Kanal-Maßnahmenpaket für Simmering

Ein Kanal-Maßnahmenpaket in der Höhe von 30 Millionen Euro schützt Simmering vor Starkregenereignissen. In einem Zusammenspiel großer Speicher sollen künftig die Wassermassen bei Regenwetter zurückgehalten werden.

Plakatsujet Wien Kanal: Puzzleteile auf denen Kanalbau-Maßnahmen zu lesen sind.

Ein Zusammenspiel von Speichern und Kanälen soll Simmering bei Starkregenereignissen schützen.

In den kommenden Jahren werden Speicher für Starkregenereignisse geschaffen, bei denen Simmering als topografisch tiefster Punkt der Stadt immer wieder massiv betroffen ist. Wien reagiert damit auf die Folgen des Klimawandels, der extreme Wetterkapriolen und Starkregenereignisse mit sich bringt.

Kein Kanalnetz der Welt kann ein hundertjähriges Regenereignis bewältigen. Wien Kanal arbeitet laufend an weiteren Optimierungen des Kanalsystems. In den Kanälen in Wien werden schon heute rund 95 Prozent des Regenwassers transportiert.

Speicherkapazität für 80 Millionen Liter Regenwasser

Insgesamt wird in den kommenden drei bis vier Jahren rund 55 Millionen Liter Speichervolumen in drei Etappen geschaffen. Die Gesamtkosten für die Speicherbauwerke betragen 30 Millionen Euro. Gemeinsam mit den bereits aktivierten Stauräumen im Liesingtal stehen nach Fertigstellung der einzelnen Maßnahmen rund 80 Millionen Liter Speicherkapazität zur Verfügung. Das entspricht der Wassermenge von 50 Mehrzweckbecken in der Größe des Simmeringer Bades.

Speicherbecken unter dem Sportplatz

Skizze des Bauprojekts Speicher Simmering unter dem Sportplatz.

Der Sportplatz in Haidestraße bietet dank seiner Lage den idealen Standort für den Speicher.

Ein neues Speicherbecken und zwei Transportkanäle sind notwendig, um im Verbund mit dem bestehenden Kanalnetz zukünftig Starkregenereignisse vor Simmering abzufedern. Die größte Etappe stellt dabei die Errichtung des Speicherbeckens Simmering mit den beiden Transportkanälen "Unter der Kirche" und "Florian-Hedorfer-Straße" beziehungsweise "Lindenbauergasse" dar. Als Standort für den Speicher haben die Kanalplaner mit dem Sportplatz in der Haidestraße 10 den idealen Standort gefunden. An einem topografischen Tiefpunkt des Bezirks wird hier das 120 Meter lange, 45 Meter breite und vier Meter tiefe Becken untergebracht. Unmittelbar unter dem Hauptspielfeld werden bei Regenwetter bis zu 22,5 Millionen Liter Wasser zwischengespeichert.

Um das Becken nach einem Regenereignis zu entleeren und wieder vorzubereiten, sorgen zwei Pumpen für eine rasche Entleerung. Mit einer Förderleistung von 300 Litern pro Sekunde ist das Becken bereits nach rund 20 Stunden für den nächsten Starkregen bereit.

Die beiden neuen Transportkanäle, die an das Speicherbecken angeschlossen sind, verfügen mit einem Durchmesser von zwei Metern und einer Länge von zwei Kilometern über ein zusätzliches Fassungsvermögen von sechs Millionen Liter Regenwasser. Die Kanäle verlaufen dabei quer durch Simmering. Um überhaupt Platz im verbauten Gebiet zu schaffen, müssen zahlreiche Einbauten umgelegt werden. Die eigentlichen Kanalbauarbeiten werden unterirdisch, also möglichst aufgrabungsfrei, hergestellt. Die Planungen werden 2012 abgeschlossen. Die Bauarbeiten beginnen 2013 und werden rund zwei Jahre dauern. Die Gesamtkosten für diesen Stauabschnitt betragen rund 24 Millionen Euro.

Sportplatz im Zuge der Kanalbauarbeiten saniert

Große Erwartungen werden in den Maßnahmenkatalog von Wien Kanal nicht nur bezüglich des Überflutungsschutzes in Simmering gesetzt. Durch die Standortwahl sollen auch Synergien erzielt werden.

Im Zuge der Baumaßnahmen wird der Sportplatz saniert. Das Hauptspielfeld erhält einen neuen Kunstrasen, das kleinere Spielfeld einen Naturrasen. Nicht nur dadurch erstrahlt die Anlage in neuem Licht. Auch eine moderne Flutlichtanlage sorgt für ideale Spielbedingungen bei jeder Jahres- und Tageszeit.

Speicherbecken Blumental für 3000 Liter pro Sekunde

Skizze des Bauprojekts Speicherbecken Blumental.

Das Speicherbecken Blumental nutzt die Becken der ehemaligen Kläranlage Blumental im 23. Bezirk.

