Ratte

Wanderratte

Herkunft und Lebensweise
Physiologische Daten
Haltung als Heimtier
Unterbringung und Käfigeinrichtung
Fütterung
Umgang und Pflege


Herkunft und Lebensweise

Farbratten oder Albinoratten, die als Heimtiere gehalten werden, stammen von der Wanderratte (Rattus norvegicus) ab. Diese wanderte vor etwa 200 Jahren aus Ostasien nach Europa ein. Als klassische Kulturfolger leben Wanderratten bevorzugt in und um menschliche Niederlassungen. Sie können sich an verschiedenste Lebensräume anpassen. In freier Natur werden von ihnen Gebiete in der Nähe von Gewässern bevorzugt. Hier legen sie weit verzweigte Baue in der Erde an. Das Sozialverhalten der Ratten ist äußerst ausgeprägt. Sie leben in großfamilienartigen Rudeln und ziehen die Jungtiere gemeinsam auf. Als nachtaktive Tiere besitzen Ratten kein gutes Sehvermögen. Sie orientieren sich hauptsächlich mit Hilfe ihres hervorragenden Geruchssinnes. Ebenfalls sehr gut ausgeprägt sind Tast- und Geschmackssinn sowie das Gehör. Ratten sind gute Schwimmer und Taucher, sehr geschickte Kletterer und gehören zu den intelligentesten Heimtieren.

Physiologische Daten

  • Lebenserwartung: zwei bis drei Jahre
  • Körpertemperatur: 37,0 bis 39,5 Grad Celsius
  • Atemfrequenz: 70 bis 110 Atemzüge pro Minute
  • Pulsfrequenz: 250 bis 400 Schläge pro Minute
  • Körpergewicht: Männchen: 350 bis 500 Gramm; Weibchen: 250 bis 300 Gramm
  • Geschlechtsreife: Männchen ab 55 bis 110 Tage; Weibchen ab 65 bis 110 Tage
  • Trächtigkeitsdauer: 21 bis 23 Tage
  • Wurfgröße: vier bis 14 Junge
  • Würfe pro Jahr: sechs bis acht
  • Öffnen der Augen: ab zehn bis zwölf Tagen
  • Trennung von der Mutter: nach fünf Wochen

Physiologische Besonderheit

Die Augenhöhle enthält neben dem Auge die Hardersche Drüse. Diese produziert ein rotes Sekret (Tränen). Der Magen ist mittels einer Falte in zwei Abteilungen getrennt. Daher können Ratten nicht erbrechen. Eine Gallenblase fehlt.

Haltung als Heimtier

Auf Grund ihres hochentwickelten Sozialverhaltens und ihrer natürlichen Lebensweise in Rudeln sind Ratten für die Einzelhaltung ungeeignet. Besonders im Hinblick auf Körperpflege und gegenseitiges Wärmen sind sie aufeinander angewiesen. Ihr Spiel- und Kommunikationsverhalten ist stark ausgeprägt. Der sie pflegende Mensch kann diesen Bedürfnissen eines Einzeltieres nicht entsprechen. Rudelmitglieder erkennen einander am Geruch. Daher sollten entweder nur Wurfgeschwister zusammen gehalten werden oder die Tiere mit einem Alter von höchstens acht Wochen zusammengesetzt werden. Am problemlosesten ist die Haltung gleichgeschlechtlicher Wurfgeschwister. Andernfalls sollte das Männchen zur Vermeidung unerwünschten Nachwuchses bereits mit drei bis vier Monaten kastriert werden.

Unterbringung und Käfigeinrichtung

Der Rattenkäfig für zwei Tiere sollte mindestens 80 Zentimeter lang, 40 Zentimeter breit und 50 Zentimeter hoch sein, für jedes weitere erwachsene Tier sind 20 Prozent der Bodenfläche hinzu zu rechnen. Die Vergitterung sollte galvanisch verzinkt (spezialbehandelt und dadurch rostfrei) oder matt verchromt sein. Ablagerungen werden von den Tieren abgenagt, und Messinglegierungen oxidieren. Kunststoffbehälter sind nicht und Glaswandterrarien nur bedingt (ab einer bestimmten Größe und bei guter Durchlüftung) geeignet. Der Käfig sollte an einem nicht zu hellen, ruhigen, zugfreien und erschütterungsfreien Ort aufgestellt werden. Die Ratte fühlt sich am wohlsten bei Zimmertemperatur. Sie reagiert äußerst empfindlich auf Temperaturschwankungen.

