Tollwut - Tierkrankheit
Vorkommen und Verbreitung
Übertragung
Krankheitsbild
Anzeigepflicht
Diagnose
Therapie
Prophylaxe
Überwachung
Vorkommen und Verbreitung
Die Tollwut ist eine akut, zumeist tödlich verlaufende Infektionskrankheit. Sie befällt vorwiegend Säugetiere und den Menschen. Mit Ausnahme von einigen Ländern mit Insellage (Australien, Neuseeland, Japan, Großbritannien) ist die Krankheit weltweit verbreitet.
Das Infektionsspektrum des Virus umfasst alle warmblütigen Säugetiere sowie Vögel. Die Säugetiere und der Mensch besitzen unterschiedliche Empfänglichkeiten. Füchse, Kojoten, Schakale und Wölfe weisen extreme Empfänglichkeiten auf. Hochempfänglich reagieren Hamster, Stinktiere, Waschbären, Hauskatzen, Kaninchen, Rinder, Nagetiere, Mungos. Mäßig empfänglich sind Hunde, Schafe, Ziegen, Pferde. Der Mensch gilt als minder empfänglich. Trotzdem werden jedes Jahr Todesfälle registriert (beispielsweise in Indien).
Übertragung
Der Erreger der Tollwut, ein Rhabdovirus, wird mit dem Speichel ausgeschieden. Dieser kann beim Hund bereits vor Ausbruch der klinischen Erscheinungen virushaltig sein. Die Übertragung von Tier zu Tier und auf den Menschen erfolgt in der Regel direkt durch den Biss. Infektionen können auch durch Verunreinigung von Wunden mit infektiösem Speichel auftreten.
Je nachdem, welche Tierart als Hauptüberträger in der Infektkette fungiert, werden unterschiedliche Seuchenformen beobachtet:
- Bei der urbanen (städtischen) Form sind der Hund (zirka 90 Prozent) und die Katze beteiligt. Endglieder der Infektkette stellen andere Haustiere (vor allem das Rind) sowie der Mensch dar.
- Träger der silvatischen (silva, lateinisch = Wald) Form sind wild lebende Fleischfresser (in Mitteleuropa der Rotfuchs). Vom Fuchs greifen die Infektionen auf Haustiere und andere Wildtiere (vor allem Dachs, Marder, Iltis, Wiesel, Reh) über. Auf dem amerikanischen Kontinent wird die Seuche außer von Füchsen auch von Stinktieren und Waschbären verbreitet, in Asien von Füchsen und Wölfen, in Afrika von Schakalen und Schleichkatzen.
- Eine weitere Form ist die Fledermaustollwut. Diese spielt in erster Linie in Mittel- und Südamerika eine Rolle. Sie wird durch blutleckende Fledermäuse übertragen, die für Haustiere und den Menschen eine erhebliche Gefahrenquelle darstellen.
- In Europa steht der Rotfuchs im Mittelpunkt des Seuchengeschehens. Hier fallen 60 bis 80 Prozent aller registrierten Tollwutfälle auf ihn. Der Anteil der Haustiere am gegenwärtigen Seuchengeschehen liegt bei etwa 15 bis 20 Prozent. Betroffen sind vorzugsweise Weiderinder, Schafe, Pferde, Katzen und Hunde.
Krankheitsbild
Nach einer Inkubationszeit zwischen zehn Tagen und neun Monaten (abhängig von der Virusmenge und der Entfernung der Bissstelle vom Zentralnervensystem, das sind Gehirn und Rückenmark) treten folgende Symptome auf:
Beim Tier
- Verhaltensänderung: Unruhe oder Teilnahmslosigkeit
- Wandertrieb: Zurücklegen weiter Wegstrecken
- Erhöhte Angriffslust: gesteigerte Beißfreudigkeit
- Schluckbeschwerden, vermehrter Speichelfluss
- Verlust der natürlichen Scheu der Wildtiere vor dem Menschen
- Lähmungen der Gesichts-, Rumpf- und Gliedmaßenmuskulatur
- Tod nach ein bis sieben Tagen nach Auftreten der Symptome
Beim Menschen
- Jucken, Brennen oder Schmerzen an der Verletzungsstelle (Bissstelle)
- Störungen des Allgemeinbefindens (Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen)
- Übererregbarkeit, Hydrophobie: Der Anblick des Wassers oder des Geräusches von Wasser ruft einen charakteristischen Anfall (Schlingkrämpfe) hervor.
- Speichelfluss
- Lähmungen, Tod nach einigen Tagen
Anzeigepflicht
Erkrankungen der Tiere sind nach dem Tierseuchengesetz in Österreich anzeigepflichtig. In Wien sind die Anzeigen an die Abteilung Veterinäramt und Tierschutz (MA 60) zu richten.
Erkrankungen bei Menschen sind nach dem Epidemiegesetz anzeigepflichtig. In Wien sind die Anzeigen vom behandelnden Arzt an das zuständige Bezirksgesundheitsamt zu richten.
Diagnose
Klinisch kann am lebenden Tier nur eine Verdachtsdiagnose gestellt werden. Die Absicherung erfolgt durch den Nachweis der Erreger im Gehirn.
Therapie
Tollwutverdächtige Tiere müssen, gemäß dem Tierseuchengesetz im Zuge der Bekämpfung der Wutkrankheit, getötet werden. Hier ist keine Therapie möglich.
Wenn in der Inkubationszeit rechtzeitig mit einer aktiven Immunisierung begonnen wird, kann bei infizierten Menschen ein meist ausreichender Impfschutz erzielt werden, der den Ausbruch der Krankheit verhindert.
Prophylaxe
Bei Mensch und Tier: Impfung
Überwachung
In Wien werden regelmäßig Gehirnproben tot aufgefundener empfänglicher Wildtiere, sowie verdächtiger Haustiere zur Untersuchung an ein Tollwutreferenzlabor eingesandt. Die Proben sind seit Jahren negativ und Wien somit derzeit frei von Tollwut.
Veterinäramt und Tierschutz (Magistratsabteilung 60)
Kontaktformular
