Wienerwald - Erholungsgebiet in Wien

Der Wienerwald ist Erholungsraum für die Wiener Bevölkerung. Er ist auch ein wichtiger Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten. Um den Wienerwald auch in Zukunft zu schützen und gleichzeitig den Ansprüchen der Menschen im Wienerwald gerecht zu werden, wurde er im Juni 2005 von der UNESCO, im Rahmen des Programms "Der Mensch und die Biosphäre"(MAB), nach internationalen Kriterien als Biosphärenpark anerkannt.

Eine Familie im Wald

Ausdehnung

Der Wienerwald erstreckt sich über eine Fläche von rund 135.000 Hektar (1.350 Quadratkilometer) westlich von Wien. Der Großteil dieser Fläche liegt im Bundesland Niederösterreich. Ein kleiner Teil befindet sich innerhalb der Wiener Landesgrenze.

Geologie und Klima

Im Wienerwald herrschen zwei deutlich unterscheidbare Gesteinszonen und damit auch Waldgesellschaften vor: Der Flysch- oder Sandstein-Wienerwald und der Kalk-Wienerwald.

Flysch- oder Sandstein-Wienerwald

  • Der Flysch- oder Sandstein liegt vorwiegend im nördlichen und westlichen Bereich des Wienerwaldes.
  • Der Untergrund besteht aus Mergeln, Tonschiefern und Sandsteinen. Hier gibt es oft schwere und tiefgründige Böden.
  • Die Landschaftsformen sind hügelig und sanft. Die höchsten Gipfel erreichen 500 Meter.
  • Die in Richtung Donau abfallenden Teile des Waldes sind durch Ablagerungs- und Erosionseinflüsse der Donau charakterisiert.
  • Durch die Abfolge der Warm- und Kaltzeiten entstanden an der Donau die typischen Terrassenlandschaften, die heute als Weinbaugebiete genutzt werden.
  • Die Vegetation besteht vorwiegend aus Laubwäldern (Eichen-Hainbuchenwälder, Buchen- Tannen-Wälder, Rotbuchenwälder).

Kalk-Wienerwald

  • Kalk- und Dolomitgestein prägen den südlichen Abschnitt des Wienerwaldes.
  • Das Grundgestein ist Kalk beziehungsweise Dolomit. Hier gibt es häufig trockene, nährstoffarme und seichtgründige Böden.
  • Die Landschaftsformen sind schroff und steil. Die höchsten Gipfel erreichen 900 Meter.
  • Vegetation: Schwarzkieferwälder, Schwarzkiefer-Buchenwälder und Flaumeichenwälder treten an besonders trockenen Stellen auf. Sonst sind Traubeneichen-Hainbuchenwälder und Rotbuchenwälder vorherrschend.
  • Eine markante Holzart ist die Schwarzkiefer. Sie wurde besonders im 18. und 19. Jahrhundert zur Harzgewinnung gepflanzt.

Der atlantische Einfluss im westlichen Teil des Wienerwaldes führt zu kühleren Sommern und höheren Niederschlägen bis circa 1.000 Millimeter. Das kontinentale Klima im östlichen Waldteil sorgt für wärmere Sommer und Niederschläge bis circa 600 Millimeter.

Schutzgebiet

Ein Buchenblatt

Der Großteil der Wienerwaldfläche zählt zum Landschaftsschutzgebiet. Der Lainzer Tiergarten, ein Teil des Wienerwaldes, ist ein Naturschutzgebiet.

Die Stadt Wien besitzt im Gebiet des Wienerwaldes acht Naturwaldreservate mit einer Gesamtfläche von insgesamt 180 Hektar. Im ganzen Wienerwald kann sich in 37 Kernzonen mit über 5.000 Hektar der Wald ohne Einfluss des Menschen entwickeln. In Wien liegen 300 Hektar Wald in sieben Kernzonen.

Der Lainzer Tiergarten und das Gütenbachtal sind Natura 2000 Gebiete.

Besitzverhältnisse

Rund 48 Prozent des Wienerwaldes sind im Eigentum der Österreichischen Bundesforste. Sechs Prozent befinden sich im Besitz der Stadt Wien. Die restliche Fläche teilen sich mehrere Klöster (Heiligenkreuz, Klosterneuburg, Lilienfeld), Wienerwaldgemeinden und eine große Zahl von privaten Waldbesitzern.

Geschichte

Blick aus dem Wienerwald zwischen zwei Holzstapeln

Bereits die Römer nutzten den Wienerwald. Sie nannten das Gebiet "mons cetium". Der Hauptanteil des heutigen Wienerwalds wurde im 11. Jahrhundert an die Babenberger verliehen und diente als landesfürstliches Jagdgebiet. Die erste lateinische Bezeichnung "silva Viennensis" ist urkundlich im Jahre 1332 erwähnt. Die deutsche Namensform "Wienner Waldt" findet man erstmals im Jahre 1368. Lange Zeit hatte der Wald vor allem Bedeutung als Brennholzlieferant sowie als Lieferant von Bau- und Werkholz und Holzkohle für die aufstrebende Stadt Wien. Im 17. Jahrhundert stieg die Nachfrage nach Kohlholz. An Wienerwald-Straßen wurden daraufhin "Mautstellen" eingerichtet, um Holzdiebstahl zu verhindern.

Mit der Industrialisierung im 18. und 19. Jahrhundert stieg der Holzbedarf weiter. Es wurde besonderes Augenmerk auf eine sorgfältige Waldwirtschaft und Aufforstung abgeholzter Gebiete gelegt (allgemeine landesfürstliche Waldordnung von 1785). Von 1811 bis 1857 stand der Wienerwald unter einheitlicher Planung und Leitung. Das hatte eine deutliche Verbesserung des Waldzustandes zur Folge. Mit Beginn des 19. Jahrhunderts wurde der Wienerwald zum beliebten Ausflugsziel. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab der kaiserliche Hof große Teile des Wienerwaldes an Schlägerungsfirmen zur Abholzung frei, um die Kassen zu füllen. Erst nach einer mehrjährigen Medienkampagne gelang es Josef Schöffel, Bürgermeister von Mödling, die Schlägerungen zu stoppen.

Im Zweiten Weltkrieg wurden die Wälder durch Kampfhandlungen beschädigt: Schützengräben, Panzerfahrten, Bombenabwürfe, Granatensplitter im Holz. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es große Verluste an Waldflächen durch illegale Siedlungen von Obdachlosen. Erst ab 1955 erholte der Wald sich langsam. Heute zählt der Wienerwald zu einem der beliebtesten Naherholungsziele Wiens.

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Forstamt und Landwirtschaftsbetrieb der Stadt Wien (Magistratsabteilung 49)
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