Fritz Senger (Radio-Fernsehmacher)

Produktionsdatum:

2011


Epoche:

unbekannt


Copyright:

Stadt Wien


Wir und Wien - Erinnerungen Seine Liebe zu Rundfunk und Fernsehen wurde dem österreichischen Medienpionier Fritz Senger fast schon in die Wiege gelegt: Senger erblickte nicht nur im selben Jahr das Licht der Welt wie die RAVAG, Österreichs erste Rundfunkanstalt, sein Vater war auch stolzer Besitzer eines der ersten Rundfunkapparate Wiens. Schmunzelnd erinnert sich Fritz Senger an die technischen Herausforderungen, die die ersten Radios für ihre Besitzer mit sich brachten, und erzählt, welche innovativen Ideen sein Vater schon Mitte der 1920er Jahre hatte.

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FRITZ SENGER
Radio-Fernsehmacher


Das Licht der Welt erblickt hab’ ich eigentlich in Döbling, im Rudolfinerhaus, aber unmittelbar danach hat man mich – das heißt, meine Eltern – haben mich in die Nähe des Karlsplatzes, in den 4. Bezirk gebracht. Dort sind wir aber – ich kann mich nicht genau erinnern daran – nicht sehr lang geblieben. Etwas spätern waren wir dann in der Reuenthalgasse. Das ist dort, wo heute die Stadthalle steht. Und dort war ich bis zu meinem 6. Lebensjahr. Von dort sind wir dann übersiedelt in die unmittelbare Nähe von Schönbrunn, am Tivoli, hat das damals geheißen: Gartenstadtamt Tivoli. Das heißt, zu unserer Wohnung hat auch ein kleiner Garten gehört und mein Vater hat sich da plötzlich als Gärtner entwickelt und hat also Zierbäume gepflanzt. Und ich habe dann dort begonnen in die Schule zu gehen. Und irgendwie war das Ganze ja so schon vorprogrammiert – mein weiteres Leben, auf das wir dann noch zurückkommen werden vielleicht. Ich bin dann in die Schule gegangen, in die Singrienergasse – just in das Gebäude, wo ich in die erste Klasse Volksschule gegangen bin, wo wir dann eigentlich mit dem Fernsehen begonnen haben. Also, mein Leben hat also immer schon begonnen mit dem Rundfunk und mit dem Fernsehen, deshalb, weil der Rundfunk wurde mir vielleicht schon in die Wiege gelegt. Denn schon im Jahre 1925 hatte sich mein Vater angemeldet beim damals neu gegründeten Rundfunk. Der ist gleichzeitig mit mir, 1924, auf die Welt gekommen, wurde die RAVAG gegründet - Radio-Verkehrs-Aktiengesellschaft hat das damals geheißen. Und mein Vater hat damals schon den ersten Rundfunkapparat gehabt. Das war ein Detektor – wer sich an so was erinnern kann. Das war so eine – ich bin ja kein Techniker – ein Kristall, wo man mit einer Nadel darin gesucht hat, bis man einen guten Empfang gekriegt hat und mit Kopfhörern konnte man dann zuhören. Aber schon kurz danach – wir waren noch immer in der Reuenthalgasse… Ich sag’ das deswegen, weil wir nur bis zu meinem 6. Lebensjahr dort waren… Hat mein Vater mit Hilfe eines Freundes den ersten Radioapparat gebastelt, der dann schon einen überdimensionierten Lautsprecher hatte. Nicht, dass der so laut gegangen ist, aber so groß war er halt, ja. Gut, von dort sind wir dann in die Nähe von Schönbrunn, wie ich das schon erwähnt habe. Und dort hat mein Schulweg begonnen in der Singrienergasse. Nach der Volksschule ist also das Gymnasium gekommen und während dieser Zeit des Gymnasiums – wobei ich also zunächst eine sehr schöne Jugend hatte – aber in der Zeit des Gymnasiums ist es dann leider schon der große Weltkrieg ausgebrochen. Der – natürlich, das kann man sich leicht ausrechnen – an mir nicht vorüber gegangen ist. Man hat mich praktisch von der Schulbank weg eingezogen in die so genannte deutsche Wehrmacht. Das war eine sehr aufwendige und schwierige Zeit, wobei ich natürlich das unglaubliche – natürlich ist übertrieben – aber das unglaubliche Glück gehabt habe, nicht an die Front zu müssen. Durch eine Reihe von Zufällen, die man hier nicht im Detail erklären kann, hatte ich das Glück als Fernschreiber ausgebildet zu werden. Und in einem Zeitraum, wo das Generalkommando in Wien ganz dringend einen Fernschreiber gebraucht hat, war ich der einzige verfügbare in Wien. Und so bin ich ins Generalkommando gekommen – nicht als General selbst – Offizier, also ohne rote Lampasse an der Hose, aber immerhin im Generalstab. Ich war in der Fernschreibstelle tätig als ausgebildeter Fernschreiber. War ganz lustig unter lauter Damen – das waren ja lauter Damen. Aber dort nicht Nachrichtenhelferinnen, sondern Zivilistinnen, ja. Und die haben mich aber sehr schützend aufgenommen – ich bin dann sehr perfekt geworden im Schreiben. Das ist ein bisschen negativ auch ausgegangen, deswegen, weil in der Nacht zum 20. Juli – zum berühmten 20 Juli, des Stauffenberg-Attentats auf den Hitler – war ich im Nachtdienst. Und während dieser Zeit war ich verbunden mit dem Oberkommando der Wehrmacht in Berlin und habe über meinen Fernschreiber – die Damen haben das übrigens auch gekriegt – einen Teil der Befehle bekommen, die von der Widerstandsbewegung des Stauffenberg nun ausgegeben wurden gegen das Regime des Adolf Hitler. Das ist aber, wie man weiß, zusammengebrochen und während ich noch Verbindung hatte mit Berlin… Die Sache ist ja so, dass man interessanterweise auch ohne das man einander kennt, eine persönliche Beziehung aufbaut zwischen Wien und dem Partner, der in Berlin am Fernschreiber sitzt. Das war in dem Fall auch eine Dame die dort war. Und die hat mir, was auch verboten war, am Fernschreiber zwischen den einzelnen Fernschreibern dann immer mitgeteilt: "Du musst Dir vorstellen, das ist ganz schrecklich. Bei uns im Hof unten erschießen sie die Leute." Ja, das war also der 20. Juli 1944, der also für mich deswegen noch ein bissl kompliziert wurde weil ich bin nach diesem Nachtdienst nach Hause gegangen – ich hatte ja den Vorzug als im Generalstab tätig zu sein, zu Hause zu schlafen, weil ich ja in Wien die Dienststelle hatte. Man hat mich von zu Hause wieder geholt in der Früh, musste wieder ins Generalkommando, bin dort von einigen Offizieren vernommen wurden, die mir dann vorgeworfen haben: "Sagen sie einmal, wie kommen sie eigentlich dazu, dass den Haftbefehl für den Baldur von Schirach", der der Gauleiter von Wien war "den Haftbefehl zu unterschreiben?" Ich hab also nur ganz reagiert darauf, indem ich gesagt hab: "Das weiß ich gar nicht, dass ich den Haftbefehl unterschrieben habe." "Na ja natürlich! Schauen’s her, wir können Ihnen das ja zeigen. Hier liegt ja noch das Fernschreiben, dass ist ihre Paraphe da drunter…" Sag ich: "Ja natürlich." Also ein fürchterliches Theater, ich war schon unmittelbar vor der Verhaftung und da ist ja der dortige Chef, unser Chef des Nachrichtendienstes, der Hauptmann Razek gekommen, hat gesagt: "Was ist da? Was machen Sie mit meinem Soldaten?" Haben die das gesagt. Er hat darauf gesagt: "Na passen’s auf. Wenn der sagt, er weiß nicht was drinnen gestanden ist, dann hat er Recht. Und das ist doch seine Aufgabe. Wo kämen wir hin wenn jeder der am Fernschreiber sitzt, überprüft welcher Inhalt in einem Fernschreiben drinnen ist und welche Befehle das sind. Er hat zu schauen, dass das technisch in Ordnung ist, aber alles andere geht ihn nicht an." Das war eigentlich für mich die Rettung, sonst hätte man mich möglicherweise ganz schnell in die so genannte Strafkompanie geschickt.

