Wüstenrennmaus (Gerbil)

3 Wüstenrennmäuse im Käfig

Herkunft und Lebensweise
Haltung als Heimtier
Unterbringung und Käfigeinrichtung
Fütterung
Umgang und Pflege


Herkunft und Lebensweise

Die Wüstenrennmaus (Gerbil, Mongolische Rennmaus - Meriones unguiculatus) gehört zur Familie der Wühler (Cricetidae) und ist mit dem Hamster verwandt. Sie stammt aus den Steppen- und Halbwüstengebieten Asiens. Dort lebt sie in Familienverbänden in selbstgegrabenen unterirdischen Gängen und Höhlensystemen. Diese Bauten haben normalerweise mehrere Ausgänge. Dadurch wird in Gefahrensituationen die Flucht ermöglicht. Der Gerbil ist ein stark an Wüstenverhältnisse angepasstes Tier mit einem sehr ökonomisch funktionierenden Wasserhaushalt. Er kann Wasser in seinen Fettzellen speichern, produziert wenig Urin und sehr trockenen Kot. Im Gegensatz zu vielen anderen Wüstenbewohnern ist er kein nachtaktives Tier. Er verbringt lediglich die heißeste und kälteste Zeit des Tages in seinem Bau. Seine Ernährung besteht aus Gräsern, Wurzeln und Kräutern. Für den Winter werden Körnervorräte in den Höhlen angelegt. Bei Aufregung und Gefahr stellt sich der Gerbil auf und trommelt mit den Hinterbeinen auf den Boden. Damit warnt er andere Familienmitglieder. Neben diesem Schreckverhalten gibt es auch das "Begattungstrommeln", das etwas rascher und leiser erfolgt.

Physiologische Daten

  • Lebenserwartung: zwei Jahre, in Gefangenschaft sechs bis acht Jahre
  • Körperlänge inklusive Schwanz: 18 bis 24 Zentimeter
  • Körpertemperatur: 37,4 bis 39 Grad Celsius
  • Atemfrequenz: 70 bis 120 Atemzüge pro Minute
  • Pulsfrequenz: 260 bis 600 Schläge pro Minute
  • Körpergewicht: Männchen: 45 bis 130 Gramm, Weibchen: 50 bis 135 Gramm
  • Geschlechtsreife: 2,5 bis drei Monate
  • Trächtigkeitsdauer: 23 bis 26 Tage
  • Wurfgröße: fünf bis acht Junge
  • Trennung von der Mutter: ab der sechsten Lebenswoche

Haltung als Heimtier

Gerbils eignen sich nicht zur Einzelhaltung. Allein gehaltene Tiere stehen unter Dauerstress. Rennmäuse brauchen einen Partner zur gegenseitigen Körperpflege, zum Spielen und zum Aneinanderkuscheln beim Schlafen. Werden sie einzeln gehalten, sind sie oft krankheitsanfällig und führen Ersatzhandlungen, wie Gitterbeißen, aus. Die Haltung von weiblichen Geschwistertieren oder die Paarhaltung ist daher zu empfehlen. Das männliche Tier kann zur Unterbindung unerwünschten Nachwuchses kastriert werden.

Unterbringung und Käfigeinrichtung

Das Tierschutzgesetz schreibt Gruppenhaltung vor. Ein Käfig dafür sollte mindestens 60 Zentimeter lang, 30 Zentimeter breit und 40 Zentimeter hoch sein. Glaskäfige müssen mindestens 80 Zentimeter lang, 50 Zentimeter breit und 50 Zentimeter hoch sein, damit eine entsprechende Belüftung gewährleistet ist. Sie sind von Vorteil, da sie eine größere Einstreutiefe (Mindesttiefe der Einstreu: 10 Zentimeter) ermöglichen. Dadurch können die Tiere ihrem Grabe- und Ausgestaltungsbedürfnis besser nachkommen. Der Aufstellungsort soll so gewählt sein, dass es im Käfig nicht zu einem Hitzestau durch direkte Sonneneinstrahlung kommen kann. Die Luftfeuchtigkeit sollte zwischen 40 und 70 Prozent liegen. Als Einstreu eignen sich Hobelspäne (torfmullhaltige Tierstreu ist wegen der starken Staubentwicklung und der häufig anzutreffenden Verpilzung nicht zu empfehlen). Die Tiere erweitern selbst ihre Einstreu, indem sie angebotenes Nagematerial, wie Karton, Rinde oder Heu und Stroh, zerkleinern. Aufgrund des Grabebedürfnisses von Gerbils sollte die Einstreutiefe mindestens sechs Zentimeter betragen. Als Ausstattung des Käfigs sind alle Gegenstände aus Holz, Rinde und Karton gut geeignet, da sie gleichzeitig als Beschäftigungsmöglichkeit dienen. Gerbils sind es gewohnt, ihren Lebensbereich zu unterteilen. Mehrere Ebenen im Käfig sind optimal. Ein Stein, direkt auf dem Boden aufgelegt, kann als Aussichtspunkt dienen.

Fütterung

Zirka ein Esslöffel einer Körnerfertigfuttermischung pro Tag, Saftfutter wie Äpfel, Karotten, Gurken, Gräser, Kräuter und regelmäßig kleine Mengen an Eiweißfutter wie Mehlwürmer, Hüttenkäse oder etwas hartgekochtes Ei. Der Wasserbedarf ist zwar gering, es sollte aber trotzdem ständig frisches Trinkwasser in einer Tränkeflasche zur Verfügung stehen.

Umgang und Pflege

Will man Rennmäuse handzahm machen, muss man sich ihrer angeborenen Neugier bedienen. Man lockt sie mit Leckerbissen und lässt sie ausgiebig auf den Händen klettern und schnuppern. Hektische Bewegungen irritieren sie. Um sie einzufangen, bildet man mit den Händen über dem Tier eine Art Höhle und wartet, bis es sich beruhigt hat. Dann schließt man die Hände und kann es aufnehmen. Auch an der Genickfalte kann man den Gerbil gut fassen, weil er dann in eine Tragestarre verfällt. Eine Wüstenrennmaus darf man nie am Schwanz hochheben. Die Haut über den Schwanzwirbeln reißt leicht. Eine gründliche Käfigreinigung mit heißem Wasser ist alle drei bis vier Wochen zu empfehlen. Zu häufiges Säubern wird von den Tieren als Störung empfunden, da sie den Käfig anschließend neu einrichten müssen. Nicht verzehrte Futterreste sind täglich zu entfernen. Die Tiere müssen täglich beobachtet werden, um Veränderungen rechtzeitig wahrnehmen zu können. Bei kleinsten Auffälligkeiten ist die praktische Tierärztin oder der Tierarzt aufzusuchen.

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Veterinäramt und Tierschutz (Magistratsabteilung 60)
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