Tuberkulose (TBC) - Tierkrankheiten

Vorkommen und Verbreitung

Die Tuberkulose ist eine chronisch-bakterielle Infektionskrankheit bei Mensch und Tier, die mit der Bildung charakteristischer Veränderungen ("Tuberkel") einhergeht.

Die Krankheit tritt weltweit mit unterschiedlicher Erkrankungshäufigkeit auf.

Der österreichische Rinderbestand ist amtlich anerkannt frei von Tuberkulose.

Erreger

Tuberkulose wird von Bakterien der Gattung Mycobacterium verursacht. Die eigentlichen Tuberkulose-Erreger werden aufgrund ihrer engen Verwandtschaft zum sogenannten Mycobacterium tuberculosis-Komplex zusammengefasst. Zu diesem Komplex gehören folgende offiziell beschriebene Spezies:

  • Mycobacterium tuberculosis
  • Mycobacterium bovis
  • Mycobacterium caprae
  • Mycobacterium africanum
  • Mycobacterium microti
  • Mycobacterium pinnipedii

Mycobacterium tuberculosis, der Erreger der Tuberkulose des Menschen und Mycobacterium bovis, der Erreger der Rindertuberkulose, sind weltweit verbreitet. In Österreich und anderen zentraleuropäischen Ländern ist Mycobacterium caprae der hauptsächliche Erreger der Rindertuberkulose. Mycobacterium africanum tritt vorwiegend in afrikanischen Ländern auf. Mycobacterium microti wird vor allem bei kleinen Wildtieren gefunden. Mycobacterium pinnipedii ist Ursache von Tuberkulose-Ausbrüchen bei verschiedenen Robbenarten.

Übertragung

Einatmung infektiöser Tröpfchen (Aerosole) stellt den häufigsten und somit wichtigsten Übertragungsweg dar. Weitaus seltener ist die Übertragung über den Blutweg, über Organe (Transplantationen) oder über andere Körpersekrete.

Prinzipiell möglich ist, sowohl bei Tieren als auch bei Menschen, jeder der folgenden Übertragungswege:

  • aerogen, das heißt über Mykobakterium tuberkulosis-haltige Mikrotröpfchen in der Luft mit den Eintrittspforten Lungenbläschen, offene Wunden, frische Tätowierungen und Schleimhäute
  • gastral durch die Ingestion mykobakterienhaltiger Nahrungsmittel (zum Beispiel Milch, rohes Fleisch)
  • parenteral über blut- und sekretkontaminierte diagnostische und therapeutische Instrumente (Transfusionen, Spritzen, Nadeln, Skalpelle, Lanzetten, Biopsienadeln, Endoskope et cetera)
  • transplantationsbedingt durch heterogene Verpflanzungen von infiziertem Gewebe (zum Beispiel Nieren)
  • sexuell (bei Tuberkuloseerkrankungen der äußeren Geschlechtsorgane)
  • durch Schmierinfektionen auf die nichtintakte Haut (Rhagaden, Ekzeme oder Verletzungen)
  • intrauterin bei Infektionen der Gebärmutter
  • sub partu (während der Geburt) infolge einer Urogenitaltuberkulose der Mutter

Krankheitsbild

Beim Tier

Die Inkubationszeit der Tuberkulose beim ausgewachsenen Rind beträgt circa 150 Tage. Sie verläuft in der Regel subklinisch oder manifestiert sich als chronisch-zehrende Krankheit mit vergrößerten Lymphknoten, Fieber, Milchleistungsrückgang und Abmagerung.

Bei der Rindertuberkulose (Mycobacterium bovis) ist in der Regel die Lunge Haupteintrittspforte, bei Kälbern auch der Darm.

Bei einer Infektion mit Mycobacterium bovis können Jungtiere akut an einer fieberhaften Lungenentzündung erkranken und innerhalb von ein bis zwei Wochen sterben.

Beim Menschen

Hat ein Patient die Tuberkulose-Bakterien eingeatmet, wandern diese weiter in die Lunge. Dort entsteht im Laufe von etwa sechs Wochen eine kleine Entzündung, der so genannte Primärkomplex, der keine Beschwerden verursacht. Er bleibt in rund 50 Prozent der Krankheitsfälle das einzige Zeichen der Tuberkulose. Von hier aus kann sich die Erkrankung weiter ausbreiten.

Tuberkulose-Kranke leiden häufig an sehr unspezifischen Beschwerden wie Müdigkeit, Schwäche, Appetitlosigkeit und Gewichtsabnahme. Die Körpertemperatur kann leicht erhöht sein, Nachtschweiß wird häufig angegeben. Nur etwa 50 Prozent der Infizierten entwickeln Symptome an der Lunge.

Zu den typischen Beschwerden einer Lungentuberkulose gehört Husten und "Hüsteln", ohne dass viel Auswurf produziert wird. Auch atemabhängige Schmerzen können bei Mitbeteiligung des Rippfells auftreten. Bei fortgeschrittener Erkrankung hustet der Kranke Blut ab, im Extremfall kommt es gar zum so genannten Blutsturz.

Anzeigepflicht

Erkrankungen der Tiere sind nach dem Tierseuchengesetz in Österreich anzeigepflichtig. In Wien sind die Anzeigen an die Abteilung Veterinärdienste und Tierschutz (MA 60) zu richten.

Diagnose

Der mikroskopische Nachweis erfolgt in Ausstrichen von veränderten Organen oder Bronchialausstrichen.

Die Anzüchtung und Typisierung des Erregers ist aufwendig und kann bis zu mehreren Monaten dauern. Für die immunologische Diagnose hat sich die Intrakutanprobe mit gereinigtem (PPD) Tuberkulin weltweit bewährt. Im positiven Fall äußert sich nach drei Tagen eine allergische Reaktion vom Spättyp in Form von Hautverdickungen, Schmerzempfindlichkeit und vermehrter Wärme.

Therapie

Die Therapie ist beim Tier verboten. Beim Menschen ist die medizinische Vorgehensweise im Tuberkulosegesetz geregelt.

Prophylaxe

Eine Immunprophylaxe für Tiere ist in Österreich nicht zugelassen. Beim Menschen ist eine Impfung jedoch möglich.

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Veterinärdienste und Tierschutz (Magistratsabteilung 60)
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