Dieses Verhör von den Wehrmachtsoffizieren war noch insofern folgewirksam weil mein Vater, der ja in seinem Zivilberuf bei den städtischen Gaswerken angestellt war, glücklicherweise nicht einberufen war zu diesem Zeit, als er auch in Wien war. Meine Mutter war damals Vorstand einer Bankfiliale und so konnte ich also immer zu Hause schlafen. Und meine Welt war natürlich entsetzt, als man mich abgeholt hat, also wegen diesem Vorfall. Das hat sich dann nachträglich besonders schwierig ausgewirkt, als man etwas später meinen Vater, der wie ich erst später erfahren habe, in irgendeiner Form bei der Widerstandsbewegung engagiert war, ohne dass man mich eingeweiht hat aus guten Gründen. Hatte man meinen Vater von der GESTAPO verhaftet und abgeführt. Und das in einem Zeitpunkt, wo ich im Generalstab tätig war. Und man hatte den Kriminalbeamten oder einen GESTAPO-Beamten in die Wohnung zu mir nach Hause geschickt und meine Mutter war also unmittelbar vor dem Herzinfarkt. Es hat aber die Intervention eines mehr oder weniger prominenten Nationalsozialisten gegeben, der persönlicher Bekannter war, der dann erreicht hat, dass man meinen Vater wieder frei gelassen hat. Seinen Kollegen allerdings, der ein sehr berühmter Arzt nach dem Krieg geworden ist, hat man nach Buchenwald transportiert. Er hat aber glücklicherweise überlebt.

Ja, ich bin also dann trotzdem im Generalstab geblieben bis ich – da es ja damals in Wien schon begonnen hat, die Bomben zu kriegen, Bombenangriffe zu haben – war ich in der Philharmonikerstraße in einem tiefen Keller unten. Das war ein Volltreffer und zwar an dem Tag, an dem die Oper zerstört wurde. Und da hab’ ich eine leichte Verletzung erlitten und die hat man nicht beobachtet – Pflaster drauf, das wird schon gehen. Es ist ein bissl eitrig geworden – macht auch nix, wird schon gehen. Es ist aber dann innerhalb von zwei Tagen zu einer ganz, ganz schwierigen medizinischen Situation gekommen, wo – und ich durfte ja zu keinem Privatarzt gehen, zu einem Zivilarzt gehen – musste ich also in eine Wehrmachtsdienststelle gehen. Dort hat man sofort gesagt: "Ja, ins Lazarett." Ich werde operiert. Das war dann so, dass man festgestellt hat, es ist eine Phlegmone am linken Arm und das ist lebensgefährlich. Der Arm muss amputiert werden. Ich hab’ also natürlich also einen besseren Schreikrampf gekriegt: "Ich lass’ mich nicht amputieren." Und man hat mit mir herumgeschrieen und hat gesagt: "Wenn wir sagen, es wird amputiert, dann wird amputiert." Bis dann einer sich erbarmt hat und gesagt hat: "Jetzt holen’ s noch den Oberst-Arzt und der wird ihnen dann schon das beibringen." Also gekommen ist also ein Oberst-Arzt – ja, ich glaube, dass er Oberst-Arzt gewesen ist – hat mich angeschaut, hat gesagt: "Aha, Sie sind das?" Sag ich: "Ja." Sag ich: "Ja Herr Oberst", also und so weiter… Sagt er: "Und? Sie lassen sich nicht operieren?" Sag’ ich: "Ich lass mich schon operieren, aber von Amputation will ich also nichts wissen." Der hat in der Zwischenzeit, hat er gemerkt also, dass ich ja Wiener bin und da war er also gleich ganz freundlich. Sagt er: "Also passen’ s auf, jetzt wird’ ich ihnen einmal was sagen. Ich bin der Dr. Denk, ich bin also hier der Chefchirurg. Ich persönlich werde Sie operieren, nicht irgendein Assistent. Und ich werde Sie operieren und ich werde mir das anschauen. Sollte ich während der Operation feststellen, dass eine Amputation unumgänglich notwendig ist, werde ich Ihnen mit Schmerzmitteln, werde ich Sie aufwachen lassen und werde Ihnen sagen: Also passen’ s auf, jetzt müss’ ma amputieren. Wenn Sie aber aufwachen und sie sehen mich oder einen Arzt, dann hamma nicht amputiert." Hab ich gesagt: "Gut Herr Denk." Und so ist es passiert: Er hat mich operiert, hat mich nicht amputiert. Ich hab’ den Arm, wie man sieht, also auch heute noch. Es war eine sehr langwierige Geschichte, die letztlich aber, wie vieles in meinem Leben, mir zugute gekommen ist. Ich bin dann am 23. Dezember des Jahres 1944 vom Lazarett weg in einen Lazarettzug gelegt worden und bin 48 Stunden in dem, sitzend im Lazarettzug, mit dem frisch operierten Arm nach Weimar gefahren. Bin dort in Weimar in ein Lazarett gekommen, das ist also ein ehemaliges Gymnasium gewesen, die Sophienschule, war dort einige Tage und nach einigen Tagen ist auch dort ein Generalarzt gekommen und Inspektion: Der ist von einem Bett zum anderen gegangen. Alle haben gesagt: "Jawohl, Herr General!" Nicht? Wie das halt so üblich ist… Und wie er bei mir stehen geblieben ist, hat er gesagt: "Und? Alles in Ordnung?" Hab’ ich gesagt: "Nein, nein Herr General." Alle sind erstarrt und haben gesagt: "Was ist jetzt?" Sagt er: "Na was ist denn?" Sag’ ich: "Wir haben Wanzen." Sagt er: "Das gibt es nicht." Ja, er hat herumgeschaut. Die sind alle erbleicht, ja! Ich hab’ geglaubt, die bringen mich jetzt um, ja. Hab’ ich gesagt: "Ja wissen’ s eh. Das Angenehme ist, die sind unter dem Verband, ja." Also ich hab’ ich den Verband runter genommen – sie waren da. Das Lazarett ist geräumt worden.

Wir sind in ein anderes gelegt worden. Ich war dann bis zum Frühling 1945 in Weimar im Lazarett, bin dann zurückgekommen nach Wien. Der Krieg ist langsam zu Ende gegangen. Ich habe das Kriegsende in Wien erlebt. Ich habe dann einen Entlassungsbefund bekommen, der nicht ganz astrein gewesen ist. Der, aber wie so viele andere auch… Ich hab’ mir gedacht, jetzt bin ich schon in Wien, jetzt werd’ ich nicht wieder weg fahren - egal wohin. Ich bleib also gleich da. Bin dann nach Hause mit diesem Entlassungsschein, hab’ ich die Uniform ausgezogen und habe mich zu Hause ins Bett gelegt und hab’ gesagt: "Für mich ist wenigstens der Krieg soweit vorbei, dass ich selber nicht mehr daran teilnehmen muss."

