Milzbrand (Anthrax) - Tierkrankheit
Vorkommen und Verbreitung
Übertragung
Krankheitsbild
Anzeigepflicht
Diagnose
Therapie
Vorkommen und Verbreitung
Der Milzbrand ist eine meist akut und tödlich verlaufende Infektionskrankheit von septikämischem Charakter. Milzbrand tritt bei verschiedenen Tierarten und beim Menschen auf. Das pathologisch-anatomische Bild ist vor allem durch eine akute Schwellung und braun-schwarze Verfärbung der Milz sowie durch serös-hämorrhagische Infiltrationen des subkutanen und subserösen Bindesgewebes gekennzeichnet
Milzbrand ist weltweit in unterschiedlicher Häufigkeit verbreitet. Im Nahen und Fernen Osten wie in Indien, dem Iran, Syrien und der Türkei ist die Krankheit am meisten verbreitet. In Mitteleuropa besteht eine geregelte Tierseuchenbekämpfung. Milzbrand ist daher nur noch in gewissen Gegenden, den so genannten "Milzbranddistrikten" heimisch. Dort treten gelegentlich einzelne Erkrankungsfälle des Weideviehs auf.
Übertragung
Erreger
Die Übertragung erfolgt über den Bazillus anthracis - eine sporenbildende stäbchenförmige Bakterie, die kettenförmige Verbände bildet (Bambusstabform).
Die vegetative Form (nicht von Kapsel umgeben) ist wenig widerstandsfähig. In faulenden, ungeöffneten Kadavern gehen die Keime bei warmer Witterung nach zwei bis drei Tagen zu Grunde. Im Magensaft werden die Bazillen nach zirka 20 Minuten abgetötet.
Die Sporen des Milzbranderregers sind hingegen sehr widerstandsfähig. Sie werden zum Beispiel vom Magensaft nicht angegriffen. Gängige Desinfektionsmittel sowie Hitze (Temperaturen über 100 Grad Celsius) inaktivieren sie jedoch sehr rasch.
Die Infektion wird zumeist durch den sporenhaltigen Erdboden vermittelt, der durch Ausscheidungen (Harn, Kot) aber auch durch Tierkadaver oder Tierkörperteile milzbrandkranker Tiere kontaminiert wurde. In infizierten Böden können die Sporen jahrzehntelang infektionstüchtig bleiben.
Die Aufnahme des Erregers erfolgt bei den Pflanzenfressern fast ausschließlich mit dem Futter, eventuell mit dem Trinkwasser auf der Weide, bei Stallhaltung auch mit infiziertem Importfutter.
Das Infektionsspektrum umfasst verschiedene Tierarten und den Menschen. Die Empfänglichkeit für Milzbrand ist jedoch sehr unterschiedlich:
- Hohe Empfänglichkeit: Schaf, Ziege, Rind, Pferd, Büffel, Rentier, Elch, Lama, Kamel, Elefant, Flusspferd, Antilopen
- Mäßige Empfänglichkeit: Schwein, in Gefangenschaft gehaltene Raubtiere, Mensch
- Geringe Empfänglichkeit: Hund, Katze, Ratte, Nerz, Fuchs
- Fast resistent: Vögel (Ausnahme: Strauß)
Krankheitsbild
Beim Tier
Die Inkubationszeit beträgt im Allgemeinen drei bis fünf Tage. Sie schwankt aber in Abhängigkeit von Infektionsart und aufgenommener Sporenmenge. Der Krankheitsverlauf kann perakut, akut, subakut und septikämisch sein. In seltenen Fällen wird auch ein chronisch örtlicher, lokal begrenzter Milzbrand beobachtet.
Die akute Form des Milzbrandes ist durch Fieber (40 bis 42 Grad Celsius), Mattigkeit, unterdrückter Fresslust sowie sich einstellendem blutigen Harn und Kot gekennzeichnet. Zusätzlich werden Schwellungen im Brust- und Halsbereich sowie dunkelblaurote Verfärbungen der sichtbaren Schleimhäute beobachtet. Der Tod tritt nach zirka zwölf bis 48 Stunden ein. Der subakute Verlauf ist ähnlich. Die Tiere sterben aber meist erst nach zwei bis sechs Tagen.
Der örtliche, chronische Milzbrand, der vorwiegend beim Schwein vorkommt, äußert sich zumeist in einer fieberhaften Rachenentzündung. Oft fehlen überhaupt klinische Erscheinungen oder werden erst bei der Fleischbeschau festgestellt (chronischer Rachenmilzbrand, veränderte Gekröselymphknoten).
Die geschilderten septikämischen Verlaufsformen treten vor allem beim Rind und dem besonders empfänglichen Schaf auf. Dabei überwiegen die perakuten und akuten Verlaufsformen. Beim Pferd verläuft der Milzbrand in der Regel akut septikämisch mit heftigen Koliken. An Hals, Vorderbrust, Schulter und in der Kehlkopfgegend bilden sich Ödeme. Atemnot, Zyanose sowie blutige Entleerungen aus Darm und Harnblase sind weitere Symptome. Bei Hunden und anderen Fleischfressern entwickeln sich schwere Magen-, Darm- und Rachenentzündungen.
Beim Menschen
Die Erkrankung des Menschen ist überwiegend berufsgebunden. Es erkranken vor allem Personen, die bei der Behandlung oder Betreuung mit erkrankten Tieren in Berührung kommen (Tierärztinnen und -ärzte, Bäuerinnen und Bauern, Fleischhauerinnen und Fleischhauer) oder Personen, die mit der Verarbeitung bestimmter tierischer Rohstoffe zu tun haben (wie Häute, Felle, Haare, Wolle).
Dabei werden drei Krankheitsformen beobachtet:
- Hautmilzbrand: Diese häufigste Form entsteht durch das Eindringen der Sporen durch kleine Wunden in die Haut. Es bilden sich sogenannte Milzbrandkarbunkel. Ohne Behandlung kann der Tod nach einer Woche eintreten.
- Darmmilzbrand: Diese Form entsteht durch die orale Aufnahme sporenhaltiger Nahrungsmittel.
- Lungenmilzbrand: Die bösartigste Form wird durch das Einatmen sporenhaltigen Staubes (besonders in der verarbeitenden Industrie) ausgelöst.
Anzeigepflicht
Milzbrand ist nach dem Tierseuchengesetz anzeigepflichtig. Anzeigen sind an die Abteilung Veterinäramt und Tierschutz (MA 60) zu richten.
Die Schlachtung kranker oder seuchenverdächtiger Tiere ist verboten. Sektionen dürfen nur mit behördlicher Bewilligung durchgeführt werden. Kadaver von an Milzbrand erkrankten oder getöteten Tieren sind nach Weisung der Amtstierärztin oder des Amtstierarztes unschädlich zu beseitigen. Das Abhäuten der Tiere ist verboten.
Diagnose
Eine Diagnose ist beim lebenden Tier aufgrund vieler Verwechslungsmöglichkeiten mit anderen Krankheiten nicht möglich. In den akuten Fällen können die ödematösen Schwellungen sowie blutiger Harn und Kot einen Milzbrandverdacht auslösen. Gesichert wird die Diagnose durch den Nachweis der Milzbrandbazillen im Blut.
Für die Diagnose beim verendeten Tier stehen verschiedene Labormethoden zur Verfügung: mikroskopische Untersuchung vom Blut oder Abklatschpräparaten, kulturelle Untersuchung, serologischer Antigennachweis nach Ascoli.
Therapie
Es gibt keine Therapiemöglichkeiten.
Veterinäramt und Tierschutz (Magistratsabteilung 60)
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