1938-1945, {betrifft: } ca. 1830-1945 |
| Bestand |
| Bände: 0,7 Laufmeter; Schachteln: 478; 413 Einheiten Sonderformat |
Die "Zweigstelle der Reichsstelle für Sippenforschung" wurde für die Ostmark mit der Bezeichnung "Amt für Sippenforschung als Dienststelle des Reichskommissars für die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich" bei der Gauleitung Wien bald nach dem "Anschluss" gegründet und stellte Ahnenpässe aus. Vorbilder waren die Reichsstelle für Sippenforschung bei dem Reichs- und Preußischen Ministerium des Inneren (Runderlass des Reichsministeriums des Inneren vom 26.7.1933 ) und das Amt für Sippenforschung (Verordnungsblatt Nr. 49/34 der Reichsleitung am 15.10.1934). Der Leiter des Amtes für Sippenforschung führte in Personalunion die Reichsstelle für Sippenforschung. In diesem Zusammenhang betrieb das Amt auch umfangreiche familiengeschichtliche Forschungen in den Matrikenämtern der Kirchen und Religionsgemeinschaften. Eine Anordnung des Gauleiters Josef Bürckel vom 14. 7.1938 stellte klar, dass für die Aktivitäten des „Österreichischen Amtes für Sippenforschung jede gesetzliche Grundlage fehlte, und schrieb vor, das bisherige Amt für Sippenforschung in eine "Gauberatungsstelle" umzuwandeln. Es wurde jedoch entgegen dieser Anordnung in der Gauleitung Wien weiterhin die Bezeichnung "Amt für Sippenforschung" geführt und von diesem wurden Abstammungsnachweise ausgestellt. Im Jahr 1939 findet sich in den Akten die Bezeichnung "Reichsstelle für Sippenforschung, Zweigstelle Wien". In der Folge wurde eine Stelle "Ahnennachweis" statt des früheren "Amtes für Sippenforschung" als Unterabteilung des Gaupersonalamtes errichtet. Diese Stelle hatte als Amt der Gauleitung Wien ab 1940 ihren Sitz im Gauhaus (= heute Parlament). Der im Handbuch des Reichsgaues Wien 1941 als "Hauptstelle Ahnennachweis" bezeichneten Behörde oblagen alle Angelegenheiten des „Ariernachweises und der Abstammungsüberprüfungen; sie war verantwortlich für die Ausgabe der kleinen Abstammungsnachweise. Leiter des Gaupersonalamtes waren bis 1939 Erich Rothe, 1939/40 Dr. Wolfgang Scholz und seit Sommer 1941 Emil Volkmer. Leiter der Hauptstelle für Ahnennachweis war 1941 Hans Konrad Puhrer. Die Hauptstelle für Ahnenachweis bestand 1941 aus zwei Stellen: der Stelle Forschung und der Stelle Abstammungsprüfung, deren Leiter Wilhelm Schön war. In den Akten finden sich jedoch weiter die Bezeichnungen „Gausippenamt und „Gauamt für Sippenforschung, auf den Vordrucken des kleinen Abstammungsnachweises die Bezeichnung „Amt für Sippenforschung der NSDAP, Gau - Wien. Im Handbuch des Reichgaues Wien 1944 wird die Hauptstelle für Ahnennachweis als Unterabteilung des Gaupersonalamtes unter der Leitung von Wilhelm Schön auch als "Gausippenamt" bezeichnet. (Österreichisches Staatsarchiv, Archiv der Republik, NS-Zivilakten, Reichskommissar für die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich, Karton 183, Mappe 2755; Gerhard Botz, Wien vom Anschluss zum Krieg. Nationalsozialistische Machtübernahme und politische Umgestaltung am Beispiel der Stadt Wien 1938/1939, 1978, S. 221; Handbuch des Reichsgaues Wien, 63/64 und 65./66., 1941 und 1944).
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Die Unterlagen des Gausippenamtes und des Rassenpolitischen Amtes wurden am 22. November 1946 nach schriftlichem Ansuchen von Archivdirektor Dr. Rudolf Geyer (15.10.1946) vom Bundesministerium für Inneres übergeben. Geyer argumentierte mit der Funktion des Gausippenamtes als Landesbehörde und der Bedeutung des Bestandes ("Ahnentafel und Judenkataster" ) für die Wiener Geschichtsforschung in Hinblick auf Bevölkerungs- und Herkunftsgeschichte. Die Übernahme enthielt, wie sich dann herausstellte, neben Beständen des Gausippenamtes auch Bestände des Rassenpolitischen Amtes. 1946 waren die Bestände im Parlamentsgebäude gelagert. Im November 1946 wurden sie von dort übernommen und im Depot Stumpergasse untergebracht. Laut Accessionsbuch wurden sie vorerst dem Bestand Privatarchive - Israelitische Kultusgemeinde zugeordnet, waren somit offensichtlich als Findbehelfe gedacht. Manche Akten wurden von Hanns Jäger-Sunstenau etwa 1959 in Mappen zusammengelegt. Ordnungs- und Erschließung nach Vorarbeiten durch Peter Csendes (1967-2005, ab 1977 stellvertretender Leiter) von Herbert Tschulk und Andrew Simon 2000/2001. |
| Bundesministerium für Inneres 1946 (Acc.Nr. 3343) |
| Bücher, Karteien und Akten, darunter kleine Abstammungsnachweise, Karteien zu den Matriken der Israelitischen Kultusgemeinde, Abstammungserhebungen und - unterlagen, Feststellung der Zugehörigkeit von Personen, die jüdischer Herkunft waren, zum Kreis der sogenannten "Geltungsjuden" oder "Mischlinge I. und II. Grades", Einzelfallsdarstellungen, Unterlagen zur Verwaltung des Gauamts (Postbücher, Kassabücher, Bibliothekskatalog, Verwaltungsakten). |
| keine Skartierung |
| Bestand abgeschlossen |
| Serien B 1 - B 2, K 1 - K 9, A 1 - A 6. |
| Gleitende Archivsperre 30 Jahre [§§ 9 (1) und 10 (1) Wr.ArchG] abgelaufen; erweiterte Schutzfrist für personenbezogene Daten [§ 10 (2) Wr.ArchG]; Einsichtsrechte für Betroffene [§ 11 Wr.ArchG]. |
| 9999 |
| Deutsch |
| WStLA, Rassenpolitisches Amt (2.7.1.2). |
| Gerhard Botz: Wien vom Anschluss zum Krieg. Nationalsozialistische Machtübernahme und politische Umgestaltung am Beispiel der Stadt Wien 1938/1939, 1978. Handbuch des Reichsgaues Wien, 63/64, 1941. Organisationsbuch der NSDAP, 1943. |
| Beschreibung von Shoshana Duizend-Jensen 2005. |
| Freigabe zur Veröffentlichung |
| 10.11.2005 |
| lai |