Nachkriegszeit - Geschichte des Wiener Marktamtes (MA 59)
Am 17. April 1945 wurde General a. D. Theodor Körner vom sowjetischen Stadtkommandanten zum Bürgermeister von Wien bestellt. Am 24. April wurde die erste Stadtverwaltung gebildet. Am 28. April veröffentlichten die politischen Parteien Österreichs die Proklamation: Die demokratische Republik Österreich ist wiederhergestellt.
Zu diesem Zeitpunkt war die Versorgung Wiens mit Nahrungsmitteln bereits völlig zusammengebrochen. Nur mit Hilfe der Alliierten konnte eine notdürftige Versorgung der Wiener Bevölkerung aufgebaut werden.
- Lebensmittelzuteilung
- Verteilung der Versorgungsgüter
- Schleichhandel
- Ende der Rationierung
- Wiederaufbau in den 1950er-Jahren
Lebensmittelzuteilung
Die ersten 12.000 Tonnen Nahrungsmittel wurden Wien von der sowjetischen Besatzungsmacht zur Verfügung gestellt - die Erbsen in Dosen wurden für die ersten Monate nach Kriegsende zur Grundlage der Ernährung. Die wöchentliche Lebensmittelzuteilung bestand zunächst aus einem halben Laib Brot, 50 Gramm Fett und Erbsen. Die ab März 1946 eintreffenden Hilfslieferungen der UNRRA (United Nations Relief and Rehabilitation Administration) brachten bis Juni 1947 Lieferungen von Lebensmitteln, Saatgut, Düngemitteln, Bekleidung und Kraftfahrzeugen. Im Herbst 1947 konnte der Verpflegssatz pro Tag für Normalverbraucher von 1.550 Kalorien auf 1.700 Kalorien erhöht werden. Eine Überbrückungshilfe stellten die kostenlosen amerikanischen Lebensmittellieferungen auf Grund des "Interimshilfeabkommens" sicher. Im Herbst 1948 begannen die Lieferungen im Rahmen des ERP (European Recovery Program, der sogenannte Marshall-Plan). Nun konnte der Verpflegssatz auf 2.100 Kalorien angehoben werden.
Verteilung der Versorgungsgüter
Zur Verteilung der Versorgungsgüter wurde eine Ernährungsverwaltung aufgebaut. Das Landesernährungsamt Wien hatte die Verteilung zu regeln, wobei täglich zirka 510 Tonnen Mehl, 66 Tonnen Fett, 156 Tonnen Nährmittel und 77 Tonnen Zucker verbraucht wurden. Aufgabe der damaligen Marktamtsbeamten war, auf die Genusstauglichkeit der Lebensmittel zu achten. Sie nahmen auch eine Kontrollfunktion bezüglich deren Verteilung wahr.
Schleichhandel
In dieser Zeit blühte ein illegales Gewerbe, der Schleichhandel. Zentrale Anlaufstelle für Anbieter und Suchende war der Resselpark. Hier wurde so manches wertvolle Schmuckstück gegen ein Kilogramm Fett getauscht. Das Marktamt war ein wichtiges Instrument im Kampf gegen Schwarzhändler. Unter Mitwirkung der Polizei wurden bis Ende 1948 Lebensmittel in einer Liefermenge von zirka 2.000 Wagonfrachten beschlagnahmt.
Ende der Rationierung
Am 11. Jänner 1949 konnte die Brot- und Mehlrationierung aufgehoben werden. Am 31. August 1950 trat das Lebensmittelbewirtschaftungsgesetz außer Kraft. Damit war die Rationierung der Lebensmittel beendet. Eine Verknappung auf dem Fleischmarkt zwischen August 1951 und Juli 1952 brachte die Einführung von zwei fleischlosen Tagen pro Woche. Versorgungsengpässe gab es 1952 auch bei Margarine, Erbsen, Wein, Holz und Kohle. Diese führten zu teilweise massiven Verteuerungen. Eine Intervention des Marktamtes bei den zuständigen Bundesministerien führte zu beschleunigtem Import von Kohl, Karfiol und Salat aus Italien und einer Entspannung der Situation.
Wiederaufbau in den 1950er-Jahren
Im Jahr 1950 wurde die unter der Leitung des Marktamtes stehende Kommission für die Festsetzung von Richtpreisen für Gemüse und Kartoffeln eingerichtet. Die Magistratsdirektion übertrug die Aufgabe "Preisbestimmungen für Lebensmittel, soweit sie vom Amt der Wiener Landesregierung vorzunehmen sind" dem Marktamt.
Vom Krieg schwer in Mitleidenschaft gezogen waren auch die Wiener Märkte. Von insgesamt 41 Märkten der Vorkriegszeit waren neun völlig niedergebrannt, darunter der Karmelitermarkt, der Viktor-Adler-Markt und der Floridsdorfer Markt. Kriegsbedingte Schäden wie einzelne Bomben- beziehungsweise Granattreffer wiesen nahezu alle Marktflächen auf. Die Verglasungen von Markthallen waren großteils zerstört. Schon bald nach Kriegsende wurden die Sanierungsarbeiten an den Marktständen begonnen. Diese erfolgten großteils durch die Standbetreiber selbst, da auf den meisten Wiener Märkten die Standbauten Privateigentum waren.
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