Meerschweinchen

Zwei Meerschweinchen auf der Wiese

Herkunft und Lebensweise
Physiologische Daten
Haltung als Heimtier
Unterbringung und Käfigeinrichtung
Fütterung
Umgang und Pflege


Herkunft und Lebensweise

Das Meerschweinchen (Cavia aperea) stammt von den Hochebenen und Buschsteppen der Anden und lebt in Höhenlagen bis etwa 4.000 Meter. Familien bis zu 20 Tieren bewohnen fixe Reviere. Diese sind mit selbstgegrabenen Gängen als sichere Wege zwischen Futterstellen und Ruheplätzen ausgestattet. Die Wildform war ursprünglich dämmerungs- und nachtaktiv. Bereits vor 3.000 bis 6.000 Jahren wurde das Meerschweinchen von den Inkas domestiziert. Meerschweinchen sind äußerst lebhafte und gesellige Tiere. Mittels einer umfangreichen Palette an Lauten kommunizieren sie ständig miteinander. In gefährlichen Situationen suchen sie Schutz bei der Gruppe und auch die Futtersuche findet gemeinsam statt.

Physiologische Daten

  • Lebenserwartung: sechs bis acht Jahre
  • Körpertemperatur: 37,5 bis 39,5 Grad Celsius
  • Atemfrequenz: 100 bis 150 Atemzüge pro Minute
  • Pulsfrequenz: 230 bis 380 Schläge pro Minute
  • Körpergewicht: Weibchen: 700 bis 1.000 Gramm; Männchen 1.000 bis 1.800 Gramm
  • Geschlechtsreife: Weibchen ab 28 bis 35 Tagen; Böckchen ab 60 Tagen
  • Trächtigkeitsdauer: 59 bis 72 Tage (meist 63 Tage)
  • Wurfgröße: ein bis fünf Junge
  • Würfe pro Jahr: drei
  • Öffnen der Augen: Die Augen sind bereits 14 Tage vor der Geburt geöffnet, auch das Gebiss ist bei der Geburt bereits gewechselt.
  • Trennung von der Mutter: nach 14 bis 18 Tagen; Die Jungen können aber vom ersten Lebenstag an laufen und feste Nahrung aufnehmen.

Haltung als Heimtier

Aufgrund seiner geselligen Lebensweise bedeutet Einzelhaltung für das Meerschweinchen große Stressbelastung. Das Tier ist schnell zutraulich und "unterhält" sich mit seinem menschlichen Gegenüber. Dennoch kann der Mensch auch bei großem Zeitaufwand die Artgenossen nicht ersetzen. Optimal ist die Haltung von Wurfgeschwistern. Hier ist auch die problemlose Haltung von zwei Brüdern möglich. Wenn ein Pärchen oder ein Böckchen mit zwei Weibchen gehalten wird, muss das Böckchen bereits im Alter von zwei Monaten kastriert werden. Nur so kann unerwünschter Nachwuchs vermieden werden.

Unterbringung und Käfigeinrichtung

Der Meerschweinchenkäfig sollte für zwei Tiere mindestens 100 Zentimeter lang, 60 Zentimeter breit und 50 Zentimeter hoch sein. Die Vergitterung sollte galvanisch verzinkt (spezialbehandelt und dadurch rostfrei) oder matt verchromt sein. Ablagerungen werden von den Tieren abgenagt und Messinglegierungen oxidieren. Kunststoffwannen mit hohen Seitenwänden und Glaswandterrarien sind nicht geeignet. Der Käfig sollte an einem hellen (keine direkte Sonneneinstrahlung), zugfreien, ruhigen und erschütterungsfreien Ort aufgestellt werden. Meerschweinchen sind recht schreckhafte Tiere und neigen zu Fluchtreaktionen. Deshalb sollte der Käfig möglichst in Tischhöhe stehen. Zweimal pro Woche ist der Käfig mit heißem Wasser zu reinigen und mit frischer, saugfähiger Einstreu (zum Beispiel Hobelspäne, Stroh) zu versehen.