Als man mich nach der Operation nach Weimar verlegt hat, in Lazarett, war ich dort bis zum Frühjahr 1945, bin dann zurückgekommen nach Wien, aber nicht mehr in meine Dienststelle, die es zwar noch gegeben hat, aber mich hat man damals in irgendeine Reservekompanie gesteckt. Ich hab’ dann mit verschiedenen Tricks Fotoerlaubnisse bekommen, bin fotografieren gegangen und hab’ also praktisch keinen militärischen Dienst absolviert.
Dieser Krieg ist nun zu Ende gegangen, ich bin mit nicht ganz lauteren Mitteln gleich zu Hause geblieben und habe es verabsäumt noch einmal an die Front zu gehen und habe also den Einmarsch der Russen in Wien erlebt.
Mein Vater ist in der Zwischenzeit auf der Reichsbrücke von einem vorbeiziehenden Russenkonvoi einfach mitgenommen worden und war noch einmal zwei Monate in russischer Gefangenschaft. Das heißt, ich war mit meiner Mutter alleine in Wien. Das war also nicht das Drama, dass wir allein waren, sondern dass der Vater verschwunden war, der ja schon den ersten Weltkrieg miterlebte und damals auch sechs Jahre lang in Sibirien gewesen ist. Gut, der Vater ist auch wieder einmal zurückgekommen. Und das war noch im August, Anfang August des Jahres 1945. Er hatte einen Freund getroffen: Dieser Freund war vor dem Krieg, vor dem Krieg, also und auch vor den Nationalsozialisten Aufsichtsrat der damals neu erstandenen RAVAG, der Radio-Verkehrs-Aktiengesellschaft – war er Aufsichtsrat. Und der hat nun meinen Vater gefragt, hat gesagt: "Sag einmal! Hast Du nicht einen Sohn gehabt." Hat mein Vater gesagt: "Ja." Sagt er: "Was macht denn der jetzt?" Sagt er: "Na ja, der denkt jetzt nach, was er inskribieren soll weil der ist jetzt gerade zurückgekommen. Und er wird auf die Uni gehen, aber er weiß noch nicht genau was." Sagt er: "Was hat er denn gemacht?" "Na ja", sagt er "der war eingerückt und war bei den Nachrichten." Sagt er: "Was? Bei den Nachrichten war er?" Sagt er: "Ist in Ordnung. Der soll reingehen in die RAVAG in der Argentinierstraße. Er soll zum Generaldirektor Czeija gehen, ich werde ihn anrufen, weil das ist ein guter Freund von mir. Und die suchen Leute – es gibt keine – und wenn er eine Vorbildung hat im Nachrichtenwesen, werden ihn die brauchen können." Hat er gesagt. "Na gut, das ist ganz gut." Es ist eine große Arbeitslosigkeit ja gewesen nach dem Krieg. Ich bin da also hineingegangen, bin also dann als kleines Männchen hinaufgegangen in die Generaldirektion zum Generaldirektor Czeija. Der ist patriarchalisch hinter einem großen Schreibtisch im dritten Stock gesessen, hat mich angeschaut von oben bis unten. "Ah", sagt er, "Sie sind das, wo der angerufen hat." Sag’ ich: "Ja." Sagt er – er war ein so ein Patriarch: "Setz Dich nieder." Also gut, hab’ ich mich nieder gesetzt. Sagt er: "Schön! Was willst denn eigentlich machen?" Sag’ ich: "Herr Generaldirektor, ich weiß nicht. Ich bin hierher geschickt worden." "Aja ich weiß schon. Dich haben sie ja geschickt – ist in Ordnung." "Wieso?" Sagt er: "Was kannst denn?" Hab’ ich gesagt: "Na ja, ich war jetzt bei der Wehrmacht." Sagt er: "Aha i siech schon – also nix." Sag’ ich: "Ja bitte, na ja ich will ja eigentlich erst inskribieren." Sagt er: "Was willst denn?" Sag’ ich: "Ich überlege, ob ich Technik inskribieren soll, weil ich war bei den Nachrichten. Aber ich bin nicht so ganz sicher." Sagt er: "Pass auf! Du wirst ja sicher ein bissl ein Geld brauchen. Da gehst Du, meldest Dich also am kommenden Montag beim Vorstand Müller in der technischen Verwaltung und dort wirst einmal arbeiten. Und wenn Du tüchtig bist, dann werden wir dich behalten und dann kannst Du weiter hier bei uns bleiben. Und dann kannst was werden. Wenn Du sehr tüchtig bist, kannst auch Sendeleiter werden." "Ja schön", hab ich gesagt. Gut: Ich begann also beim Herrn Vorstand Müller – ich mach’ das jetzt ganz schnell. Einige Tage später war der Generaldirektor Czeija wieder weg weil die Russen – die RAVAG war in der russischen Zone – sind draufgekommen, dass der Czeija aus Opportunitätsgründen Mitglied der nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei geworden wurde um Generaldirektor der RAVAG zu bleiben. Und da haben die Russen also verlangt, der muss weg. Der kann Anti-Nazi sein so viel er will, er war Mitglied und damit weg. Und der Czeija war weg… Damals wurde erstmals also der öffentliche Verwalter des österreichischen Rundfunkwesens eingesetzt und ich war dort, in der Materialverwaltung, was nicht das war, was ich eigentlich angestrebt habe. Im September hat man dann ganz dringend einige Leute, Mitarbeiter gebraucht, die ein bissl Englisch können weil der Kurzwellensender ist in Betrieb genommen worden und man hat sich verpflichtet für das Rote Kreuz zweimal in der Woche – oder war es drei mal in der Woche – zwei Stunden lang in der Nacht auf Kurzwelle Suchmeldungen des Roten Kreuzes in englischer Sprache durchzugeben. Na, hab’ ich gleich "hier", geschrieen. Hab’ ich mir gedacht, das wäre eine ganz gute Möglichkeit – mein Englisch ist zwar nicht sehr profund, nachdem was wir während des Krieges gelernt haben im Gymnasium – aber das Herunterlesen werd’ ich schon zusammenbringen. Es hat wirklich also genügt. Ich bin zweimal in der Woche, hab’ ich in der Nacht zwei Stunden lang, von 02:00 bis 04:00 in der Nacht die Suchmeldungen durchgegeben. Nur: Es hat ja damals keine Verkehrsmittel gegeben. Und es hat auch keine Verkehrsmittel gegeben, die in der Nacht gefahren sind. Und gearbeitet haben wir in der russischen Zone und gelebt hab’ ich bei Schönbrunn und um 04:00 früh musste ich ja nach Hause kommen, ja. Das heißt, ich musste jedes Mal nach dem Dienst von der Argentinierstraße in der russischen Zone nach Schönbrunn in die englische Zone zu Fuß nach Hause gehen. Und: Es hat damals das wunderschöne Lied gegeben, dass leider dann verboten wurde durch Intervention der kommunistischen Partei. Das hat also geheißen: "Wien wird eingeteilt jetzt in vier Zonen. Sagen Sie mir: Wo werd’ ich jetzt wohnen." Denn Wien war ja eingeteilt in eine russische, in eine englische, in eine amerikanische und in eine französische Zone. Ich musste also von der russischen Zone über die französische Zone in die englische Zone nach Hause gehen. Es ist mir Gott sei Dank immer geglückt, dass mir nix passiert ist, aber es war damals nicht ganz einfach.

