Wässer des Wienflusses
Hochwässer
Die Idylle des Wienflussgerinnes mit offenem Charakter war trügerisch. Denn der Wienfluss bedeutete eine große Gefahr für das ständig wachsende Siedlungsgebiet. Bei Hochwasser konnte der Wienfluss innerhalb von Stunden auf das 2.000-fache seines Niederwasserstandes anschwellen. Die Folge waren verheerende Überschwemmungen. So wurden zum Beispiel im Jahre 1785 Keller und Erdgeschoss des Schlosses Schönbrunn durchflutet.
Immer wieder wurden Planungen zur Regulierung erstellt, kamen jedoch bis auf kleine Teilmaßnahmen nicht zur Ausführung. So wurde etwa im Jahre 1782 der Mündungsverlauf im Bereich der damaligen Glacis eingetieft und die Böschungen mit Weiden und Akazien bepflanzt.
Erste systematische Regulierungsmaßnahmen wurden zwischen 1814 und 1817 im Bereich der städtischen Vororte, von Schönbrunn bis zum Stubentor, gesetzt. Die hygienischen Verhältnisse wurden aber weiterhin nicht im notwendigen Umfang verbessert. Die sanitären Verhältnisse waren zuvor so schlecht, dass die Situation am Wienfluss vom Wiener Magistrat als gesundheitsgefährdend angesehen wurde.
Abwässer
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts siedelten sich entlang des Flusslaufes immer mehr Gewerbe- und Industriebetriebe an, darunter viele Gerbereien, Färbereien und Wäschereien. In der Umgebung der Fabriken entstanden die bekannten "Zinskasernen", die Arbeiterwohnstätten des vorigen Jahrhunderts. Sowohl die Abwässer der Betriebe als auch die häuslichen Abwässer flossen in den Wienfluss, der immer mehr zum trüben, stinkenden Unratabfluss wurde.
Cholerakanäle
1830 kam es schließlich in der Folge eines Donauhochwassers und dem Einstau des Wienflusses zu einer verheerenden Choleraepedemie. Noch im selben Jahr wurden Sanierungsmaßnahmen veranlasst und im Herbst 1831 mit dem Bau der Wienflusssammelkanäle ("Cholerakanäle") begonnen. Die Anlage der beidseitig des Wienflusses verlaufenden, vom Linienwall bis zur Einmündung in den Donaukanal reichenden Abwasserkanäle konnte 1839 abgeschlossen werden.
Nach einer anfänglichen Verbesserung der sanitären Verhältnisse erwiesen sich die gesetzten Maßnahmen jedoch bald als unzureichend. Die beiden Grundprobleme – Hochwassersituation und hygienische Verhältnisse - konnten nicht entscheidend verbessert werden. Noch immer trat die Wien alle paar Jahre über die Ufer und bedrohte Ufergemeinden, Wohnhäuser und Industrien. Außerdem war man aufgrund der teilweise zu eng gewählten Profilweiten gezwungen, Entlastungskanäle von den Cholerakanälen zum Wienfluss anzulegen. So blieben die genannten Probleme trotz zahlreicher Planungen bis ins späte neunzehnte Jahrhundert ungelöst.
Wiener Gewässer (Magistratsabteilung 45)
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