Wiens nervigste Ampeln stehen fest

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Abteilung Wien leuchtet (MA 33) haben tausende Meldungen zu Wiens nervigster Ampel auf Hochtouren ausgewertet. 3.824 Zusendungen hat es im Zeitraum zwischen dem 16. August und dem 7. September gegeben.

Nervigste Ampel: Kreuzung Währinger Gürtel/Nußdorfer Straße

Mehrere Ampeln

Am häufigsten gewählt wurde die Ampel im Kreuzungsbereich Währinger Gürtel / Nußdorfer Straße. Hier gibt es tägliche Rückstaus am Währinger Gürtel, der Döblinger Hauptstraße und der Billrothstraße. Dieser Kreuzungsbereich ist der am stärksten belastete Knoten im Norden Wiens. Hier treffen viele unterschiedliche Verkehrsströme - öffentlicher Verkehr, Fußgängerinnen und Fußgänger, Radfahrerinnen und Radfahrer sowie motorisierter Individualverkehr aus dem 19. Bezirk und des Gürtels - aufeinander. Daher ist es notwendig, die Freigabezeiten auf drei Bereiche zu teilen. Das ist bei den umliegenden Ampeln nicht der Fall. Die Erarbeitung einer Lösung, die für alle Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer passt, ist sehr komplex und bedarf mehr Zeit. Sie wird in einem Fachgremium behandelt, in dem Vertreterinnen und Vertreter aller Verkehrsgruppen teilnehmen. Über das Ergebnis wird die MA 33 berichten.

Platz 2: Kreuzung Taborstraße/Obere Augartenstraße

Knapp hinter der nervigsten Ampel liegt die Ampel im Kreuzungsbereich Taborstraße / Obere Augartenstraße. Bei dieser Ampel haben die Fußgängerinnen und Fußgänger über zu kurze Grünzeiten geklagt. Die derzeitige Situation sieht so aus, dass die Fußgängerinnen und Fußgänger, die die Obere Augartenstraße auf Höhe der Ampel Taborstraße queren, den 25 Meter breiten Schutzweg benutzen müssen. Auf Grund der Nähe zur U2-Station ist die Fußgängerfrequenz entsprechend hoch. Gleichzeitig gibt es ein hohes Verkehrsaufkommen von Fahrzeugen, die von der Taborstraße rechts in die Obere Augartenstraße abbiegen. Der hier vorliegende Konflikt ist bedingt verträglich (gleichzeitige Freigabe möglich) und kann auf Grund der Leistungsfähigkeit nicht getrennt werden.

Durch die gleichzeitige Freigabe unterbinden rechtsabbiegende Fahrzeuge, die auf eine Fußgängerlücke warten, den Verkehrsfluss. In weiterer Folge setzt sich der Rückstau bis auf die Gleise der Straßenbahn fort. Um diesem Effekt entgegen zu wirken, reduziert die derzeitige Straßenbahnbeeinflussung die Grünzeit für Fußgängerinnen und Fußgänger.

Lösungsvorschlag

Eine Lösungsmöglichkeit wäre die Räumzeitanzeige, die derzeit bei der Pilotanlage Landesgerichtsstraße/Josefstädter Straße erprobt wird. Die Räumzeit des Schutzweges beträgt 19 Sekunden. Durch die Anzeige der Räumzeit mittels Gelbblinklicht könnte für Fußgängerinnen und Fußgänger das Sicherheitsgefühl verbessert werden.

Platz 3: Bereich Laaer-Berg-Straße/Rudolf-Friemel-Gasse

Der 3. Platz ging an die Ampelanlagen im Bereich Laaer-Berg-Straße / Rudolf Friemel-Gasse . Hier sieht die Situation so aus, dass sich in der Laaer-Berg-Straße zwischen Theodor-Sickel-Gasse und Absberggasse vier Ampeln mit sehr kurzen Knotenpunktabständen befinden. Im Zusammenhang mit der Dreiphasensteuerung, die durch die Linksabbiegerinnen und Linksabbieger notwendig ist, ergibt dies schwierige Rahmenbedingungen für die Realisierung einer grünen Welle.

In den Morgen- und Abendstunden ist nur eine Kompromisslösung möglich, die eine grüne Welle entweder stadtein- oder stadtauswärts gestattet. Während der Nachtstunden wird von Fahrzeuglenkerinnen und Fahrzeuglenkern ein Gelblinkbetrieb gefordert, um unnötige Wartezeiten zu vermeiden. Derzeit werden alle Phasen - Abbiegerinnen und Abbieger, Querverkehr und Fußgängerinnen und Fußgänger - automatisch in den Umlauf geschaltet, um eine starre Koordinierung zu erzeugen.

Lösungsvorschlag

Während der Nachtstunden sollen verkehrsabhängige Programme geschaltet werden, die ohne Anmeldung ein Dauergrün für die Laaer-Berg-Straße schalten. Dies ist eine relativ kostengünstige Maßnahme, da Schaltprogramme und Sensorik vorhanden sind. Ein Gelbblinkbetrieb in den Nachtstunden ist aus Verkehrssicherheitsgründen bei mehrstreifigen Fahrtrichtungen nicht erlaubt, da ein solcher Schutzweg laut StVO mit einem Lichtsignal geregelt sein muss.

