Leishmaniose - Tierkrankheiten
Vorkommen und Verbreitung
Die Leishmaniose ist eine weltweit vorkommende Infektionserkrankung, die sowohl beim Menschen als auch beim Tier diagnostiziert und durch Parasiten der Gattung Leishmania hervorgerufen wird. Die Erkrankung wird bei unseren Haustieren bevorzugt beim Hund festgestellt, aber auch bei Katzen, Nagern, Rindern und Pferden wurden Krankheitsfälle beschrieben. Hauptverbreitungsgebiet des Erregers sind Nordostchina, der Mittlere Osten, Südeuropa, Nordafrika, Zentral- und Ostasien, Zentral- und Südamerika (besonders Honduras und Brasilien). Infolge reger Reisetätigkeit werden gelegentlich auch bei uns Krankheitsfälle beobachtet.
Übertragung
Erreger
Leishmania donovani und Leishmania infantum (innere oder viszerale Leishmaniose), Leishmania tropica, Leishmania major, Leishmania aetiopica, Leishmania mexicana, Leishmania brasilense (Hautleishmaniose und mukokutane Leishmaniose)
Das Erregerreservoir stellen Hunde als auch Nagetiere dar. Für die Entwicklung benötigt der Parasit zwei Wirte, der erste ist das Stechinsekt (Sand- oder Schmetterlingsmücke), der zweite ein Wirbeltier. Nimmt das Stechinsekt beim Saugakt infiziertes Blut auf, kommt es in seinem Darm zur Vermehrung der noch unbegeiselten Form des Parasiten mit anschließender Transformation in die größere und begeiselte Form. Diese wandert in den Stechrüssel des Insekts und wird bei der nächsten Blutmahlzeit auf den zweiten Wirt übertragen. In Hautzellen und Makrophagen erfolgt eine weitere Vermehrung. Nach Zerstörung der Zellmembran werden die Parasiten freigesetzt und befallen weitere Zellen der körpereigenen Abwehr. Dies findet vor allem in Lymphknoten, Knochenmark, Milz und Leber statt.
Die Inkubationszeit ist sehr unterschiedlich und kann Monate bis Jahre dauern. Deswegen ist es für den Tierhalter oft schwierig, einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen der Erkrankung und dem Aufenthalt in einem der betroffenen Urlaubsgebiete zu sehen.
Als Folge der Vermehrung der Sandmückenpopulationen in den Ursprungsgebieten wird sowohl eine Erhöhung der Erkrankungsfälle beim Menschen als auch beim Tier beobachtet. Besonders im Mittelmeerraum ist die Leishmaniose-Infektionsrate bei Hunden sehr hoch. Sie beträgt zum Beispiel in Andalusien zirka 40 Prozent, während in Sizilien bis zu 80 Prozent der Hunde mit dem Erreger infiziert sind.
Krankheitsbild
Beim Tier
Da Leishmanien im ganzen Organismus verbreitet werden können, stellt sich die Krankheit äußerst mannigfaltig dar.
Die ersten Symptome sind sehr unspezifisch: Durchfall, Lahmheit, Appetitlosigkeit gefolgt von Gewichtsverlusten, rasches Ermüden.
Zu den häufigsten klinischen Erscheinungen gehören Hautläsionen: offene kleine Hautwunden, die schlecht verheilen, trockene Verkrustungen am Kopf, offene Wunden an den Beinen, aber auch an den Pfoten. Das oft büschelweise Ausfallen von Haaren wird ebenso häufig beobachtet wie das Einreißen der Ohrränder.
Lokal oder allgemein vergrößerte Lymphknoten, die bei kurzhaarigen Hunden unter der Haut auch sichtbar sein können. Im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung wird oft ein faulig stinkender Geruch, sowohl am ganzen Körper als auch aus dem Maul, wahrgenommen.
Neben der Haut sind bei der Erkrankung auch die inneren Organe in Mitleidenschaft gezogen. Entzündungen der Leber, des Darmes, des Knochenmarks, der Gelenke, der Nieren oder der Blutgefäße können diagnostiziert werden.
Beim Menschen
Viszerale (innere) Leishmaniose (Dum-Dum-Fieber, Schwarzes Fieber, Kala-Azar)
Die Krankheit beginnt mit grippeähnlichen Symptomen, Übelkeit, Erbrechen, Bronchitis, Lymphknotenschwellung, Schmerzen im Oberbauch (Leber- und Milzschwellung), Gewichtsverlust bis zur Auszehrung.
Kutane (Haut-) Leishmaniose (Orient- oder Aleppobeule)
Bei dieser Form wird lediglich die Haut befallen. An der Einstichstelle tritt zunächst eine Rötung auf, danach bilden sich Knötchen und Papeln. Die so entstandene Beule bricht nach zirka einem Jahr von alleine auf und heilt selbstständig unter Narbenbildung ab.
Mukokutane (Schleimhaut-) Leishmaniose
Sie ist eine besonders gefürchtete Form der Hautleishmaniose. Dabei verursacht der Erreger massive Zerstörungen im Mund-Nase-Bereich. Auch bei dieser Form der Leishmaniose können Symptome der Erkrankung oft erst Jahre nach dem Insektenstich auftreten.
Anzeigepflicht
Es besteht keine Anzeigepflicht.
Diagnose
Der direkte Erregernachweis kann mittels zytologischer oder histologischer Untersuchung erfolgen. Dafür sind Zellen aus Lymphknoten, dem Knochenmark oder der Haut notwendig. Bei positivem Befund sind die intrazellulär parasitierenden Leishmanien nachweisbar.
Als gentechnische Untersuchungsmethode bietet sich die PCR für Knochenmarksproben an.
Zu den indirekten Nachweisverfahren, bei denen auf das Vorhandensein von Antikörpern im Blut untersucht wird, zählen der Immunfluoreszenz-Test oder der ELISA.
Therapie
Hier stehen vor allem die Erregerelimination und die Stärkung der körpereigenen Abwehr im Vordergrund.
Prophylaxe
Insektenabwehr
Veterinäramt und Tierschutz (Magistratsabteilung 60)
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