1938 bis 1945 - Geschichte des Wiener Marktamtes (MA 59)

Dem deutschen Einmarsch am 12. März 1938 folgte eine grundlegende Umorganisation des Marktamtes. Die Lebensmittelkontrolle wurde direkt den Berliner Ministerien und dem sogenannten Reichsnährstand unterstellt. In der Einrichtung waren alle Behörden und Dienststellen mit Aufgaben im Bereich der Versorgung mit Lebensmitteln untergebracht.

Austausch der Marktamtsführung

Schwarz-Weiß-Foto: Anschlusspropaganda auf dem Naschmarkt für die Volksabstimmung am 10. April 1938

Propaganda für die Volksabstimmung zum Anschluss

Bereits kurz nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde die gesamte Führung des Marktamtes ausgetauscht. Mindestens vier weitere Bedienstete wurden aus rassischen Gründen entlassen beziehungsweise zwangspensioniert. Im Zuge der sogenannten Arisierung wurden den jüdischen Inhabern von 498 Marktständen die Bewilligung zum Betrieb derselben entzogen. Da die österreichischen Gesetze durch deutsche Normen ersetzt wurden, verlor auch das Lebensmittelgesetz RGBl. Nr. 80/1897 seine Gültigkeit. Eine strenge Preisregelung wurde eingeführt. Im Polizeipräsidium wurde eine Preisüberwachungsstelle eingerichtet. Ab August 1938 mussten die Marktamtsbeamten im Auftrag des Reichskommissars für die Preisbildung monatlich die Preise für bestimmte Nahrungsmittel sowie für Bekleidungsgegenstände erheben.


Verschlechterung der Versorgungslage

Am 1. September 1939 wurde mit dem Überfall auf Polen ein Krieg begonnen. Die Versorgungslage der Bevölkerung verschlechterte sich genau wie 25 Jahre vorher im Verlauf der Kriegsjahre immer mehr. Wieder wurden Bezugskarten für Lebensmittel und Bekleidung ausgegeben. Bereits im April 1942 musste die wöchentliche Normalration Fleisch von 400 Gramm auf 300 Gramm und im Mai 1943 auf 200 Gramm gesenkt werden.

Die letzten Kriegsjahre

Schwarz-Weiß-Foto: Die zerstörte Schafhalle im Jahr 1945

Eine im 2. Weltkrieg zerstörte Markthalle.

Im August 1943 begannen die amerikanischen Luftangriffe gegen Österreich. Der erste schwere Bombenangriff gegen Wien erfolgte im September 1944. Der schwerste Bombenangriff mit Zerstörung der Oper und stärksten Beschädigungen an der Stephanskirche, dem Kunsthistorischen Museum, Burgtheater, in der Kärntner Straße und am Donaukanal fand am 12. März 1945 statt. Die zahlreichen Bombenangriffe hatten auch die Wiener Märkte schwer getroffen. Anfang April 1945 stand die Rote Armee vor Wien, am 10. April sprengten SS-Einheiten die Brücken über den Donaukanal. In Folge verschlechterte sich die Versorgung der in Mitleidenschaft gezogenen Stadt noch mehr. Am 13. April zogen sich die letzten deutschen Einheiten aus Wien zurück.

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