Asperner Sammelkanal Entlaster in Bau
Bis 2013 baut Wien Kanal an einer neuen Hauptschlagader der Abwasserentsorgung im 22. Bezirk. Der Tunnelanstich für den neuen Asperner Sammelkanal Entlaster (ASKE) erfolgte am 19. Mai 2011.
Die Abwässer bestehender Siedlungsgebiete und zukünftiger Stadtentwicklungsflächen in Aspern sollen über den neuen Superkanal sicher und umweltfreundlich zur ebswien hauptkläranlage transportiert werden.
Hightech für Aspern
Mittels modernster unterirdischer Bohr- und Presstechnik wird derzeit ein 1,7 Kilometer langer Rohrkanal unter dem Biberhaufenweg neben der bestehenden Kanalisation errichtet. Der Durchmesser des neuen Kanals beträgt 1,8 Meter. Am Tiefpunkt des Kanals, in der Raffineriestraße, sorgt ein neues Pumpwerk für die Weiterleitung der Abwässer in Richtung Kläranlage. Die Arbeiten werden rund 2,5 Jahre dauern. Die Fertigstellung ist für Sommer 2013 geplant. Die Gesamtbaukosten dieses Superkanals liegen bei 18,6 Millionen Euro. Nach seiner Fertigstellung kann der Kanal bis zu 4.500 Liter Abwasser pro Sekunde transportieren.
Die Kanalisation der umliegenden Gebiete wird künftig im Teilmischsystem betrieben. Das heißt, dass nicht beeinträchtigtes Niederschlagswasser wie Dachwasser aus ökologischen Gründen nicht in die Kanalisation eingeleitet wird, sondern an Ort und Stelle versickert und seinem natürlichen Kreislauf zugeführt wird.
14 Kanalbauprojekte in der Donaustadt
Der Asperner Sammelkanal Entlaster stellt das größte und teuerste von insgesamt 14 Kanalbauprojekten in der Donaustadt dar, für die mit einem Investitionsprogramm 2009 der Startschuss gegeben wurde. Das Investitionsprogramm mit einem Bauvolumen von 76 Millionen Euro wurde 2009 in einer wirtschaftlich besonders schwierigen Zeit geschnürt und war ein wichtiger Impuls für die Bauwirtschaft.
Der neue Kanal garantiert, dass neben der Aufschließung bestehender Siedlungen auch die Abwässer aus zukünftigen Stadtentwicklungsgebieten problemlos entsorgt werden. Alleine die Flächen der geplanten Seestadt Aspern sind so groß wie der 7. und 8. Wiener Gemeindebezirk.
Hohe Anforderungen an Planung
Neben dem Schmutzwasser aus Haushalt und Gewerbe werden in den ASKE auch die belasteten Straßenabwässer der neu anzuschließenden Gebiete eingeleitet. Dieser Umstand stellt eine besondere Herausforderung für die Kanalplanung dar. Ziel war es, eine leistungsfähige und gleichzeitig wirtschaftliche Dimensionierung des Kanals zu finden. Dazu bedienen sich die Spezialistinnen und Spezialisten von Wien Kanal modernster, komplexer hydrodynamischer Abflusssimulationen. Indem verschiedenste Ausbauvarianten mit unterschiedlichsten Niederschlagssituationen überlagert werden, erhält man Abflussszenarien und erkennt sofort die Auswirkungen auf das betrachtete Kanalnetz. Alleine aus dem Einzugsgebiet des Asperner Sammelkanal Entlaster wird nach den Berechnungen von Wien Kanal bei Trockenwetter ein Spitzenabfluss von mehr als 300 Litern pro Sekunde aus Haushalt und Gewerbe abgeleitet. Bei Regenwetter muss der neue Transportkanal mit einem Vielfachen dieser Menge fertig werden. Ohne Kanalnetz würde diese Abwassermenge alle paar Sekunden einen Tankwagen füllen.
Die Planerinnen und Planer von Wien Kanal setzen in Zukunft auch auf Hightech im Kanal. Kanalnetzbewirtschaftung, also die Steuerung der Wasserströme, gewinnt angesichts der weltweiten Wetterkapriolen immer mehr an Bedeutung. Mit Geschwindigkeitssensoren und Ultraschallpegel kann in Echtzeit die Wassermenge im Kanal bestimmt werden. Damit können das neue Pumpwerk und die Regulierschieber in den Verbindungsbauwerken zwischen altem und neuem Kanal gezielt gesteuert werden. Ziel der Kanalplanung ist, durch Steuerungsmaßnahmen auch bei Niederschlägen eine gleichmäßige Auslastung des gesamten Kanalnetzes zu erreichen.
Hydroschildmaschine bohrt Tunnelquerschnitt
Der Asperner Sammelkanal Entlaster wird mit einem unterirdischen Rohrvortriebsverfahren hergestellt. Dabei wird der rund 1,7 Kilometer lange Tunnelkanal von zwei Schächten aus aufgefahren. Mit einer sogenannten Hydroschildmaschine wird der Tunnelquerschnitt mit einem Durchmesser von 2,2 Metern gebohrt. Am Kopf der Maschine ist das gewaltige Schneidrad montiert, das für den Abbau des Bodenmaterials sorgt. Angetrieben wird die Bohrmaschine über Pressen, die mit einem Druck von bis zu 6.500 Tonnen Fertigteilrohre ins Erdreich nachschieben und so den Bohrkopf weiter vorantreiben.
Geschichte der Kanalisation in Aspern
In den Jahren 1975/1976 wurde der Asperner Sammelkanal als Schmutzwasserkanal für das GM-Werk in Aspern errichtet. Damit der Kanal die beiden Altarme der Donau, das Mühlwasser und die Alte Naufahrt unterqueren konnte, wurden damals zwei Pumpwerke am Schilfweg und Steinspornweg errichtet. Durch den Anschluss von rund 1.200 Haushalten an das öffentliche Kanalnetz, die bisher über Senkgruben entsorgt wurden sowie die bevorstehende Erschließung des ehemaligen Flugfeldes Aspern, wurde ein Ausbau des bisherigen Sammelkanals erforderlich.
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