Damit hatte ich also den Fuß in den Rundfunk gesetzt und kam, was ich nie vorher erwartet hätte, vor das Mikrofon. Und vor dem Mikrofon bin ich also picken geblieben, denn mit Beginn des Jahres 1946 hat es die ersten, so genannten aktuellen Sendungen gegeben. Das war jeden Abend um 19:30 vor den Nachrichten, das hat geheißen »Echo des Tages« und da hat man versucht also kleine Berichte zu machen und hat man mich gefragt – der Senger, die Stimme, die ist ganz gut, die kann man hören: "Wollen Sie das probieren?" Hab’ ich gesagt: "Probier ich!" Gut: Hab’ ich eine Zeit lang gearbeitet für das »Echo des Tages«. Die Zeit ist aber vergangen, es ist nicht immer das »Echo des Tages« geblieben. Ich war auch sicher – das weiß ich – also nicht sehr gut. Schon deswegen, weil es war das Problem das, dass es eigentlich keine Möglichkeiten gegeben hat, die Themen, über die man berichten sollte, so auf einfachem Weg zu kriegen. Es hat ja nix gegeben. Es hat zwar schon eine Nachrichtenagentur gegeben, aber wenn schon einmal was in der Zeitung gestanden ist, ist nicht mehr ganz interessant am nächsten Tag um 07:30 früh das Ganze noch mal zu bringen. Das hat mich also nicht sehr interessiert und ich war sicher kein guter Mitarbeiter. Also von dort bin ich einmal weg und dann hab’ ich eine Zeit lang gearbeitet, da ich musikalisch immer sehr interessiert war, dass ich also – man hat also Hörspiele gespielt usw. Und was es heute gibt auf digitaler Basis jedes Geräusch und jede Musik, alles auf Knopfdruck – das war damals nicht möglich. Es hat Schallplatten gegeben und da musste man oft nur kleine Stückerl aus Schallplatten herausnehmen um sie einzublenden in ein Hörspiel usw.. Das war meine Spezialität, das hab’ ich ganz gut gemacht.

Das hab’ ich eine Zeit lang gemacht. Da hab’ zum Beispiel Musik herausgesucht für die Eva Pawlik und den Rudi Seeliger, die sich also gerne von mir haben beraten lassen: "Was könnt’ ma nehmen, dass man da… Also unsere Dings machen dazu, unsere Kür für das Schaulaufen usw.." Aber dann ist der Zeitpunkt gekommen, wo man gebraucht hat einen Leiter der Sportabteilung. Also ich bin kein Sportler gewesen. Ich hab’ zwar gerne Sport betrieben, aber das, was man als Sportberichter braucht, hatte ich eigentlich nicht. Aber: Als Leiter der Sportabteilung muss man das ja nicht selber machen. Da war ich also eine Zeit lang Leiter der Sportabteilung, hab’ also dann auf diesem Gebiet ziemlich viel gemacht. Es hat aber dann sich ergeben, dass man nicht nur das gesucht hat, sondern man hat auch einen Nachrichtensprecher gesucht. Hab’ ich gesagt, dass wär’ was für mich. Na, da hat es damals noch aus der alten RAVAG, aus der Vorkriegszeit einen Chefsprecher gegeben, den Othmar Biegler, der war so etwas von genau, wie wenn ich heute mir die Nachrichten anhör’ – das gibt’s heute gar nicht mehr. Ja, man sagt heute in den Nachrichten immer noch "sie treffen sich dort", das ist völlig falsch bitte: Man trifft einander, nicht sich, ja. Aber so etwas hätte es beim Biegler nicht gegeben, da wären sie am nächsten Tag geflogen als Nachrichtensprecher. Gut, der Biegler hat gesagt: "Ja, Sie klingen ganz gut, aber Sie brauchen noch eine Schulung." Und der Burgtheaterschauspieler Otto Soltau hat mich dann trainiert durch einige Zeit hindurch, bis ich Gnade gefunden hab’ vor den Ohren des Biegler. Das war dann nicht mehr der Biegler allein, sondern das waren dann einige Abteilungsleiter usw. Die haben mit dem Programm dort… Und da musste ich eine Prüfung ablegen. Also damit wurde ich Nachrichtensprecher.

Wien war ja zunächst einmal total russisch besetzt nach dem Ende der Kampfhandlungen. Und erst mit der Zeit sind dann die anderen Nationen also gekommen und zwar genau, wie es also die Alliierten gewesen sind. Das sind die Amerikaner, die Engländer und die Franzosen gekommen. Und so hat man auch Wien aufgeteilt in vier Zonen – in eine russische Zone in eine englische, in eine amerikanische und in eine französische Zone. Die russische Zone war gefährlich, weil die Russen einfach unberechenbar waren. Die haben also nicht nur meinen Vater einfach auf der Reichbrücke mitgenommen, weil in einem Gefangenentransport einer gefehlt hat, ja. Sie haben also Leute einfach auch Freunde von mir, aus der Badener Bahn heraus, einfach mitgenommen. Ob es einen wirklichen Grund gegeben hat oder nicht, konnten wir nicht realisieren. Der Mann war zehn Jahre lang in russischer Gefangenschaft und ist nachher bei der internationalen, bei der – wie heißen die am Prater unten – also der kommerzielle Chef geworden, ja. Aber man sieht also, sie waren rücksichtslos, man wusste nicht, was ist. Es sind Menschen verschwunden, die nie wieder gekommen sind – russische Zone war außerordentlich gefährlich. Bei den anderen – das hat sich dann sehr lang eingeregelt – es hat den berühmten Zonenausweis gegeben, von dem ich noch einen habe. Man konnte also innerhalb Wiens schon ohne Ausweis von einer Zone in eine andere wechseln. Es hat ja auch die alliierte, interalliierte Polizei gegeben. Das war ein weltweites Ereignis, das hat es nur in Wien gegeben: die Vier im Jeep. Wo also von jedem Besatzer, von jeder Besatzungsmacht ein Offizier gemeinsam mit einem anderen – also alle vier Besatzungsmächte – in einem Jeep Patrouille gefahren sind. Und es hat immer abgewechselt, immer war ein anderer Kommandant, ja. Aber es waren die berühmten »Vier im Jeep«. Das war also einigermaßen sicher, das hat es aber nur in der Inneren Stadt gegeben. Außerhalb waren die Bezirke aufgeteilt in der Form, wie ich sie also schon erzählt habe.

