Kaninchen
Herkunft und Lebensweise
Physiologische Daten
Haltung als Heimtier
Unterbringung und Käfigeinrichtung
Fütterung
Umgang und Pflege
Herkunft und Lebensweise
Das Europäische Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus) stammt ursprünglich aus dem westlichen Mittelmeergebiet. Heute ist es in ganz Europa verbreitet. Als Lebensraum bevorzugen Wildkaninchen trocken-warme Gebiete bis in Höhenlagen von 600 Meter. Meist bewohnen sie weit verzweigte Erdbauten, die sie in den Untergrund graben. Sie leben aber auch oberirdisch in Sassen (kleine flache Mulden) unter Gebüschen, in hohlen Bäumen oder Hecken. Kaninchen leben gesellig in Kolonien, die eine ausgeprägte Rangordnung aufweisen.
Physiologische Daten
- Lebenserwartung: bis zu zehn Jahren
- Körpertemperatur: 38,5 bis 40 Grad Celsius
- Atemfrequenz: 32 bis 100 Atemzüge pro Minute
- Pulsfrequenz: 220 bis 325 Schläge pro Minute
- Körpergewicht: Zwergkaninchen: 0,7 bis 1,5 Kilogramm; Zwergmischlinge: bis drei Kilogramm; große Rassen: bis acht Kilogramm
- Geschlechtsreife: fünf bis sechs Monate (abhängig von Größe und Rasse)
- Trächtigkeitsdauer: 29 bis 33 (meist 31) Tage
- Wurfgröße: Zwergkaninchen: zwei bis vier Junge; große Rassen: bis zehn Junge
- Würfe pro Jahr: ein bis drei
- Öffnen der Augen: ab dem achten bis zehnten Tag
- Trennung von der Mutter: ab der (sechsten bis) achten Woche; reine Säugezeit drei Wochen
Physiologische Besonderheit
Kaninchen nehmen zur Versorgung mit Vitamin B ihren Blinddarmkot direkt vom After wieder auf (Koprophagen).
Haltung als Heimtier
Kaninchen sind zwar sozial lebende Tiere, beanspruchen aber eigene Territorien. Deswegen zeigen gleichgeschlechtliche Tiere auf engerem Raum aggressives Verhalten. Gruppenhaltung braucht daher ausreichend Platz. Am besten vertragen sich zwei Wurfgeschwister, wobei die männlichen Tiere frühzeitig zu kastrieren sind.
Unterbringung und Käfigeinrichtung
Der Käfig für ein Zwergkaninchen muss so groß sein, dass das Tier darin mindestens zwei bis drei Bewegungsabläufe (Hoppelsprünge) ausführen kann. Dies entspricht einer Mindestgröße von 100 mal 60 Zentimetern. Da sich die Tiere gerne aufrichten, sollte die Höhe des Käfigs mindestens 50 Zentimeter betragen. Der Standort des Käfigs soll ruhig, erschütterungsfrei und natürlich belichtet sein. Kaninchen sind sehr hitzeempfindlich. Ständige direkte Sonneneinstrahlung sollte daher vermieden werden. Die Aufstellung des Käfigs in Tischhöhe ist empfehlenswert, da Kaninchen gerade bei Annäherung von oben zu reflexartigen Fluchtreaktionen neigen. Optimal ist eine Käfiggestaltung in zwei Ebenen. Kaninchen brauchen nicht nur einen "Höhlenersatz" als Unterschlupf, sie lieben es auch, etwas erhöht zu ruhen. Das Schlafhäuschen soll so gestaltet sein, dass das Tier auch dessen Dachfläche nutzen kann.