Zweimal pro Woche sollte der Käfig mit heißem Wasser gereinigt und mit frischer Einstreu versehen werden. Hierfür eignet sich gut Packpapier, das mit einer Lage Hobelspäne und in den Kotecken mit Katzenstreu bestreut wird. Sägemehl und Torf sind nicht zu empfehlen. Rattenkäfige sollten auf Grund der Intelligenz und Bewegungsfreude der Tiere auch eine sorgfältig strukturierte, dreidimensional gestaltete Inneneinrichtung besitzen. Dazu gehören vielfältige Klettermöglichkeiten, etagenartige Raumaufteilung sowie Schlupfröhre oder ähnliche Strukturen. Diese kommen der ausgeprägten Neugierde der Tiere entgegen. Sehr wichtig ist das Angebot eines Schlafhäuschens, das unbedingt allen Tieren Platz bieten soll. Gut geeignet sind standfeste Häuschen aus Ton. Bei Holzhäuschen muss man damit rechnen, dass sie von den unermüdlichen Tieren angeknabbert werden. Als Nestbaumaterial bietet man Ratten am besten Heu, Stroh oder Packpapierschnitzel an. Woll- oder Bastfäden sind ungeeignet, da sich die Tiere daran verletzen könnten. Auch bei optimaler Größe und Ausgestaltung des Käfigs brauchen Ratten täglich zusätzlich mindestens zwei Stunden freien Auslauf in der Wohnung.

Fütterung

Das Grundfutter für Ratten besteht entweder aus Körnermischungen oder aus Rattenfutter in Pelletform (gepresst). Dieses Futter sollte mit Grün- und Saftfutter (zum Beispiel Gurken, Karotten, Löwenzahn, Äpfel) sowie mit Eiweißgaben (zum Beispiel hartgekochtes Ei, milder Käse, mageres faschiertes Rindfleisch) ergänzt werden.

Zusätzlich braucht die Ratte auch Nagemöglichkeiten wie Nüsse oder harte Brotrinden. Dies dient einer natürlichen Abnützung der Zähne, aber auch als Beschäftigungsmöglichkeit. Die Futtermenge sollte pro Tag und Tier etwa 15 Gramm betragen. Bei zu großzügiger Fütterung neigen Ratten zu Verfettung. Sie nehmen ihre Nahrung vorwiegend nachts zu sich. Daher sollte bei zweimaliger Fütterung der Hauptanteil der Ration abends verabreicht werden. Als Futtergefäße sind am besten schwere Keramikgefäße geeignet. Diese leicht zu reinigenden Gefäße können die Tiere nicht umwerfen. Sehr wichtig ist das ständige Angebot an frischem Trinkwasser. Aus hygienischen Gründen ist eine Tränkeflasche am geeignetsten. Die Futter- und Tränkegefäße sollten täglich mit heißem Wasser gereinigt werden.

Umgang und Pflege

Achtung - im Gegensatz zu Mäusen darf man Ratten nie am Schwanz hochheben. Die empfindliche Schwanzhaut wird sonst verletzt. In eine mit beiden Händen gebildete Höhle kann das Tier hineinschlüpfen. In der Folge kann es hochgenommen werden. Bei ruhigem Umgang werden Ratten schnell zutraulich. Rasche Bewegungen irritieren sie jedoch. Gesundheitliche Probleme zeigt die Ratte durch gekrümmten Rücken, gesträubtes Fell und verminderte Neugier und Fresslust. Häufige Erkrankungen sind Erkältungskrankheiten und Tumore. Bei jedem Anzeichen einer Gesundheitsstörung ist ehebaldigst eine praktische Tierärztin oder ein Tierarzt aufzusuchen.

Verantwortlich für diese Seite:
Veterinäramt und Tierschutz (Magistratsabteilung 60)
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