Kanalisation in der Neuzeit

Historische Ansicht des Wienflusses vor der Karlskirche

Noch Anfang des 19. Jahrhunderts war der Wienfluss am Karlsplatz nicht reguliert.

Durch die rege Bautätigkeit nach der zweiten Türkenbelagerung 1683 entwickelte sich auch das Kanalnetz der Stadt stetig weiter. Neu errichtete Gebäude erhielten großteils einen Anschluss an die städtischen Straßenkanäle. Dem zufolge übernahm Wien im 18. Jahrhundert eine Vorreiterrolle in ganz Europa. 1739 war Wien die einzige Stadt, die innerhalb der Stadtmauern vollständig kanalisiert war.


Stich der überfluteten Stadt

Hochwasser 1830

Andere Städte der gleichen Größenordnung begannen mit diesem Vorhaben erst Jahrzehnte später. Trotzdem suchten die Stadt immer wieder tödliche Seuchen heim. Denn die Bewohnerinnen und Bewohner der Vorstädte Wiens leiteten nicht nur ihre Abfälle in die offen fließenden Wienerwaldbäche, sondern nutzten die verschmutzten Gewässer auch zum Waschen und nahe liegende Brunnenstuben zur Gewinnung von Trinkwasser.

Der traurige Höhepunkt wurde im Jahr 1830 erreicht, als ein ungewöhnlich großer Eisstoß auf der Donau das Übertreten der Vorstadtbäche verursachte. Die folgende Choleraepidemie forderte über 2.000 Tote.


Kanalisierungswelle

Schwarz-Weiß-Bild der Bauarbeiten am Entsorgungskanal

Kaiser Franz I. und seine Gattin Carola Augusta besichtigen 1832 den Fortschritt der Arbeiten am Entsorgungskanal ("Cholerakanäle") vor der Karlskirche.

Sofort nach dieser Katastrophe entschloss man sich, sukzessive alle wichtigen Bäche im Stadtgebiet einzuwölben. Zusätzlich wurden zwei große Sammelkanäle errichtet, die parallel zum Wienfluss die Abwässer aufnahmen und in die Donau einleiteten (Wienfluss-Sammelkanäle, "Cholera-Sammelkanäle"). Bereits 1850 verfügte Wien über ein gut funktionierendes Kanalsystem.


Historische Ansicht des Karlsplatzes

Wienfluss-Einwölbung am Karlsplatz 1898

Nach dem Abriss der Stadtmauern und des Linienwalls 1890 und der Eingemeindung von 33 Vororten wurde eine umfassende und einheitliche Stadtplanung möglich. 1893 und 1894 begann man links und rechts entlang des Donaukanals weitere große Sammelkanäle zu bauen.

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