Carl Emil Schorske wurde zum Ehrenbürger der Stadt Wien ernannt

Produktionsdatum:

2012


Erstausstrahlung:

27.04.2012


Copyright:

Stadt Wien


Ehrenbürger von Wien wird man nicht alle Tage und vor allem nicht jeder. Ende April ist die Liste der Ehrenbürger dieser Stadt um einen Namen länger geworden - Carl Emil Schorske hat die Ehrennadel überreicht bekommen.

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Mona Müller, wien.at-TV: "Wir bleiben im Rathaus, hier wurde nämlich vergangene Woche der amerikanische Kulturhistoriker Carl Emil Schorske zum Ehrenbürger dieser Stadt ernannt. Er hat Geist und Gesellschaft Wiens um die Jahrhundertwende durchleuchtet und damit einen entscheidenden Beitrag zum Selbstverständnis dieser Stadt geleistet."

Ehrenbürger von Wien wird man nicht alle Tage - und vor allem: nicht jeder. Ende April ist die Liste der Ehrenbürger dieser Stadt um einen Namen länger geworden: Carl Emil Schorske hat die Ehrennadel überreicht bekommen.

wien.at-TV "Was muss man denn eigentlich sein, um ein Ehrenbürger zu sein?"

Andreas Mailath-Pokorny, Stadtrat für Kultur und Wissenschaft: "Man muss Großes und Wichtiges und Nachhaltiges geleistet haben für die Stadt."

Michael Häupl, Bürgermeister: "Erstens berühmt und zweitens: etwas getan haben für Wien, um das sehr salopp so zu sagen. Unser heutiger Ehrenbürger - wie mit Sicherheit auch alle vor ihm - ist eine wirklich glückliche Mischung."

Der 97-jährige Schorske hat mit dem Buch "Wien. Geist und Gesellschaft im Fin de Siecle." die Geschichte von Wien völlig neu aufgerollt und damit die Eigenwahrnehmung der Stadt nachhaltig beeinflusst.

Andreas Mailath-Pokorny, Stadtrat für Kultur und Wissenschaft: "Er hat eigentlich dieses sehr klischeehafte Wienbild zerstört, das es ja auch in der Nachkriegszeit wieder gegeben hat: von einer guten, alten Zeit, die sozusagen sehr stark höfisch, sehr stark monarchisch, sehr stark katholisch geprägt war. Und hat eigentlich nachgewiesen, dass es in der Zeit des ausgehenden Jahrhunderts und des beginnenden 20. Jahrhunderts in Wien eine sehr lebendige, eine sehr kritische, sehr aufklärerische, sehr ausdifferenzierte Geistes- und Kulturszene gegeben hat."

Michael Häupl, Bürgermeister: "Damals natürlich allesamt von der Bevölkerung nicht goutiert, eher verfemt - Schiele ist sogar eingesperrt worden. Natürlich gibt es eine andere Seite der Stadt damals auch: die Situation der Ziegelarbeiter in Favoriten, der Gründerzeitviertel außerhalb des Gürtels - es war auch eine Stadt, in der Elend und Not geherrscht haben."

wien.at-TV: "Ist Wien heute immer noch so lebendig wie damals? Was würde Herr Schorske heute schreiben?"

Michael Häupl, Bürgermeister: "Das weiß ich nicht, aber der Aderlass der Nationalsozialisten - gerade bei den Intellektuellen - das war ein Wahnsinn. Die Schoah ist unübertrefflich und soll durch nichts irgendwie relativiert werden. Wir haben sicher viele Jahrzehnte gebraucht um das einigermaßen wieder aufzuholen. Heute ist Wien natürlich eine glänzende Kulturmetropole, eine Musik-Hauptstadt, nicht nur in der klassischen Musik."

Andreas Mailath-Pokorny, Stadtrat für Kultur und Wissenschaft: "Beispielsweise die elektronischen Musiker mit Kruder und Dorfmeister haben weltweit Maßstäbe gesetzt. Es gibt wunderbare bildende Künstler von Franz West über Maria Lassnig, um da nur einige zu nennen. Und ich glaube, es ist kein Zufall, dass der Nobelpreis, der in der jüngeren Vergangenheit an jemanden vergeben wurde, der in Wien lebt und eigentlich, wenn man so will, österreichische Literatur auch schreibt, mit Elfriede Jelinek gegeben ist. Also da gibt es schon einige Namen und Persönlichkeiten, die nachhaltig wirksam sein werden."

162 Ehrenbürger hat Wien bereits. Unter ihnen finden sich Namen wie Joseph Haydn, Johann Josef Wenzel Radetzky, Franz Grillparzer, Billy Wilder oder Helmut Zilk. Das Ehrenbürgerrecht ist die höchste Auszeichnung der Stadt Wien

Mona Müller, wien.at-TV: "Noch einmal zum Mitschreiben Das Buch 'Wien. Geist und Gesellschaft im Fin de Siècle' erschienen im Piper Verlag gibt es im Fachhandel zu kaufen."