Platz 4: Bereich Vorgartenstraße/Walcherstraße

Knapp nicht auf das Podest der nervigsten Ampeln Wiens ist die Ampel im Bereich Vorgartenstraße / Walcherstraße gekommen. Auch hier haben die Fußgängerinnen und Fußgänger zu kurze Grünzeiten und zu lange Wartezeiten auf die nächste Grünphase gemeldet. Bei dieser Ampel war seitens der MA 33 schon eine Programmänderung geplant. Diese Programmänderung wurde am 7. September 2011 durchgeführt. Die Fußgängerinnen und Fußgänger haben längere Grünzeiten erhalten.

Platz 5: Kreuzung Altmannsdorfer Straße/Sagedergasse

Auf Platz 5 und somit im Mittelfeld liegt die Ampel Altmannsdorfer Straße/Sagedergasse im 12. Bezirk. Diese Kreuzung ist eine der am stärksten frequentierten Kreuzungen im Süden von Wien. An dieser Kreuzung erschweren die Rahmenbedingungen das Fortkommen für den Fahrzeugverkehr. In Fahrtrichtung Norden ermöglicht die Ampelsteuerung ein flüssiges Vorankommen für 2.000 Fahrzeuge pro Stunde. Dennoch entstehen lange Wartezeiten, da in der Morgenspitze weitaus mehr Fahrzeuge diesen Knoten passieren. In der Abendspitze fließt der Hauptverkehrsstrom wieder stadtauswärts. Der starke Linksabbiegestrom von der Altmannsdorfer Straße in die Sagedergasse steht diesem Verkehrsstrom als direkter Zeit-Konkurrent gegenüber. Auch die Linksabbieger aus der Sagedergasse müssen aus Gründen der Verkehrssicherheit in einer eigenen Phase frei erhalten, um gefahrlos die Schutzwege kreuzen zu können.

Fußgängerinnen und Fußgänger müssen teilweise bis zu 30 Meter lange Schutzwege benutzen. Für diese Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer muss auch Zeit herangezogen werden, damit sie sicher die andere Straßenseite erreichen. Für all diese Verkehrsströme gelten die gleichen physikalischen Prinzipien, wie begrenzter Raum und begrenzte Zeit.

Um dieses Verkehrsproblem zu lösen, wären großräumige verkehrsorganisatorische Lösungsansätze zu verfolgen.

Platz 6: Bereich Stadlauer Straße/Hirschstettner Straße

Als sechst-nervigste Ampel wurde die Ampel an der Stadlauer Straße/Hirschstettner Straße im 22. Bezirk gewählt. Dieser Verkehrsknoten liegt in einem Stadtteil Wiens, der in den letzten Jahrzehnten einen enormen Verkehrszuwachs verbucht hat. Trotz Verlängerung von zwei U-Bahn-Linien, die ein Umsteigen auf den öffentlichen Verkehr erleichtern sollen, gibt es Kreuzungen, bei denen die Fahrzeugbelastung davon unbeeindruckt stabil bleibt. Die historischen Straßenquerschnitte bieten hier nur Raum für einspurige Zu- und Abflüsse. Gleichzeitig stellt die vorhandene Kreuzungsgeometrie eine sehr exzentrische Verzerrung im Vergleich zur klassischen Kreuzung dar. Die Anbindung der Süßenbrunner Straße aus dem Norden muß in der Regelung des Teilknotens mit der Stadlauer Straße berücksichtigt werden. Daraus entstehen am Knoten lange Räumzeiten für den Fahrzeugverkehr, da die Verbindungsfahrbahn der beiden Teilknoten immer nur einzeln von den verschiedenen Fahrtrichtungen genutzt werden kann. Die hohen Verkehrsbelastungen in den Morgen- und Abendspitzen, die sich zu und von der Autobahn bewegen, führen zu den langen Wartezeiten und Rückstaubildungen.

Lösungsvorschlag

Eine Verbesserung könnte nur durch eine verkehrsorganisatorische Änderung herbeigeführt werden. Beispielsweise würde eine Einbahnführung der Süßenbrunner Straße, die von der Kreuzung wegführt, eine Phaseneinsparung ermöglichen. Gleichzeitig müßte dafür die Fußgängerquerung in die Verbindungsfahrbahn verlegt werden. Dadurch könnte eine Leistungssteigerung von bis zu 15 Prozent erreicht werden. Gänzliche Rückstauvermeidungen sind aber auf Grund der Verkehrsbelastung auszuschließen.