Um Verhaltensstörungen vorzubeugen, brauchen die Tiere ein bis zwei Stunden täglichen Freilauf in der Wohnung. Mögliche Gefahrenquellen wie Stromkabel und Giftpflanzen müssen berücksichtigt werden. Wenn möglich, kann man den Kaninchen im Sommer mit einer Auslaufmöglichkeit im Freien besondere Freude bereiten. Gut geeignet ist eine allseits mit Maschendraht geschlossene (Schutz vor Raubtieren) und ausbruchsichere (Vorsicht, Kaninchen graben gerne) Fläche mit einer Größe von etwa zwei Quadratmetern. Diese muss mit einem Häuschen ausgestattet sein und darf nie in der prallen Sonne stehen.
Kaninchen sind sehr saubere Tiere, die im Käfig eine Kotecke anlegen und diese regelmäßig aufsuchen. Um dem Reinlichkeitsverhalten der Tiere Rechnung zu tragen muss der Käfig mindestens einmal pro Woche mit heißem Wasser gereinigt und frisch eingestreut werden. Hobelspäne mit einer Lage Stroh eignen sich sehr gut. Torfhaltige Einstreu ist aufgrund möglicher Staubentwicklung und Verpilzung weniger geeignet.
Fütterung
- Heu muss als Grundnahrung jederzeit zur Verfügung stehen. Es dient der Versorgung mit Ballaststoffen, ist verdauungsfördernd und gewährleistet eine kontinuierliche Abnutzung der Zähne. Ein bis zwei Esslöffel pro Kilogramm Körpergewicht Trockenfutter für Kaninchen (aus dem Zoofachhandel) sollte zusätzlich gereicht werden. Mit dieser Menge wird ein Verfetten der Tiere vermieden.
- Grünfutter ist unverzichtbar. An die Jahreszeit angepasst werden Kräuter (wie Löwenzahn, Sauerampfer oder Ähnliches) oder verschiedene Gemüse- und Obstsorten verfüttert. Grünfutter muss unbedingt frei von Schadstoffen sein und darf nicht angewelkt oder verschimmelt sein. Die Verfütterung von Kohl oder anderem Gemüse, das Blähungen verursachen kann, ist zu vermeiden.
- Als Nage- und Beschäftigungsmöglichkeit sollten immer frische Weiden-, Hasel- oder Obstbaumzweige oder hartes, aber einwandfreies Brot zur Verfügung stehen.
- Frisches Trinkwasser (aus hygienischen Gründen in einer Nippeltränke) muss dem Kaninchen trotz ausreichender Grünfütterung ständig zur Verfügung stehen. Ein Salzleckstein sollte immer angeboten werden.
Als Futterbehälter eignen sich am besten massive Tongutschalen. Heu sollte über eine Futterraufe (Heuspender) angeboten werden. Futter- und Wassergefäße sind täglich zu reinigen. Angewelktes oder verdorbenes Grünfutter ist zu entfernen.
Umgang und Pflege
Bevor man ein Kaninchen hochhebt, sollte man es ansprechen und streicheln. Es kann von unten umfasst und mit der zweiten Hand an der Nackenfalte fixiert werden. Ein starkes Zusammendrücken des Brustkorbes ist zu vermeiden. Es kann sonst zu gravierenden Verletzungen auch der inneren Organe kommen. Ein Kaninchen darf unter keinen Umständen an den Ohren hochgehoben werden.
Die Funktion der Zähne und die Nagetätigkeit sind regelmäßig zu kontrollieren. Kaninchenzähne wachsen ständig nach. Bei fehlender Abnützung kann es daher zu Deformationen und in der Folge zu Fressstörungen kommen. Ein Mangel an Ballaststoffen in der Fütterung führt zu Verdauungsstörungen. Beim Ausmisten ist auf die Kotkonsistenz zu achten.
Die Tiere ruhen völlig entspannt nur ausgestreckt in Seitenlage. Wenn sie nur im Sitzen ruhen, deutet dies auf Unbehagen oder Anspannung hin. Bei jedem Anzeichen einer Gesundheitsstörung ist rasch eine praktische Tierärztin oder ein Tierarzt aufzusuchen.
Veterinäramt und Tierschutz (Magistratsabteilung 60)
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