Der Käfig muss unbedingt für alle Bewohner Schlafhäuschen aufweisen. Das Dach wird von den Tieren auch gerne als zweite Ebene genützt. Trotz großer Käfige muss den Tieren täglich mindestens ein bis zwei Stunden Freilauf in der Wohnung gestattet werden. Eine Auslaufmöglichkeit im Freien bereitet den Meerschweinchen im Sommer besondere Freude. Ein ausbruchsicherer Pferch (eingezäunte Fläche) von mindestens einem Quadratmeter, der auch nach oben hin vergittert ist, ist zum Schutz von Raubtieren notwendig. Das Häuschen ist auch hier als Rückzugsmöglichkeit wichtig. Meerschweinchen sind sehr hitzeempfindlich. Eine ständige Beschattung ist notwendig.

Fütterung

Als Grundfutter sollte Heu in guter Qualität (Achtung Schimmel) ständig zur Verfügung stehen. Aus hygienischen Gründen sollte es über eine Raufe angeboten werden. Als Saftfutter dienen Gräser, Kräuter (wie Löwenzahn, Wiesenklee, Sauerampfer), Karotten, Äpfel, Gurken oder Maiskolben. Kraftfutter wie Körnermischungen oder Pellets (gepresste Form) sollte sparsam verabreicht werden (etwa ein bis zwei Esslöffel pro Tier und Tag). So werden Verfettungen vermieden. Knäckebrot, Zwieback, einwandfreies getrocknetes Brot oder Obstbaum- beziehungsweise Weidenzweige dienen zur Abnützung der Zähne und sollten regelmäßig angeboten werden.

Der Futternapf muss so schwer sein, dass ihn die Tiere nicht umwerfen können. Um ein Hineinkoten zu vermeiden, darf er nicht zu groß sein. Eine regelmäßige Fütterung (zwei bis dreimal am Tag) ist notwendig. Plötzliche Futterumstellungen sind zu vermeiden. Das Meerschweinchen kann Vitamin C nicht wie andere Tierarten selbst bilden. Das Vitamin wird durch ausreichende und abwechslungsreiche Grünfuttergaben zugeführt. Die Tierärztin oder der Tierarzt informiert, wann zusätzliche Vitamin C-Gaben erforderlich sind und wie sie zu verabreichen sind. Ständig frisches Trinkwasser wird aus hygienischen Gründen am besten über eine Nippeltränke angeboten. Futter- und Tränkgefäße müssen täglich mit heißem Wasser gereinigt werden.

Umgang und Pflege

Vorsicht beim Hochheben der Tiere: Immer zuerst ansprechen und streicheln. Dann mit einer Hand die Brust umfassen und mit der anderen das Hinterteil unterstützen. Durch zu festes Zusammendrücken des Brustkorbes besteht die Gefahr der Lungenkompression. Stürze aus größerer Höhe können zu Verletzungen führen. Deshalb muss die Handhabung von Meerschweinchen durch kleine Kinder immer überwacht werden. Die Krallen sind regelmäßig zu kontrollieren und nötigenfalls mit einer Nagelzange zu kürzen. Auf die Funktion der Nagetätigkeit und auf die Zähne ist zu achten. In diesem Bereich kommt es oft zu Anomalien durch mangelnde Abnützung. Das Auftreten von Juckreiz und Hautveränderungen sowie Veränderungen der Kotkonsistenz sind leicht feststellbar. Meerschweinchen zeigen es nicht immer sehr deutlich, wenn sie krank sind. Bei genauer Beobachtung ist auf die kleinsten Auffälligkeiten zu achten. So kann rechtzeitig eine praktische Tierärztin oder ein Tierarzt aufgesucht werden.

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Veterinäramt und Tierschutz (Magistratsabteilung 60)
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