Vogelgrippe (Klassische Geflügelpest, Aviäre Influenza) - Tierkrankheit

Vorkommen und Verbreitung
Übertragung
Krankheitsbild
Anzeigepflicht
Diagnose
Therapie
Überwachung

Vorkommen und Verbreitung

Die aviäre Influenza ist eine beim Geflügel auftretende zyklische Allgemeinerkrankung mit Fieber und Manifestationen im oberen Respirationstrakt. Dabei handelt es sich in erster Linie um eine Tierseuche von hoher ökonomischer Bedeutung. Die Krankheit wurde erstmals 1878 in Norditalien festgestellt und hat sich von dort über die ganze Welt verbreitet.

Es existieren drei Gruppen von Influenzaviren, Influenza A-, B- und C-Viren. Während Influenza A-Viren bei einer Reihe von Säugetieren und Vogelarten vorkommen, infizieren Influenza B- und C-Viren im Wesentlichen nur den Menschen. Influenzaviren haben ein segmentiertes Genom. Dadurch ist ein Austausch von Genomabschnitten zwischen zwei Influenzaviren möglich, wenn diese dasselbe Tier infizieren. Durch Rekombination entsteht ein neues Influenzavirus, das unter Umständen Anlass einer weltweiten Epidemie (Pandemie) sein kann.

Seit der Entdeckung der aviären Influenza wurden zahlreiche Ausbrüche (vor allem in den USA, der BRD, den Niederlanden, Belgien) festgestellt. Diese führten in den betroffenen Gebieten bei Geflügelhalterinnen und -haltern zu enormen wirtschaftlichen Verlusten.

Aktuelle Ausbrüche, bei denen auch Menschen in das Krankheitsspektrum miteinbezogen wurden, fanden in Thailand, China, Japan, Südkorea, Taiwan, Hongkong, Kambodscha, Vietnam, Indonesien und Laos statt.

Ende 2005 wurden auch in Europa (Türkei und Rumänien) Fälle von Geflügelpest bei Wasservögeln festgestellt. Im Februar 2006 wurde bei an der Geflügelpest verendeten Vögeln auch in Österreich, Bosnien-Herzegowina, Frankreich, Deutschland, Kroatien, Griechenland und Italien das Virus nachgewiesen.

Übertragung

Vom Erreger (Aviäres Influenzavirus Typ A) wurden verschiedene Stämme isoliert, die beim Hausgeflügel variable pathogene Eigenschaften (apathogen bis hochpathogen) auslösen. Die Virusausscheidung erfolgt über die Sekrete des Respirationstraktes, der Konjunktiven und dem Kot. Für die Übertragung ist enger Kontakt notwendig. In Intensivhaltungen breitet sich die Infektion wegen dem hohen Ansteckungspotential (Kontagiosität) des Virus sehr rasch aus. Eintrittspforten sind der Nasen- und Rachenraum sowie der obere Verdauungstrakt und die Konjunktiven.

Das Infektionsspektrum umfasst Hühner, Truthühner, Gänse, Enten, Tauben, Fasane, Rebhühner, Wachteln und Seeschwalben. Verschiedene Arten von wild lebendem Wassergeflügel, vor allem Wildenten, stellen ein Virusreservoir für alle aviären Influenzavirustypen dar. Diese beherbergen das Virus zwar und scheiden es aus, erkranken aber selbst kaum daran.

Aviäre Influenza beim Menschen

Die meisten Influenzavirus-Epidemien nahmen ihren Ausgang vom ostasiatischen Raum, da dort traditionell ein enges Zusammenleben von Mensch, Schwein und verschiedenen Geflügelarten unter zum Teil schlechten hygienischen Bedingungen herrscht. Die Übertragung der aviären Influenza von Mensch zu Mensch hat bisher im Rahmen des derzeitigen Seuchenzuges noch nicht stattgefunden. Besondere Gefahr für den Menschen besteht dann, wenn es zu einer Rekombination eines hochpathogenen aviären Influenzavirus mit einem humanen Influenzavirus kommt und daraus ein Virus entsteht, das von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.

Krankheitsbild

Die Inkubationszeit kann je nach Virusstamm zwischen wenigen Stunden oder einigen Tagen variieren. Danach treten folgende klinische Symptome auf:

Beim Tier

  • Atembeschwerden bis zur Atemnot
  • Niesen
  • Störungen des Allgemeinbefindens
  • Zentralnervale Symptome wie Schlenkern des Kopfes, Zittern, unkoordinierter Gang
  • Bei mildem Verlauf der Infektion ist ein rapides Absinken der Legeleistung auf etwa zehn Prozent das Hauptsymptom. Oft wird der Legeapparat irreversibel geschädigt. Atemprobleme sind häufig Begleitsymptome.

Beim Menschen

Die Infektion springt selten, nur nach intensivem direkten Kontakt mit infiziertem Geflügel, auf den Menschen über. Der Verlauf der aviären Influenza beim Menschen ist in der Regel schwer mit häufiger Todesfolge. Die im süd- und ostasiatischen Raum aufgetretene aviäre Influenza verursachte vor allem bei jungen Menschen die tödliche Erkrankung.

Anzeigepflicht

Die durch aviäre Influenzaviren verursachte Erkrankung des Geflügels ist nach dem Tierseuchengesetz in Österreich anzeigepflichtig. In Wien sind die Anzeigen an die Abteilung Veterinäramt und Tierschutz (MA 60) zu richten.

Diagnose

Eine klinische Diagnose ist wegen der Vielfältigkeit der Symptome nicht möglich. Es muss ein Erregernachweis im Labor durchgeführt werden.

Therapie

Keine Therapie möglich. Nach Feststellung der Seuche erfolgt die Tötung des seuchenkranken und seuchenverdächtigen Geflügels.

Überwachung

Es werden, wie in der Wildvogel-Geflügelpestverordnung gesetzlich vorgeschrieben, alle in Wien tot aufgefundenen Greif- und Wasservögel zur Untersuchung auf das Vogelgrippevirus in ein Untersuchungslabor eingesandt. Wien ist derzeit frei von Vogelgrippe.

Verantwortlich für diese Seite:
Veterinäramt und Tierschutz (Magistratsabteilung 60)
Kontaktformular