Pferde-Enzephalitiden - Tierkrankheit

Vorkommen und Verbreitung

Es gibt drei verschiedene, aber verwandte Formen der Pferde-Enzephalitis:

  • 1. Östliche oder Ostamerikanische Pferde-Enzephalitis (Eastern Equine Encephalits, EEE)
  • 2. Westliche oder Westamerikanische Pferde-Enzephalitis ( Western Equine Encephalits, WEE)
  • 3. Venezuelanische Pferde-Enzephalitis (Venezuelan Equine Encephalits, VEE)

Die drei Formen unterscheiden sich in ihrem Krankheitsverlauf beim Pferd und beim Menschen.

1. Die Östliche Pferde-Enzephalitis kommt hauptsächlich entlang der Ostküste der USA und Kanadas vor. Vor allem in den Sommermonaten mit Regenfällen und erhöhten Temperaturen wird das Auftreten großer Mengen an Stechmücken begünstigt, welche den Erreger übertragen.

2. Die Westliche Pferde-Enzephalitis ist im Westen der USA und Kanadas verbreitet.

3. Venezuelanische Pferde-Enzephalitis tritt in ganz Mittel- und Südamerika auf.

Durch Zugvögel kommt es zur Verbreitung der Erreger.

Übertragung

EEE, WEE: die Virus-Vermehrung findet hauptsächlich in Wildvögeln statt, die Übertragung erfolgt im Wesentlichen über Stechmücken.

In Pferden und Menschen kommt es zu keiner nennenswerten Virusvermehrung. Sie entwickeln daher nur eine vorübergehende Virämie. Daher sind sie als sogenannte "Dead end Hosts" zu bezeichnen und haben wie Hausgeflügel, Schweine, Rinder und wild lebende Nager keinerlei Bedeutung als Erregerreservoir.

VEE: Je nach Subtyp des Virus sind Wildnagetiere und Beuteltiere (enzootische Form der VEE) oder Pferde (epizootische Form der VEE) die Multiplikatoren des Virus - daneben auch Menschen, Hunde, Schweine, Katzen, Rinder, Fledermäuse und Vögel.

Bei Pferden kommt es auch zu einer Übertragung des Virus durch direkten Kontakt sowie zu einer transplazentaren Übertragung.

Erreger

Die Erreger der Pferde-Enzephalitiden sind Viren der Familie der Togaviren. Da sie durch Arthropoden übertragen werden, werden die von ihnen ausgelösten Erkrankungen als Arbovirosen zusammengefasst. Der Name leitet sich von "arthropod borne viruses" ab. Es handelt sich um eine allein durch den Übertragungsweg zusammengefasste Gruppe von Viren.

Krankheitsbild

Nach einer Inkubationszeit von einem Tag bis zu sieben Tagen können folgende Symptome auftreten:

Beim Tier

  • 1. Östliche Pferde-Enzephalitis (EEE) bei Pferden
    • Infolge der Gehirn- und Rückenmarksentzündung sind Apathie, hohes Fieber, Augenzittern und Störungen der Bewegungskoordination zu beobachten. Die Sterberate beträgt bis zu 90 Prozent.
  • 2. Westliche Pferde-Enzephalitis (WEE) bei Pferden
    • Die gleichen klinischen Symptome wie bei der EEE, meist milderer Verlauf mit geringerer Letalität.
  • 3. Venezuelanische Pferde-Enzephalitis (VEE) bei Pferden
    • Je nach Subtyp milde fiebrige Reaktion bis zu tödlich verlaufender Krankheit.
  • 4. EEE, WEE, VEE bei Vögeln
    • Meist wenige oder keine klinischen Symptome; Eventuell wird eine Gehirnentzündung mit den entsprechenden Begleitsymptomen wie Muskelschmerzen, Fieber, Schwindel, Lähmungen diagnostiziert. Es erkranken vor allem Fasane und Enten. Andere Tiere zeigen in der Regel keine Symptome.

Beim Menschen

  • 1. Östliche Pferde-Enzephalitis: leichte grippeähnliche Symptome oder schwere Gehirnhautentzündung, mehrere Tage andauerndes hohes Fieber, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Gesichtsödeme, Lähmungen, Krämpfe, Schwindel, Erbrechen, Koma und Tod. Die Sterblichkeitsrate liegt bei 50 bis 70 Prozent vor allem bei Kleinkindern und älteren Menschen. Bei Überlebenden können auch Spätschäden, wie zum Beispiel Krampfanfälle und spastische Lähmungen, auftreten.
  • 2. Westliche Pferde-Enzephalitis: Erwachse zeigen meist keine klinischen Symptome, bei Kleinkindern und ältere Menschen ist jedoch die Virulenz besonders ausgeprägt, klinische Erscheinungen sind neben Fieber, Kopfschmerzen, Übelkeit Krämpfe und Lähmungen, bei Kleinkindern kann es zu schweren Dauerschäden kommen (geistiges Zurückbleiben in der Entwicklung, spastische Lähmungen bei 50 Prozent der erkrankten Kinder). Die Letalität beträgt bis zu 20 Prozent.
  • 3. Venezuelanische Pferde-Enzephalitis: bis zu ein Prozent der Erwachsenen und vier Prozent der Kinder entwickeln eine Enzephalitis. Von diesen versterben zehn Prozent der Erwachsenen und 35 Prozent der Kinder. Bei Schwangeren kann es zum Abort kommen. Bei 97 Prozent aller humanen Infektionen werden nur milde, uncharakteristische Symptome festgestellt: Hohes Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit, Atemwegsbeschwerden, Muskelschmerzen, Zentralnervale Symptome (Lähmungen, Krämpfe, Schwindel, Kopfschmerzen, Erbrechen). In schweren Fällen kommt es zu Bewusstseinseintrübung bis zum Koma. Die Sterblichkeitsrate liegt unter einem Prozent.

Anzeigepflicht

Es besteht für alle drei Pferde-Enzephalitiden bei Mensch und Tier Anzeigepflicht.

Diagnose

Klinisch kann bei zentralnervalen Symptomen nur ein Verdacht geäußert werden. Gesichert wird die Diagnose durch den direkten Virusnachweis aus Organen oder durch den Antikörpernachweis aus dem Serum.

Therapie

Es gibt keine spezifischen Therapiemöglichkeiten.

Prophylaxe

Für Pferde und Menschen sind in Österreich keine Impfstoffe zugelassen.

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Veterinäramt und Tierschutz (Magistratsabteilung 60)
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