Ja, das hat man also auch über die Wege gebracht: Die Amerikaner und die Engländer haben sich also dann bald einmal geeinigt. Außerhalb Wiens – man konnte ja damals in der ersten Zeit in die anderen Bundesländer überhaupt nicht fahren, weil auch die zonenmäßig eingeteilt waren. So war also zum Beispiel Niederösterreich und das Burgenland war russische Zone, Oberösterreich war amerikanische Zone, Steiermark war englische Zone und Kärnten. Und Vorarlberg und Tirol war französische Zone. Um diese Zonen zu wechseln, musste man einen eigenen Zonenausweis haben, um den sich aber später kein Mensch mehr gekümmert hat, nur die Russen. Das heißt, die Russen, wenn man von Niederösterreich, von Wien-Niederösterreich nach Westen oder nach Süden fahren wollte, musste man diesen russischen Ausweis mithaben. Und das war das… Der wurde in vier Sprachen ausgestellt und das Wesentlichste daran war, dass vier, nein zehn Stempel drinnen waren. Und die russischen Polizeiposten, die also – oder Militärposten an den Grenzen – konnten meist den Ausweis gar nicht lesen. Sie haben nur gezählt, ob genügend Stempel drinnen sind. Und wenn die drinnen waren, durfte man die Grenze passieren.

Ja, unter diesen Umständen hat man also damals auch begonnen im Rundfunk zu arbeiten. Es war also am Anfang schon ganz schwierig. Jede Sendung bitte musste zensuriert werden, wenn sie in Österreich gemacht wurde. Das heißt also, wenn ich vorhin erwähnt habe, dass wir die erste aktuelle Sendung 1946 gemacht haben, wo wir diese Kurzinterviews gemacht haben, so durfte man nicht hingehen und den Herrn Müller interviewen und sagen: "Erzählen’s ma, was sie gestern gemacht haben." Wir haben auch gar nicht die Aufnahmegeräte gehabt. Der Herr Müller musste ins Studio kommen um 19:30 und wir haben das dort vor dem Mikrofon, in einer so genannten Live-Sendung, gespielt. Aber: Wir konnten uns auch nicht hinsetzen und miteinander plaudern. Das ganze Interview musste vorher schriftlich festgehalten werden, wurde in der Kommandantur eingereicht, musste genehmigt werden. Dann hat man es genehmigt zurückbekommen und dann durfte man sich erst hinsetzen und durfte man das herunterlesen. Da sind die merkwürdigsten Dinge passiert: Wir haben zu diesem Zweck, damit es leichter geht – die Amerikaner, die Engländer und die Franzosen, die haben sich meist gar nicht mehr darum gekümmert, aber die Russen weil es war russische Zone haben darauf beharrt. Und wir haben zwei fix angestellt Russinnen gehabt als Dolmetscherinnen: die Frau Jagotwitsch – kann ich mich noch gut erinnern. Und ich hab’ immer gesagt: "Frau Jagotwitsch, gehen’ s mit mir auf die Kommandantur. Dann geht das gschwinder." Dann kriegen wir also die Genehmigung, ja. Und so hatte ich also einmal eine Biologin war das – soweit ich mich erinnere – die sollte ich interviewen. Und das musste natürlich auch also vorher festgehalten werden. Und es hat das Manuskript gegeben und ich bin also – natürlich pünktlicher Mensch, der ich also bin – schon um etwas nach 19:00 im Funkhaus gewesen und hab’ also auf die Frau »Dr. Sowieso« gewartet, dass sie kommt, damit wir um 19:30 das gemeinsam lesen im »Echo des Tages«. Nur die Frau Doktor ist nicht gekommen: Es war fünf Minuten vor 19:30, die Frau Doktor noch immer nicht da. Nun gibt es ja immer bei solchen Dingen einen Sendeverantwortlichen, das war damals der Herr Obentraut und der Herr Obentraut hat dann gesagt: "Wo ist eigentlich jetzt die Doktorin?" Sag’ ich: "Sie Herr Obentraut. Ich weiß das ja nicht. Ich wart’ ja selber." Sagt er: "Gut, ist in Ordnung. Muss halt wer…" Nein, die haben gar nicht gesagt "die Frau". Obentraut: "Na wo ist jetzt der Biologe?" So! Hab’ ich gesagt: "Ich weiß es nicht, wo er ist." "Ja, da muss halt wer anderer, soll kommen und soll das mit Ihnen lesen. Und ihr setzt Euch hin. Die Sendung kömma nicht ausfallen lassen." "Gut, ist in Ordnung." Der Stock… Ich weiß nicht mehr, wer das war… Also einer der vorhandenen Sprecher ist gekommen. Na gut… Der hat aber auch nicht können aus irgendeinem Grund, na also: Macht nix, wird also ein anderer kommen. Also der Herr Niesner soll kommen, der also bekannt – der Walter Niesner, der die »Autofahrer unterwegs« war damals auch Nachrichtensprecher mit mir. Also der Walter ist gekommen, hab’ ich gesagt: "Setz’ Dich her." Und als Nachrichtensprecher – erstens war eh keine Zeit mehr – ist man natürlich darüber erhaben ein Manuskript vorher durchzulesen, das kann man ja vom Blatt. Man ist ja das als Berufsmann gewöhnt, ja. Also der Niesner hat sich also hergesetzt, ja und sagt: "Also gut." Und ich bin also ganz in dem Manuskript, weiß es soll eine Frau Doktor kommen, – seh’ ich inzwischen – und sag: "Darf ich bitten Frau Doktor." Fallt mir das noch mal ein. Sagt der Niesner, denkt sich: "Rette sich wer kann." Versucht im Falsett zu sagen. "Ja ich hab’ so…" Das war halt hat leider nicht möglich, er musste so lachen, dass man die Sendung abbrechen konnte. Und nicht konnte, sondern musste. Es hat aber dann überhaupt niemanden mehr gegeben, es war dann eine lange Pause. Und das war üblicherweise, ist das »Frühlingsrauschen« immer gespielt worden als Pausenfüller. Und da hat man damals wieder einmal gemütlich gehört das »Frühlingsrauschen« von Christian Sinding. Es war aber kein brauchbarer Nachrichtensprecher mehr im Haus, weil alle haben gelacht. In der Zeit, als ich also Nachrichtensprecher war, hat also dann österreichisches Fernsehen begonnen neu in Aktivität zu treten. Und man hat natürlich keine Leute gehabt. Wenn ich höre, dass der österreichische Rundfunk heute an die 5.000 Menschen beschäftigt, kann ich sagen, im Fernsehen waren wir damals 120 und haben auch ein Programm gespielt. Zugegebener Maßen ist nur jeden zweiten Tag, zwei Stunden gesendet worden und es war also natürlich leichter Programme zu bekommen als heute. Aber trotzdem: Der Unterschied ist doch eklatant. Jedenfalls, also im Fernsehen, da bin ich deswegen hingekommen weil ich hatte schon als Nachrichtensprecher so gelegentliche Sendungen gemacht, auch Reste noch, manche sportlichen Sachen, zum Beispiel Eislaufen und Radfahren waren von mir ganz gut beherrschbare Sachen. Da hab’ ich was gemacht, ja. Und ich hab’ mich hin und wieder auch sehr interessiert, da ich Ralleys gefahren bin und also auch erfolgreich gefahren bin, hab’ ich mich auch für den Verkehr interessiert. Und im Verkehr hab’ ich eine Sendung gemacht, einmal dort und einmal da, mit unterschiedlichen Titeln. Und das Fernsehen hat es gegeben und einer unserer Freunde, der schon von Anfang an dabei war, hat also gesagt: "Pass einmal auf. Wer heute… Jeder, der einen Fernsehapparat hat, hat auch ein Auto." Das war damals ja so weil die waren so teuer die Fernsehapparate. Die konnte sich kaum einer leisten. "Du machst Sendungen für Verkehr usw. Sowas könnt’ ma eigentlich brauchen im Fernsehen auch." Also gut: Und er hat geboren, innerhalb von Minuten den Titel »Schach dem Tod«. Das war eine Verkehrssendung. Das Fernsehen hat begonnen am 1. Oktober 1955. Im September 1955 hab’ ich bereits die erste Sendung »Schach dem Tod« gemacht. Hab’ sie durch nahezu 20 Jahre gemacht, später auch als Moderator, als Produktionsleiter und als alles, ja.