Insgesamt 20 Quadratkilometer und drei Bezirke umfasst das Betrachtungsgebiet zum Überflutungsschutz für Simmering. Das Liesingtal spielt dabei eine bedeutende Rolle, fließen doch von dort bei Niederschlägen große Mengen an Mischwasser zur Hauptkläranlage nach Simmering. Deshalb war es den Technikern von Wien Kanal wichtig, auch an der "Quelle" Maßnahmen zur Wasserrückhaltung zu treffen. Hier bot sich die Nutzung der ehemaligen Kläranlage Blumental im 23. Bezirk als Speicherbecken hervorragend an. Die beiden Rundbecken der ehemaligen Kläranlage verfügen über ein Fassungsvermögen von acht Millionen Liter, die der ehemaligen Nachklärbecken über zwölf Millionen Liter. Insgesamt 20 Millionen Liter Speichervolumen werden damit in die Speicherkette eingebunden und können im Regenwetterfall mit 3.000 Liter pro Sekunde befüllt werden. Dadurch kann das Kanalnetz in Simmering im Fall von Starkregenereignissen erheblich entlastet und der Schutz gegen Überflutungen erhöht werden.

Mit den Arbeiten soll noch heuer im Dezember begonnen werden, die Bauzeit beträgt rund sieben Monate. Die voraussichtlichen Kosten belaufen sich auf 3,5 Millionen Euro.

Bisherige Maßnahmen zeigten Wirkung

Skizze des Projektteils Sammelkanal "Unter der Kirche".

Der Sammelkanal verläuft von der Kaiserebersdorfer Straße bis zum neuen Speicherbecken Haidenstraße.

Im vergangenen Jahr hat Wien Kanal weitere wichtige Bausteine zur Optimierung des Überflutungsschutzes in Simmering abgeschlossen. So zum Beispiel den Ausbau des Schmutzwasserpumpwerks Kaiserebersdorf, das mit einer zusätzlichen Schneckenpumpe ausgerüstet wurde. Damit können bis zu 6.700 Liter Abwasser pro Sekunde, um 1.300 Liter mehr als bisher, zur ebswien hauptkläranlage gepumpt und einer Reinigung zugeführt werden. Die Entlastungsmöglichkeit über das Regenwasser-Hebewerk Kaiserebersdorf wurde ebenfalls gesteigert. Um das Abflussvermögen aus Simmering im Falle eines Extremereignisses zu steigern, wurde die Förderleistung um 4.000 Liter pro Sekunde auf 16.000 Liter pro Sekunde erhöht.

Überflutungsschutz über die Bezirksgrenzen hinaus

Skizze eines Projektteils Kanal unter der Straße.

Bei einem Regenereignis kann eine Stauraumkapazität von 17 Millionen Litern aktiviert werden.

Mit dem Maßnahmenpaket wird auch im Liesingtal ein verbesserter Überflutungsschutz aus dem Kanalnetz gewährleistet. Der Liesingtal-Entlastungskanal schließt im Bereich der Klederinger Brücke an den bestehenden Liesingtal-Sammelkanal an und führt stromaufwärts bis zur ehemaligen Kläranlage Blumental. Der Stauraumkanal ist 5,3 Kilometer lang und auf die gesamte Länge mit einem Durchmesser von 2,4 Meter ausgestattet. Über Trennbauwerke sind die im Einzugsgebiet liegenden Regenwasserkanäle des 10. und 11. Bezirkes an den Liesingtal Entlastungskanal angeschlossen.

Bei einem Regenereignis kann der Liesingtal Entlastungskanal mit Hilfe von zehn Regulierbauwerken in eine kaskadenförmige Stauraumkette unterteilt und damit eine Stauraumkapazität von circa 17 Millionen Litern aktiviert werden. Bei einem herkömmlichen Regenereignis wird die Stauraumkette in erster Linie genutzt, um den aus den Regenwasserkanälen kommenden Spülstoß aufzufangen und nach dem Niederschlagsereignis einer Reinigung durch die ebswien hauptkläranlage zuzuführen. Bei Extremereignissen werden die Trennbauwerke jedoch unmittelbar verschlossen. Der Liesingtal Entlastungskanal steht dann mit seiner gesamten Stauraumkapazität zur Rückhaltung der aus dem Bereich Blumental ankommenden Mischwässer zur Verfügung.

Die Gesamtheit der Maßnahmen stellt sicher, dass der Zulauf aus den umliegenden Gebieten nach Simmering für circa zwei Stunden zurückgehalten werden kann. Trotz aller Anstrengungen und zukunftsweisenden Maßnahmen bleibt ein Restrisiko bestehen. Jahrhundertereignisse wie das vom 13. August 2010 können zwar abgeschwächt, aber nicht zur Gänze verhindert werden.

Selbstschutz gegen Überflutungen

Neben allen Maßnahmen der Stadt sind auch Hauseigentümerinnen und -eigentümer gefordert, ihre Hauskanalisation auf fachgerechte Ausführung und ordentliche Funktion zu überprüfen. Denn nur ein ordnungsgemäß funktionierender Hauskanal kann im Fall der Fälle einen Keller vor Überflutungen schützen.

Wien Kanal sendet dazu jährlich ein Informationsblatt an alle Hauseigentümerinnen und -eigentümer aus. Das Infoblatt ist auch im Internet abrufbar: Schutz des Kellers vor Überflutungen

Verantwortlich für diese Seite:
Wien Kanal (WKN)
Kontaktformular