Schweineinfluenza (Schweinegrippe, Neue Grippe, Mexikanische Grippe) - Tierkrankheit

Vorkommen und Verbreitung

Die Schweineinfluenza (Schweinegrippe) ist eine akute hochkontagiöse Erkrankung des Respirationstraktes der Schweine, die mit hohem Fieber, Atemnot, Mattigkeit, Appetitlosigkeit und schmerzhaftem Husten einhergeht. Die Erkrankungsrate liegt bei nahezu 100 Prozent, die Mortalität hingegen ist bei Ruhigstellung der Tiere sehr gering.

Erstmals wurde die Krankheit 1918 in den USA beobachtet und der Erreger als Influenzavirus H1N1 typisiert. Ausgangspunkt der Krankheit waren der Norden und mittlere Westen der USA. Nach dem 2. Weltkrieg trat die Schweinegrippe auch in Südamerika, Asien und Europa auf, wo sie mittlerweile auf dem ganzen Kontinent verbreitet ist.

Übertragung

Das Virus wird über die Nasenschleimhaut ausgeschieden und aerogen von Tier zu Tier übertragen. Durch die intensive Haltung der Schweine wird die rasante Ausbreitung der Infektion innerhalb eines Bestandes begünstigt.

Umweltfaktoren wie zum Beispiel Außentemperatur, Windgeschwindigkeit, Transportfahrzeuge und Personal beeinflussen ebenfalls die Ausbreitung der Krankheit. Ein mögliches Reservoir stellen Dauerausscheider dar. Die infizierten Tiere zeigen häufig keine klinischen Erscheinungen, beherbergen lediglich das Virus und scheiden dieses aus.

Als Erreger der Krankheit wurden porcine Influenzaviren vom Typ A (Subtyp H1N1 und H3N2) isoliert.

Krankheitsbild

Beim Tier

Nach einer Inkubationszeit von zwei bis vier Tagen beginnt die Erkrankung mit verminderter Fresslust, Fieber, Muskelschmerzen. Die Tiere rotten sich zusammen und bewegen sich kaum. Weitere Symptome sind Husten, Nasenausfluss, Niesen, Rötung der Lidbindehäute, erschwerte Atmung. Nach wenigen Tagen, gute konstitutionelle Verfassung vorausgesetzt, klingen die Symptome wieder ab. Bei bakteriellen Sekundärinfektion der Atemwege ist die Krankheitsdauer verlängert.

Beim Menschen

Auch beim Menschen wurden die auch für Schweine pathogenen Influenza-Subtypen H1N1 und H3N2 isoliert. Deshalb werden bei der humanen Influenza Schweine als Virusreservoir in Betracht gezogen. Daneben treten auch Infektionen mit Influenzaviren der Typen B und C auf.

Der klinische Verlauf entspricht im Wesentlichen dem bei Schweinen, Komplikationen werden durch bakterielle Sekundärinfektionen hervorgerufen.

An der Oberfläche der Influenzaviren befinden sich Antigene (Hämagglutinin, Neuraminidase), von denen ständig neue Varianten gebildet werden. Dieser Austausch von Genen oder Teilen davon kann innerhalb ein und derselben Spezies erfolgen (zum Beispiel im Schwein) oder auch in einem artfremden Individuum (zum Beispiel im Menschen bei der Infektion mit einem Schweinevirustyp). Dieser Vorgang führt zur Bildung neuer Subtypen.

Pandemie 2009

Infektionen beim Menschen mit dem Erreger eines porcinen Influenza-Subtypus sind aus der Vergangenheit bereits bekannt (zum Beispiel bei der Spanischen Grippe).

Bei der im Jahre 2009 aufgetretenen Pandemie handelte es sich um eine beim Menschen aufgetretene und von Mensch zu Mensch übertragbare Infektion mit einer neuen Variante des Influenza Subtyps A/H1N1, der als eine genetische Neukombination von zwei Viruslinien der Schweineinfluenza - einer nordamerikanischen und einer eurasischen - angesehen wird.

Entdeckt wurde die neue Variante bei zwei Patienten, die unabhängig voneinander in den Vereinigten Staaten erkrankten. Die ausgeweitete Suche nach neuen Fällen ergab ein gehäuftes Auftreten in Mexiko. Dort kam es im April zu einer ungewöhnlich starken Grippewelle, bei der vor allem jüngere Menschen zwischen 20 und 40 Jahren erkrankten.

Insgesamt traten in Nordamerika (USA, Kanada, Mexiko) die meisten Erkrankungsfälle auf (circa 50.000 registrierte Fälle, darunter circa 250 mit Todesfolge).

Mit Stand 1.7.2009 (WHO-Bericht) wurden von der neuen Variante weltweit 83.509 Erkrankungsfälle registriert, in deren Folge 353 Menschen starben.

Anzeigepflicht

Keine

Diagnose

Diese lässt sich durch den direkten Erregernachweis mittels Virusisolierung in bebrüteten Hühnerembryonen oder durch Polymerase-Kettenreaktion aus Nasen- oder Rachentupferproben stellen.

Ein charakteristischer spezifischer Antikörperanstieg bei paarigen Serumproben im Abstand von vier Wochen ist ebenfalls beweisend.

Therapie

Symptomatische Behandlung der betroffenen Organsysteme, Optimierung der hygienischen Haltungsbedingungen sowie der Futter- und Wasserversorgung

Prophylaxe

Verabreichung eines Kombinationsimpfstoffes im Ferkelalter, der mehrere inaktivierte Subtypen der Influenzaviren H1N1 und H3N2 enthält und zwei Mal im Abstand von vier Wochen appliziert wird

Muttersauen werden vier Wochen vor dem Abferkeltermin erneut geimpft.

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Veterinäramt und Tierschutz (Magistratsabteilung 60)
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