Das war eine ungeheuer interessante Zeit und ich war damit halt beim Fernsehen, aber ich war nicht der Spezialist nur für »Schach dem Tod«, der ist ja nur einmal im Monat, eine Stunde lang oder eineinhalb Stunden lang also gespielt worden. Man hat ja für alles jemanden gebraucht. Und damals gab es, also das erste Mal das Problem, es wird Ski-Weltmeisterschaften in Österreich geben. Und es hat zwar schon einmal eine Ski-Weltmeisterschaft gegeben, die wurde also gefilmt und gespielt. Das war damals, als der Toni Sailer also Weltmeister geworden ist. Aber hat der Gerhard Freund, der damals Fernsehdirektor gewesen ist zu mir gesagt: "Hearst", sagt er, "das war ein ungeheurer Erfolg. So was würden wir auch brauchen. Wir haben die Ski-Weltmeisterschaften. Was haltest Du davon, mach’ ma das?" Also gut: Es wurde also gemacht. Die Ski-Weltmeisterschaft in Gastein 1958 werden wir live im Fernsehen übertragen. Das war noch nicht ich, weil ich hab’ ja in Wien, also üblicherweise die normalen Sendungen gemacht. Aber nach ein paar Tagen ist der Gerhard gekommen und hat gesagt: "Du, hör einmal zu. Du hast immer schon was organisiert und warst ja meistens recht gut. Fahr’ raus nach Gastein, Du hast die Vollmacht. Die rennen dort mit den Koffern und Handtaschen quer durch Gastein und suchen Quartier und wissen nicht, wo sie die Geräte hinbringen sollen." Damals hat es keine Hubschrauber gegeben, die also die Kameras auf den Berg hinaufgebracht haben. Damals mussten die Techniker – es war Neuschnee – bis zu den Brustwarzen im Neuschnee auf Schlitten die Kameras hinaufziehen auf die Berge. Gut: Aber jedenfalls waren alle erschöpft und man hat also ein größeres Chaos gehabt. Ich bin halt hinausgefahren, habe Generalvollmacht gehabt, bin hergegangen: Hab’ ein leer stehendes Hotel gefunden, hab’ ich gesagt: "So, ist in Ordnung. Was kostet das? Wir nehmen das ganze Hotel. Das gesamte Fernsehen kommt hier herein." Die werden nimma mehr herumrennen und Zimmer suchen usw.. So wurde ich – ich mach das ganz kurz – also unfreiwillig Produktionsleiter dieser Sendung.
Da das sehr erfolgreich war, hat man im nächsten Jahr gesagt, der Freund gesagt: "Das war ein Riesenerfolg. Fällt Dir nix ein.?" Sag’ ich: "Es gibt nicht jedes Jahr eine Weltmeisterschaft." "Na ja, aber was Ähnliches?" 1959 haben wir also das erste Mal das heute sehr berühmte Hahnenkamm-Rennen im Fernsehen live übertragen, so wie damals die Weltmeisterschaften. Regisseur war, wie schon in Gastein bei den Weltmeisterschaften, der Erich Neubert – einer der besten Fernsehregisseure, zumindest zur damaligen Zeit. Später konnte man es nicht vergleichen, weil er ja leider von uns gegangen ist – als unglücklichen Zustand. Niemand konnte das jemals klären.

Aber jedenfalls eines Tages war… Ich war Head of Broadcast, das heißt also, wenn es Außenübertragungen gegeben hat, war ich der Organisator. Das ist aber nicht ewig gegangen, man hat begonnen und hat mich abengagiert in die Privatwirtschaft. Ich bin leichten Herzens deswegen gegangen, weil das österreichische Fernsehen zwar schon funktioniert hat, aber noch immer kein Geld gehabt hat. Die Politiker konnten sich nicht darauf einigen, die Radio- und Rundfunkgebühr anzuheben, damit man auch das Fernsehen finanzieren kann. Also bezahlt wurde praktisch so gut wie nichts, gerade über dem Existenzminimum. Und so bin ich also abengagiert worden in die Privatwirtschaft, habe dann durch viele Jahre hindurch Werbung in der Privatwirtschaft gemacht. Aber ich bin also damit immer in Verbindung geblieben also mit dem Fernsehen, weil meine Sendungen, die sich inzwischen eingebürgt hatten… »Schach dem Tod« hieß nicht mehr »Schach dem Tod«, sondern »Verkehrsrundschau«, damit das Programm umfangreicher werden kann. Die hab’ ich also auf freier Basis immer noch weiter gemacht. Das ist also so lange gegangen weil ich ja, wie gesagt das Fernsehen als freier Mitarbeiter war, bis ich eines Tages dem Mobbing also zum Opfer gefallen bin Es war der Neid-Komplex: Da ich ja nicht mehr Angestellter des Fernsehens war, hat man eines Tages – und die Neidgenossenschaft war ja genügend da – gesagt: "Also die Sendung brauch’ ma nicht mehr." Dazu ist aber gekommen, dass ich ein bissl selber dran Schuld war, weil ich hab’ – ich hab mehrere Ideen in meinem geschäftlichen und meinem Leben überhaupt gehabt – die Idee hatte, es gibt also überall auf der Welt die Möglichkeit, dass man auch ausländische Programme anschauen kann. In Wien geht das nicht. Man kann zwar mit einem großen Antennenaufwand das eine tschechische oder ungarische Programm sehen, was aber keinen Menschen wirklich interessiert. Aber sonstige Programme kriegt man eigentlich nicht. Aber: In Westösterreich geht das in Grenznähe, weil da kann man mit aufwendigen Antennen auch zum Beispiel die deutschen Programme, das schweizerische Programm oder das italienische Programm empfangen. Und die Antennen wurden halt immer aufwendiger und dann hat’s schon Überlegungen gegeben, na ja von der
Wirtschaft her: "Na ja, man könnte auf dem Ostrong, also in Niederösterreich eine riesige Antennenanlage aufstellen und von Ostrong das dann hereinspielen nach Wien. Und dann kann man sich also deutsches Programm in Wien. Der Aufwand wäre gigantisch gewesen, die Qualität jämmerlich weil die Entfernungen einfach zu groß sind um sie zu überbrücken.