Platz 7: Reinprechtsdorfer Brücke

Die Fußgängerampel auf der Reinprechtsdorfer Brücke belegte Platz 7. In der Mitte der Reinprechtsdorfer Brücke befinden sich ein Schutzweg und eine Radüberfahrt. Die Reinprechtsdorfer Brücke verbindet die Linke Wienzeile im 6. Bezirk mit der Schönbrunner Straße im 5. Bezirk. Der regelungstechnische Knotenpunktsabstand beträgt jedesmal 40 Meter. Auf Grund der kurzen Stauräume ist eine Koordinierung der betroffenen Ampelanlagen zwingend. Die Freigabe für FußgängerInnen und RadfahrerInnen auf der Reinprechtsdorfer Brücke erfolgt nur nach Betätigung einer der Anmeldedrucktasten. In Folge der Koordinierung der Ampelanlagen gibt es nur einen bestimmten Freigabebereich für FußgängerInnen und RadfahrerInnen.

Lösungsvorschlag

Um den Komfort für diese Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer zu erhöhen, wird untersucht, ob tagsüber eine automatische Freigabeanforderunge für FußgängerInnen und RadfahrerInnen zu Problemen führt. Andernfalls kann durch diese Einrichtung Wartezeit reduziert werden.

Platz 8: Prinz-Eugen-Straße/Gußhausstraße

Auch eine Ampel aus dem 4. Bezirk ist unter den "Top Ten" vertreten. Die Kreuzung Prinz-Eugen-Straße/Gußhausstraße schneidet bei FußgängerInnen und RadfahrerInnen nicht so gut ab. Über die Prinz-Eugen-Straße führt auf Höhe Gußhausstraße eine Radüberfahrt. Um über diese Querung eine Freigabe zu erhalten, müssen RadfahrerInnen und FußgängerInnen die Anmeldedrucktaste betätigen. Eine automatische Freigabe dieser Radfahrerüberfahrt bzw. den Fußgängerübergang kostet dem öffentlichen Verkehr Grünzeit und führt unter Umständen zu längeren Aufenthalten und Verlustzeiten für die Straßenbahn.

Lösungsvorschlag

Die MA 33 wird mit den Wiener Linien in Verhandlung treten und versuchen, den Komfort für FußgängerInnen und RadfahrerInnen durch eine automatische Daueranmeldung in den Tagesstunden zu erhöhen.

Platz 9: Biberhaufenweg/Ulanenweg

Die Kreuzung Biberhaufenweg/Ulanenweg im 22. Bezirk stößt vor allem bei Autofahrern wegen der zu langen Wartezeit auf Grün auf Unmut. Der Biberhaufenweg ist während der Verkehrsspitzen eine stark belastete Route, die als Alternative zur B3 in das Stadtzentrum, der A23 oder zur A22 führt. Auf Höhe Ulanenweg gibt es für Anrainerinnen und Anrainer die Möglichkeit einer ampelgeregelten Fußgängerquerung. Gleichzeitig gibt es für die Fahrzeuge aus dem westlichen und östlichen Ulanenweg einen geregelten Zufluß in den Biberhaufenweg. Auf Grund der hohen Verkehrsbelastung entstehen für Fußgängerinnen und Fußgänger sowie Fahrzeuge aus dem Ulanenweg oft lange Wartezeiten, bis deren Freigaben erfolgen können. Aus Platzgründen (Schleppkurve des Lininenomnibusses) gibt es eine Phasentrennung zwischen dem westlichen und östlichen Ulanenweg, die zu Lasten des Fahrzeugverkehrs des Biberhaufenwegs geht.

Lösungsvorschlag

Es wird überprüft, ob zusätzliche Fahrbahnsonden zu einer Verbesserung der Verkehrsregelung führen können.

Platz 10: Bereich Prager Straße/Rußbergstraße

Auf Platz 10 findet sich die Ampel im Bereich Prager Straße/Rußbergstraße im 21. Bezirk wieder. Dieser Verkehrsknoten ist verkehrsstromtechnisch mit vier unterschiedlichen Freiphasen zu regeln. Lange Wartezeiten für FußgängerInnen und für FahrzeuglenkerInnen sind die Folge, speziell wenn die Straßenbahn ihren Vorrang gegenüber allen anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern einfordert. Auf Grund der exponierten Lage kann auf eine Koordinierung mit anderen Ampelanlagen verzichtet werden.

Lösungsvorschlag

Es wird untersucht, ob der Einsatz von mehreren Sensoren für Fahrzeuge den Verkehrsablauf flexibler und schneller gestalten würde. Gleichzeitig könnten durch Sensoren im Bereich der Fußgängerquerungen längere Grünzeiten geschaltet werden. Die Abwägung zwischen einem Zeitgewinn und dem wirtschaftlichen Aufwand ist hier sicherlich ein entscheidender Faktor.

Weitere Umsetzung

Die erarbeiteten Lösungsvorschläge werden nun mit den zuständigen Bezirken, den Wiener Linien, der Abteilung Verkehrsorganisation und technische Verkehrsangelegenheiten (MA 46) sowie den VertreterInnen der FußgängerInnen, RadfahrerInnen und der Autofahrerclubs besprochen und auf ihre Umsetzbarkeit geprüft.

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