Chinchilla

Herkunft und Lebensweise
Physiologische Daten
Haltung als Heimtier
Unterbringung und Käfigeinrichtung
Fütterung
Umgang und Pflege
Herkunft und Lebensweise
Chinchillas gehören zur Familie der Hasenmäuse (Chinchillidae). Man unterscheidet Kurzschwanzchinchillas (Chinchilla chinchilla) und Langschwanzchinchillas (Chinchilla velligera). In ihrer südamerikanischen Heimat (Peru, Bolivien, Argentinien, Chile) leben sie in einer Höhe von bis zu 4.000 Metern. Das feine, dichte Fell, das sie durch ausgiebige Sandbäder pflegen, schützt die Tiere vor großen Temperaturschwankungen.
Chinchillas sind dämmerungs- und nachtaktive Tiere, die tagsüber in Höhlen und Felsspalten schlafen. Sie leben zumeist in Familienverbänden, die aus einem Männchen und zwei bis drei Weibchen bestehen. Im Zoohandel werden zumeist die wildfarbenen Chinchillas, aber auch weiße und braune Tiere angeboten.
Physiologische Daten
- Lebenserwartung: bis zu 20 Jahren
- Körpertemperatur: 37,5 bis 39,5 Grad Celsius
- Atemfrequenz: 80 bis 120 Atemzüge pro Minute
- Pulsfrequenz: 200 bis 240 Schläge pro Minute
- Körpergewicht: 400 bis 600 Gramm
- Geschlechtsreife: fünf bis sechs Monate
- Trächtigkeitsdauer: 111 Tage
- Wurfgröße: ein bis vier Junge
- Trennung von der Mutter: nach acht Wochen
Physiologische Besonderheit
Chinchillas sind Kotfresser (Koprophagen). Sie müssen ihren Blinddarmkot aufnehmen, um die darin enthaltenen Vitamine vollständig zu resorbieren. Chinchillas sind Nestflüchter: Sie werden voll behaart und mit offenen Augen geboren.
Haltung als Heimtier
Chinchillas sind gesellige Tiere. Für die Haltung als Heimtier empfiehlt sich die Anschaffung eines Pärchens (kastrierter Bock) oder zweier weiblicher Wurfgeschwister.
Unterbringung und Käfigeinrichtung
Aufgrund ihres hohen Bewegungsbedarfs muss ein Chinchilla-Käfig sehr geräumig sein. Chinchillas zeigen ein beeindruckendes Sprungvermögen. Eine ausreichende Höhe ist daher notwendig. Die Käfig-Mindestmaße für ein bis zwei Tiere sind 120 Zentimeter Seitenlänge, 80 Zentimeter Tiefe und 100 Zentimeter Höhe. Eine Höhe über 120 Zentimeter ist aufgrund der Verletzungsgefahr nicht empfehlenswert. Zur Pflege und zur besseren Innenraumgestaltung sind mehrere Käfigtürchen einem zentralen Türchen vorzuziehen. Chinchillas sind Nagetiere. Daher muss die Vergitterung galvanisch verzinkt (spezialbehandelt und dadurch rostfrei) oder verchromt sein. Der Gitterabstand darf 15 Millimeter nicht überschreiten. Ein Sitzbrett sollte in mittlerer Käfighöhe angebracht werden. Als Einstreu sind Hobelspäne aus unbehandeltem Holz ideal.
Mindestens einmal täglich muss den Chinchillas ein Sandbad ermöglicht werden. Am günstigsten in einer glasierten Tonschale von zirka 20 Zentimetern Durchmesser und zwölf Zentimetern Höhe. Spezialsand ist in Tierhandlungen erhältlich. Vogelsand ist dafür ungeeignet. Ein Schlafhäuschen, Tonröhren oder ausgehöhlte Stammteile von Laubbäumen (bevorzugt Obsthölzer) ermöglichen ausreichendes Ruhen am Tag. Der Käfig sollte an einem trockenen, ruhigen, zugfreien und erschütterungsfreien Ort aufgestellt werden. Da die Tiere vor allem nachtaktiv sind, empfiehlt sich die Unterbringung in einiger Entfernung zu den eigenen Schlafräumen. Aufgrund des hohen Bewegungsbedarfes und der Sprungfreudigkeit sollte den Tieren zumindest ein bis zwei Stunden pro Tag (bevorzugt in den Abendstunden) Freilauf in der Wohnung zugestanden werden. Der Freilauf sollte nur unter Beobachtung stattfinden. Vorhandene Gefahrenquellen, wie zum Beispiel Stromkabel, müssen ausgeschaltet sein.
Fütterung
Der Verdauungstrakt der Chinchillas ist auf eine nährstoffarme, ballaststoffreiche Kost eingestellt. Es empfiehlt sich die Verfütterung eines Alleinfutters in Pelletform (gepresst).
Leckereien wie Nüsse, Rosinen, Sonnenblumenkerne oder Kekse sollten nur sehr restriktiv angeboten werden. Ausreichend rohfaserreiches Heu ist notwendig. Nagematerial wie Zweige von Obsthölzern, Weide, Buche oder Linde sind zur Abnützung der ständig nachwachsenden Zähne wichtig. Chinchillas sollen ein bis zweimal täglich in regelmäßigen Abständen gefüttert werden. Als Hauptfütterungszeit empfehlen sich die frühen Abendstunden.
Wie alle Nagetieren sind Chinchillas gegen abrupte Futterwechsel sehr empfindlich und reagieren darauf mit Verdauungsstörungen. Zur Fütterung eignen sich standfeste, glasierte Tonschalen oder Metallfutterschalen. Trinkwasser, am besten in Wasserflaschen mit Trinknippel, muss ständig zur Verfügung stehen. Beide Behältnisse müssen täglich gereinigt und alte Futterreste entfernt werden. Heu sollte in oben geschlossenen Raufen (Futterkrippen) angeboten werden, damit sich die Tiere beim Springen nicht verletzen.
Umgang und Pflege
Chinchillas sind keine einfach zu haltenden Heimtiere! Sie haben ihr Wildtierverhalten nicht zur Gänze abgelegt. Daher sind sie oft sehr scheu und vorsichtig. Mit etwas Geduld werden sie häufig gitter- beziehungsweise handzahm.
Beim Abfangen und Festhalten ist ein Hochheben an der Genickfalte zu vermeiden, da das lockere Fell schnell ausreißt.
Zahnlänge und Nagetätigkeit sind regelmäßig zu kontrollieren. Bei fehlender Abnutzung und schlechtem Zahnschluss kommt es zu Fressstörungen. Bei jedem Anzeichen einer Gesundheitsstörung ist rasch eine praktische Tierärztin oder ein Tierarzt aufzusuchen.
Veterinäramt und Tierschutz (Magistratsabteilung 60)
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