Römische und mittelalterliche Abwassersysteme

Römischer Kanaldeckel

Römischer Kanaldeckel des Standlagers Vindobona

Die Geschichte der Kanalisation in Wien kann bis zum Römischen Militärlager Vindobona zurückverfolgt werden, das am westlichen Ufer des heutigen Donaukanals gelegen war. Die nordwestliche Begrenzung des römischen Kastells bildete der Tiefe Graben, welcher noch bis zum Mittelalter vom Ottakringer Bach durchflossen war. Der Ottakringer Bach teilte das Kastell in zwei Entwässerungsgebiete auf.

Das für damalige Verhältnisse modern anmutende Kanalsystem in Vindobona wurde durch die XIII. Legion im Jahre 100 nach Christus errichtet und in Folge von der XIV. und X. Legion erhalten und erweitert.

Römische Bauweise

Die Kanalsohle ("Kanalboden") bestand meistens aus Dachziegeln, die "verkehrt" (mit den beiden seitlichen Wülsten nach oben) verlegt wurden, manchmal auch aus einer Art "Beton". Die Abdeckungen der meist quadratisch oder rechteckig ausgeführten Kanäle wurden mit fünf bis 15 Zentimeter dicken Steinplatten ausgeführt.

Für kleinere Kanäle wurden Tonrohre in Form eines Kegelstutzens mit einem Durchmesser von rund 20 Zentimetern angefertigt. Die einzelnen Tonrohre wurden dabei ineinandergesteckt und so zu einer Leitung zusammengebaut. Das Niederschlagswasser wurde durch steinerne Einlaufgitter in die Kanäle eingeleitet. Die Gitter waren aus circa zehn Zentimeter dicken quadratischen Steinplatten gefertigt und sternförmig mit rosettenartigen Öffnungen versehen.

Verfall im Mittelalter

Mit Beginn der Völkerwanderung Ende des 4. Jahrhunderts endete die erste Phase der Kanalisation. Der hohe römische Standard geriet in Vergessenheit. Im Mittelalter war Wien, gemessen an seinem hygienischen Standard, eine typisch europäische Stadt. Nicht nur der Hausmüll, auch der Abfall vieler Handwerkszünfte jener Zeit landete entweder auf der Straße oder im nächsten Bach. Erst bei Hochwasser wurden die übel riechenden Restbestände in die nahe gelegene Donau geschwemmt. Die Folgen waren regelmäßige Epidemien und Seuchen.

Mittelalterliche "Mörungen"

Eine erste urkundliche Erwähnung für eine Kanalisation im Mittelalter fand man am 1882 umgebauten "Thonethaus" in der Brandstätte 2. Darauf wird auf eine 1388 erbaute Mörung, dem Vorläufer der Kanäle, hingewiesen. Aus dem Jahr 1445 vorhandene Stadtrechnungen bekunden gleichfalls den Bestand größerer Mörungen, die dem Bestreben dienten, die Abwässer möglichst rasch von den Wohnstätten wegzuschaffen.

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