Kanalisation im 20. Jahrhundert

Bis einschließlich des Jahres 1914, vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges, ist ein ständiger Ausbau des Kanalbaus zu beobachten. Die Länge des Wiener Kanalnetzes betrug zu diesem Zeitpunkt mehr als 900 Kilometer an Straßenkanälen.

Zufluchtsort Kanal

Kanalräumer 1945

In dieser Zeit bekam der Kanal neue Bewohner: die Strotter, unterstandslose Menschen, die den Kanal als Schlaf-, Wohnquartier und Arbeitsplatz nützten. Sie suchten nach Wertgegenständen, andere fischten das Fett ab und suchten Knochen, um sie an Leim- oder Seifensieder zu verkaufen, um so sich und ihre Familien über die Runden zu bringen.

Nach dem Zerfall der Monarchie 1918 war der Ausbau des Wiener Kanalnetzes bis 1938 vor allem durch die wirtschaftliche Situation geprägt. Der Schwerpunkt der Bauarbeiten lag in der Erschließung der neuen städtischen Wohnbauten und in der Sanierung alter Ziegelkanäle.


Bombenschäden

Der Beginn des Zweiten Weltkrieges im Jahr 1939 erzwang eine neue Einschränkung der Kanalbautätigkeit, die an seinem Ende im Jahr 1945 auf nahezu Null herabsank. Der im Jahr 1944 einsetzende Bombenkrieg hat auch die Wiener Kanalisation stark in Mitleidenschaft gezogen. Insgesamt wurden mehr als 1.700 Schäden am Kanalnetz durch Bombentreffer verzeichnet. Die Instandsetzung der Schäden dauerte bis 1950. Es ist vermutlich großes Glück, dass Wien trotz dieser Schäden am Abwassersystem seuchenfrei blieb.

"Der Dritte Mann"

Die Überfallkammer diente als Filmschauplatz des Klassikers "Der Dritte Mann" im Nachkriegs-Wien

Genau in diese Zeit, als Wien eine zerstörte Stadt war, wo Hunger, Kälte und florierender Schwarzhandel das Stadtbild prägten, siedelte der Drehbuchautor Graham Greene in diesem Szenario eine spannende Geschichte über illegalen Penicillinhandel an, die in der Verfilmung von Regisseur Carol Reed mit Hauptdarsteller Orson Welles alias Harry Lime um die Welt ging.

Der Film ist eine höchst authentische Dokumentation des Nachkriegs-Wien als Mikrokosmos der Weltpolitik zur Zeit des Kalten Krieges.

Briefmarke mit gemalten Filmplakat

Sonderbriefmarke anlässlich "60 Jahre 'Der Dritte Mann'"

Zwei Elemente dieses Streifens faszinieren das Publikum bis heute: der Evergreen "Harry-Lime-Theme" des österreichischen Zitherspielers Anton Karas und die Verfolgungsjagd in der Kulisse des Wiener Kanalnetzes.

Die Original-Drehorte im Wiener Kanalsystem können auf geführten Touren besichtigt werden.

Weiterführende Informationen

Verantwortlich für diese Seite:
Wien Kanal (WKN)
Kontaktformular