Amphibienschutz - Kröte
Das Wandern ist der Kröte Lust
Die ersten warmen Frühlingstage locken Erdkröte und Co aus ihren Winterquartieren. Zu Tausenden wandern sie zu den Tümpeln und Teichen, wo sie geboren wurden. Der Weg dorthin führt oft über stark befahrene Straßen. Für viele Kröten kann das den sicheren Tod bedeuten. Die Wiener Umweltschutzabteilung (MA 22), die Abteilung Wälder und Landwirtschaft der Stadt Wien (MA 49), die Abteilung Wiener Gewässer (MA 45), Tierschutzorganisationen und freiwillige Helferinnen und Helfer sorgen dafür, dass mehr Kröten lebend ans Ziel kommen.
Folder - "Krötenschutz ist Artenschutz": Online-Bestellung • Download (367 KB PDF)
- Beginn der Krötenwanderung
- Wanderstrecken in Wien
- Tunnel und Schutzzäune
- Hilfe von Verkehrsteilnehmerinnen und - teilnehmern
- Nützliche Kröte
- Wissenswertes zur Erdkröte
Beginn der Krötenwanderung
Die Krötenwanderung beginnt meistens Mitte März und dauert bis in den April. Ausgelöst wird sie von Regen und Außentemperaturen von über zehn Grad Celsius. Den Winter haben die Tiere unter welkem Laub, alten toten Baumstämmen oder größeren Steinen verbracht. Gute Verstecke lassen sich fast überall finden, auch in Kellern, Geräteschuppen oder Mauerspalten. Von allen Seiten hüpfen die Tiere zu den Gewässern, wo sie in den Jahren davor als Kaulquappen (Larven) lebten. Bevor sie die Ufer ihrer Tümpel erreicht haben, waren manche bereits bis zu zwei Kilometer unterwegs. Am mühsamsten ist der lange Marsch für die Krötenweibchen. Denn richtige Krötenmänner kennen keine Emanzipation. Viele Krötenherren lassen sich von ihren Damen auf dem Rücken tragen. Am Teich angekommen, legen die Weibchen ihre bereits befruchteten Eier in Schnüren im Wasser ab. Später schlüpfen daraus die Kaulquappen (Larven).
Wanderstrecken in Wien
In Wien wandern die Kröten hauptsächlich an folgenden Strecken:
- 2. Bezirk: Der Wiener Prater (Aspernallee)
- 14. Bezirk: Rosentalgasse, Amundsenstraße (im Bereich Schottenhof), Mauerbachstraße (im Bereich Schloss Laudon), Sofienalpenstraße (Nähe Adalbert Stifter Denkmal)
- 17. Bezirk: Exelbergstraße (Bereich Schwarzenbergpark)
- 21. Bezirk: Senderstraße (Bisamberg)
Amphibienschutztafeln weisen auf die Krötenwanderung hin.
Tunnel und Schutzzäune
Viele der Wanderstrecken werden anfänglich mit Zaun-Kübel-Anlagen gesichert. Bei dieser arbeitsintensiven Methode halten Zäune die Kröten von der Straße fern. Entlang der Zäune sind immer wieder Kübel im Boden versenkt. Dort plumpsen die Kröten hinein und warten darauf, dass sie von den Helferinnen und Helfern sicher über die Straße getragen werden. Die Freiwilligen verbringen dabei zahlreiche Stunden an den Wanderstrecken.
An besonders kritischen Punkten wurden fixe Tunnelanlagen errichtet, so zum Beispiel in der Rosentalgasse (14. Bezirk) oder auf der Senderstraße am Bisamberg (21. Bezirk). Dabei handelt es sich um Kanaltröge, die in der Fahrbahndecke versenkt werden. Diese werden mit Betonplatten und befahrbaren Schachtgittern abgedeckt. Die Kröten marschieren durch die Röhre auf die andere Straßenseite. Zäune und Leitbleche führen sie zu den Eingängen. Eine Tunnelanlage kostet zwischen 35.000 und 50.000 Euro.
Hilfe von Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmern
Grünumrandete Verkehrsschilder mit dem Abbild einer großen schwarzen Kröte oder einem Frosch in der Mitte weisen die Autofahrerinnen und Autofahrer auf die Krötenwanderung hin. Die Schilder werden auf Straßen angebracht, die auch von Kröten benutzt werden. Vorsichtig und langsam fahren lautet dann die Devise. Davon profitieren die Kröten, die Helferinnen und Helfer aber auch die Autofahrerinnen und Autofahrer. Spaziergängerinnen und Spaziergänger sollten die Krötenzäune nicht beschädigen und die Fangkübel nicht beseitigen. Gegenstände dürfen nicht in die Laichgewässer geworfen und der Laich nicht aus dem Wasser entfernt werden. Hundebesitzerinnen und -besitzer sollten ihren Schützling bei den Fangzäunen an der Leine halten. Hunde, die ins Gewässer gelassen werden, zerstören den Laich.
Nützliche Kröte
Die Kröte kämpft mit ihrem Image: Für viele Menschen ist sie kein besonders schönes Tier. Nur allmählich wird ihre Bedeutung erkannt. Erdkröten ernähren sich von Würmern, Schnecken, Asseln, Spinnen und Insekten. Diese erbeuten sie auf ihren nächtlichen Streifzügen. Kostenlos und völlig ungiftig bekämpfen sie somit Schädlinge im Garten. Wirkungsvolle Schädlingsbekämpfer sind die Kröten jedoch nur dann, wenn sie sich ausreichend fortpflanzen können. Und eines sollte man auch nicht vergessen: Kröten sind ein Teil jener Vielfalt, die unsere Welt im Ganzen so lebenswert macht.
Wissenswertes zur Erdkröte
Wissenschaftlich korrekt wird die Erdkröte "Bufo bufo" genannt. Sie ist warzig, plump und sehr kräftig gebaut. Ihre Körperoberseite ist meist einheitlich grau-braun gefärbt. Die Bauchseite zeigt sich deutlich heller, weißlich bis grau, selten dunkel marmoriert. Voll ausgewachsen erreichen die Weibchen eine Körperlänge von 15 Zentimetern. Die Männchen sind oft nur halb so groß. Aus den Kaulquappen entwickeln sich die Jungtiere in einer Größe von ein bis zwei Zentimetern. Ende Juni bis Anfang Juli verlassen die kleinen Kröten das Wasser. Im Oktober ziehen sie sich in ihre Winterquartiere zurück.


© wien.at: Magistrat der Stadt Wien, Rathaus, A-1082 Wien