Überbrücken kann man das nur mit einem Kabel, wie es das international schon gibt: Ein Kabelfernsehen. Also wenn man in Wien was machen sollte, dann sollte man’s als Kabelfernsehen machen. Ja, aber wer zahlt das und wer macht das und woher kommt das? Aber grundsätzlich war die Idee einmal da und ich hab’ sie also dem damaligen Bürgermeister Gratz vorgeschlagen und hab gesagt: "Das wär’ doch was!" Na ja sicher, jeder Politiker ist interessiert an solchen Dingen, ja. Aber wie kriegt man das? Kurzum: Es ist also so weit gegangen – der damalige Finanzstadtrat Wiens hat gleich gesagt: "Ihr könnt’s machen was ihr wollt‘s. Geld gibt’s von mir keines." Aber bitte: Anschauen kann man sich das ja. Und so wurde also eine Studiengesellschaft gegründet. Ich habe also den Auftrag gehabt, mich darum zu kümmern. Und es wurden dann also viele Vorschläge gemacht, also ich habe die Grundlagen erarbeitet und ich bin aber gleich auf’s Ganze gegangen und hab’ gesagt: "Alles, was es da gibt mit Superantennen usw. ist ein völliger Blödsinn. Man kann also nur dort, wo die Qualität des Signals, dass man dazu braucht, dass er einwandfrei ist, muss man empfangen. Und das ist Salzburg – mindestens, ja. Und für die Schweiz ist es Vorarlberg, ja. Und die Programme muss man halt nach Wien bringen und nachdem man die nicht hereinspielen kann, es gibt aber – damals schon gegeben – Kabel gibt’s ja keine, es gibt Richtfunkstrecken. Das geht per Funk, wo die Telefone bereits übertragen werden, so was kann man fernsehmäßig auch machen. Haben alle gesagt: "Ja, das ist alles wunderschön, aber wer zahlt das? Die Richtfunkstrecken sind ja wohl da, aber die braucht man für die Post. Wer baut die Richtfunkstrecken für das Fernsehen usw.?"

Es wurden also in der letzten Sekunde, wie immer, also Lösungen gefunden. Man hat so genannte prekaristische Leitungen errichtet. Die Post hat Leitungen zusätzlich gebaut, hat’s uns vermietet, hat gesagt: "Ihr könnt’s die haben." Nicht viele auf einmal, zunächst einmal eine, dann eine Empfangsstation in Salzburg am Gaisberg errichtet, haben das über die einzige Leitung nach Wien hereingespielt und in Wien war ein erstklassiger Empfang, als würde das Programm direkt aus dem Studio kommen. Und da war zunächst einmal das erste ausländische Fernsehprogramm in Wien. Und am 1. Oktober – es sind immer die Oktober offenbar, die ersten wo etwas beginnt: Am 1. Oktober 1978 war es soweit, dass die ersten deutschen Fernsehprogramme nach Wien übertragen wurden auf 500 Fernsehgeräte in der Donaucity. Das waren die ersten Kabelfernsehteilnehmer Wiens.

Eines der größten Probleme im Zusammenhang mit der Einführung des Kabelfernsehens war nicht die Frage der technischen Lösungen "Wie bring’ ich die ausländischen Programme nach Wien herein?", sondern die rechtliche Frage. Und hier ist es in erster Linie auf der einen Seite das Urheberrecht, auf der anderen das ORF-Gesetz, das ich jetzt aber nicht wörtlich interpretieren kann. Aber aufgrund des ORF-Gesetzes waren ja Sendeanstalten verpflichtet, bestimmte Regulative programmlicher Hinsicht einzuhalten. Und das wollte man auch verlange, dass musste auch eingehalten werden von den Sendern, die man aus dem Ausland empfangt. Das ist natürlich paradox weil man kann ja heute nicht hergehen und der französischen Fernsehgesellschaft sagen, ihr dürft s das nur so senden, was der österreichische Rundfunk sagt. Also so geht’s ja nun nicht, ja. Das waren also ganz schwierige Lösungen, die aber auf der politischen Ebene zu finden waren. Da hat man sich dann zusammengerauft. Noch schwieriger war die Lösung des Urheberrechts: Es gibt nämlich eine Unzahl von Gesellschaften, die die Rechte der Urheber vertreten. Es gibt also für jede Sparte der Kunst gibt es eine eigene Gesellschaft. Und jede kann für sich einen Tarif aufstellen und das kann… also schön… In einem Programm sind heut’ drinnen so viele künstlerische Ideen – das ist nicht nur Musik drinnen: Die Musik ist unterteil in ernste Musik, in Unterhaltungsmusik. So wie die Literatur – die leichte Literatur und die schwere Literatur… Und weiß ich… Und jede hat also einen eigenen Anspruch und kann also Tarife… Viele dieser Dinge sind natürlich in einer einzigen Sendung drinnen. Und viele solcher Sendungen sind dann in einem Fernsehprogramm drinnen.
Wie kommt man an die Rechte heran? Denn senden darf ich also nur, indem ich die Rechte erwerbe. Ich weiß ja gar nicht, wem gehören die? Wo find’ ich diese Rechte? Wenn ich also heute einen Sender aufdreh’ und mir das Programm also anhöre und da spielen’s also eine wunderschöne Musik… "Ah", sag’ ich, "ich weiß ja gar nicht – was ist das?" Dann kann ich mühselig herauskriegen, was das ist. Ja gut, also wer hat an dieser Musik aller ein Recht? Die Philharmoniker, die seinerzeit gespielt haben – nein, das waren die Berliner Philharmoniker, die haben die Rechte. Und gibt’s den Urheber noch, den Komponisten noch? Weil der hat auch ein Recht. Ja, 70 Jahre nach seinem Tod hat er noch immer das Recht bitte, ja. Und das muss ich also vorher erwerben weil sonst darf ich das nicht spielen. Wie erwerb’ ich das im Vorhinein, wenn ich eine Antenne aufstelle, empfange das Programm und schau’ mir’ s an. Sag ich: "So geht’s ja nicht." Und die Urheber haben aber natürlich gesehen: "Halt, da könnt’ ma was verlieren. Na wir geben nicht nach!" Ja. Man war sich also dann im Klaren darüber, dass man gesagt hat, natürlich muss man Pauschalregelungen finden. Aber wie macht man das? Und dann ist natürlich der Neid-Komplex, den hat’s ja damals auch schon gegeben. Es hat gewissen Sparten in der Industrie gegeben, die also sehr, sehr erbost waren darüber, dass es uns gelungen ist, das Kabelfernsehen ins Leben zu rufen. Die haben gesagt: "Na denen werden wir es schon zeigen." Ich bin dann da her gekommen… Hab’ das versucht zu beeinflussen in der Richtung. Na ja, das ist ganz logisch. Man kann das nur pauschalieren. Pro Programm muss man einen Betrag festsetzen. Ein Programm kostet pro Monat so und so viel. Ja, ok. "Na, wie viel?" "Na ja, 30 Schilling nicht also." Hab’ ich gesagt: "Ja gut, ist in Ordnung." Hab ich gesagt: "Wenn ma zehn Programme spielen, zahlt man nur für die Rechte von einem Dings 300 Schilling. Was glaubst, wer sich das anschauen wird?" Gibt’s ja niemand, ist ja völlig ausgeschlossen.
Na ja, eigentlich das wollten sie ja. Die wollten das Kabelfernsehen gleich im Beginn umbringen, ja. Einer war der damalige – ich weiß nicht, was er für eine Funktion gehabt hat, beim österreichischen Rundfunk – der Herr Dr. Radel. Und der war also einer jener, die also da am meisten also dahinter waren, damit man uns gleich wieder umbringt. So, dass man halt gesagt hat, na ja. Bei einer Sitzung einmal: "Ja da kommt der Senger. Der macht das Kabelfernsehen. Der geht schon zu Grunde, bevor sie überhaupt die ersten Sendung spielen." Ja, so hat’s also eigentlich begonnen, ja. Wir spielen zwar noch immer, aber es gibt natürlich weiterhin Schwierigkeiten. Nur: Damals – bin ich auch sehr stolz darauf – vielleicht den Schlüssel gefunden zu haben, wie kommt man aus der Geschichte heraus.

Dass man also sagt, also für jedes Programm kostet es also pro Monat so und so viel – das ist ja völlig unmöglich. Weil: Ich kann ja auch nicht sagen, in einem Kino spielen sie also – seit es die Multikinos gibt, wo sie in einem Gebäude drinnen 20 Filme spielen, oder 15. Für jeden Film zahlen, wenn ich in das Haus hinein geh’ – das ist ja absurd. Und genauso ist es… Ich mein, wenn in der Luft also 20 Programme sind, die ich empfangen kann, kann ich… Ich werd’ nicht für die 20 Programme… Ich will die ja gar nicht. Ich will nur eines sehen, ja. Und das war also sehr schwierig, also den Urheber das beizubringen weil das Gesetz, das ja aus dem Jahr 1936 stammte, wo der Richard Strauss noch mitgewirkt hat daran, hat eben etwa bei extremer Auslesung, eben den Urhebern das Recht gegeben, das zu verlangen. Das ist absurd: Ich kann nicht was verlangen, was es nicht gibt und was ich nicht erfüllen kann. Aber das wollten sie nicht… So. Und jetzt ist mir dann die Idee gekommen, wie zieh’ ich also dieses Pferd auf. Sicher nicht beim Schwanz, sondern also mit dem Zügel beim Kopf. Und da hab’ ich gesagt: "Das Stichwort hat sich ja ergeben bitte. Ich kann mich ja, wenn ich den Fernseher aufdreh’ eigentlich nur ein Programm anschauen. Wieso soll ich für 20 Programme, die ich mit Kabelfernsehen einmal empfange kann, für 20 Programme zahlen?" Haben die Urheber gesagt: "Na ja, aber Sie haben ja die Wahl. Sie könnten!" Sag’ ich: "Ja, aber nicht gleichzeitig. Ich muss mich entscheiden, welches schau’ ich mir an und für das bin ich bereit – muss man zahlen. Und dann einen Pauschalbetrag weil man die einzelnen Dings nicht herausholen könne." Es hat zwei Jahre gedauert und dann war ich also – das sind jetzt die großen Modegeschichten: Lobbying, ja. Ich hab’ also praktisch schon mit allen Nationalratsabgeordneten Bruderschaft getrunken weil ich bin also dauernd aus und ein gegangen im Nationalrat, um den Leuten einzeln zu erklären, dass man eben nur ein Fernsehprogramm anschauen kann und nicht 20 gleichzeitig und dafür auch nicht bezahlen kann. Und noch schwieriger war, dass es im Justizministerium also einen Menschen gegeben, der das Recht der Urheber vertreten hat, auch auf gesetzlicher Basis, ja. Und der hat immer gesagt: "Also ich kann das Gesetz nicht ändern bitte. Das haben wir." Hab’ ich gesagt: "Herr Sektionschef, man kann auch ein Gesetz ändern – auch wenn Sie Sektionschef sind." Ich habe fast ein Jahr gebraucht, um ihm das klar zu machen. Und ich muss zu meiner, zu seiner Ehre sagen: Er hat das akzeptiert. Und hat gesagt: "Sie haben Recht, nur wie bringen wir das unter im Gesetz?"
Ja und dann: " Außerdem so ist das nicht. Man kann mehrere Fernsehprogramme gleichzeitig anschauen." Sag’ ich: "Wie?" Sagt er: "Sie können sich ja zu Hause auch fünf Fernsehapparate hinstellen. Dann können Sie fünf verschiedene Fernsehprogramme anschauen." Dann sind wir dann dazu gekommen, jetzt stell’ ma mal fest – das kann die Industrie: Wir können feststellen, wie viele Fernsehapparate pro Haushalt gibt es in Österreich." Sind wir drauf gekommen: ungefähr 2,5 Fernsehapparate pro Haushalt. Waren wir uns einige, haben gesagt: "Ok, für 2,5 Programme können wir zahlen." Weil 2,5 Menschen – statistisch – können 2,5 Programme gleichzeitig anschauen. Und so haben wir das Gesetz durchgebracht.

Als dieses Gesetz im Nationalrat beschlossen werden sollte, hatten wir am Sonntag beim österreichischen Rundfunk, beim Gerd Bacher wieder einmal eine derartige Besprechung und haben alle zugehört: "Na, wird dieses Gesetz jetzt beschlossen?" Was auf dieser Basis – 2,5 Dings usw., und dass die Urheber also mehr oder weniger ihre Rechtsansicht ändern müssen. Wird das beschlossen oder nicht? Es wurde beschlossen und da hat der Dr. Radel dann gesagt zum Bacher – sagt er: "Wir haben nicht die Schlacht verloren, wir haben den Krieg verloren."

Die Franzosen, die ja bekanntlich starkes politisches Interesse in Nordafrika hatten und noch immer haben, wollten gerne das französische Nationalprogramm, das das auch in Nordafrika gesehen werden kann. Nur hat es kein Kabel hingegeben, es hat aber auch die technische Möglichkeit einer Richtfunkbrücke nicht gegeben – also die Funkverbindung. Und da ist man auf die Idee gekommen – alle im beginnenden Satellitenzeitalter – in einen Satelliten, das Programm einzuspeisen. Der Satellit strahlt das Programm aus. Das ist in Nordafrika zu empfangen: Man stellt dort eine Empfangsstation auf und verteilt über lokale Sendestationen das französische Programm in Nordafrika. Das heißt, das erste Fernsehprogramm, das über den Satelliten ausgestrahlt wurde – nach Nordafrika. Und da ist ein cleverer britischer Geschäftsmann auf die Idee gekommen, der Brian Hand, und hat gesagt: "Dieser Satellit kann ja zwei Programme spielen, nicht nur das eine französische, die »Radiodiffusion Francaise«, sondern wir haben auch die Möglichkeit ein zweites Programm zu spielen. Warum spielen wir da nicht die BBC? Das interessiert die Leute ja weltweit vielmehr, als die »Radiodiffusion«." Also gut, es ist eines geworden. Er mietet den Kanal für das zweite Programm. Und ich hab’ mir damals gedacht, dass ist eigentlich eine interessante Sache. Jeden… Man wurde immer gefragt: "Warum kann man kein englisches Programm", vornehmlich die BBC "bei uns empfangen?" Aber was die Franzosen können, dass sie also das Satellitenprogramm, das französische empfangen, muss doch eigentlich genügen. Das muss doch auch möglich sein, dass BBC das über denselben Satelliten abgestrahlt wird, dass man das in Österreich empfängt. Es ging. Und so haben wir als Erste – zumindest in Mitteleuropa – die BBC fernsehmäßig nach Mitteleuropa übertragen und im Kabelfernsehen Wien verteilt.

Dieser Beruf bringt es mit sich, dass man praktisch stundenlang darüber reden kann. Aber da würde ich Sie langweilen. Aber summarisch möchte ich dazu sagen, dass ich nicht nur meinen Beruf, solange ich ihn ausgeübt habe – und das war mein ganzes Leben – geliebt habe und noch immer liebe, sondern dass ich mir gar nicht vorstellen kann, den Beruf woanders als in Wien auszuüben. Ich bin nicht nur in Wien geboren, ich habe immer in Wien gelebt – mit geringen Unterbrechungen. Ich bin ein begeisterter Wiener, aber nicht deswegen weil ich hier geboren bin, sondern weil ich mich einfach so fühle. Ich gehöre da her, ich kann es mir anders nicht vorstellen.