Umsetzung und Erfolgskontrolle 1996 - Verkehrskonzept 1994
Im ersten Bericht von 1996 zur Erfolgskontrolle des Wiener Verkehrskonzeptes zeichnete sich nach einem Zeitraum von etwa zwei Jahren nach dessen Beschlussfassung folgende Bilanz ab:
Positive Ergebnisse
- Die Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung auf die Bezirke 4 bis 9 konnte auch im internationalen Maßstab als wesentlichster Erfolg der Wiener Verkehrspolitik bezeichnet werden. Deshalb erschien eine Ausweitung auf andere Bezirke (Teile des 2., 3. und 20. Bezirkes) dringend geboten.
- Die Umgestaltung des innerstädtischen Hauptstraßennetzes zugunsten des öffentlichen und des nichtmotorisierten Verkehrs wurde weitergeführt. Die Abnahme der Verkehrsbelastungen in diesen Gebieten belegte die Wirksamkeit der Maßnahmen.
- Das Angebot und die Verkehrsleistung im öffentlichen Verkehr konnten weiter erhöht werden. Mit der "Nightline" verfügt Wien über ein öffentliches Verkehrs-Angebot rund um die Uhr. Das Image des öffentlichen Verkehrs hatte sich deutlich verbessert.
- Die Verkehrsunfälle gingen durch die systematische Verkehrssicherheitsarbeit weiter zurück.
Problembereiche
In anderen Bereichen waren allerdings zur Umsetzung des Verkehrskonzeptes noch erhebliche Anstrengungen notwendig:
- Der Vorrang für den öffentlichen Verkehr war immer noch mit erheblichen Widerständen konfrontiert. Es bedurfte erheblicher Anstrengungen, die gesamtstädtischen Interessen konsequent zu argumentieren.
- Der Ausbau des hochrangigen Straßennetzes stagnierte, unter anderem angesichts des hinhaltenden Widerstandes seitens des Bundesministeriums für wirtschaftliche Angelegenheiten.
- Wichtige Maßnahmen im Schienennetz (S-Bahn-Stammstrecke, Bahnknoten Wien) kamen kaum voran.
- Die Ziele im Radverkehr wie die Verdoppelung des Wegeanteils von drei Prozent auf sechs Prozent konnten nur dann erzielt werden, wenn die Einstellung zum Radverkehr auf allen Ebenen ganz erheblich verbessert wird. Bauliche Maßnahmen allein reichen nicht aus.
- Bei weiterhin steigender Mobilität gab es einen Trend zum öffentlichen Verkehr. Dieser ging auch zu Lasten des nichtmotorisierten Verkehrs. Die Einstellungen der Bevölkerung wiesen auf die steigende Wertschätzung des öffentlichen Verkehrs hin. Die Verkehrssituation und die Verkehrspolitik wurden als "befriedigend" und damit weit gelassener beurteilt, als es in manchen Medien mit ihren "Verkehrskampagnen" der Fall war.
Empfohlene Prioritätensetzung
Der Bericht zur Erfolgskontrolle 1996 empfahl, die Prioritäten zugunsten kostengünstiger Maßnahmen zu verlagern:
- Bevorrangungsprogramm für Straßenbahn und Bus fortführen
- Parkraumbewirtschaftung ausweiten
- "Public-Private-Partnership" (Garagenbau, Park-and-Ride-Anlagen)
- Bewusstseinsbildung
Im Bereich der Bewusstseinsbildung ("Public Awareness") ist vor allem das Marketing der Wiener Linien zu erwähnen. Allgemein konnte das konfliktgeladene verkehrspolitische Klima entscheidend verbessert werden. Das geht unter anderem auf die Einbeziehung wichtiger verkehrspolitischer Interessenvertretungen in Form mehrerer Kommissionen (Parkraumbewirtschaftungskommissionen, Fachkommission Verkehr, Beirat Wirtschaftsverkehr) zurück.
Die Umweltsituation hat sich durch technologische Fortschritte, das heißt die Erneuerung des Kfz-Bestandes, weiter verbessert. Maßnahmen wie die Parkraumbewirtschaftung trugen durch die Verringerung des Parksuchverkehrs und des Kfz-Pendlerverkehrs dazu bei.
Insgesamt ist die Wiener Verkehrspolitik auf dem richtigen Weg: Im dicht bebauten Stadtgebiet konnte erstmals nach langer Zeit eine Abnahme des Autoverkehrs erzielt werden. Das trägt zur Verbesserung der Lebensqualität in diesem Gebiet bei.
Unabhängig von diesen verkehrspolitischen Erfolgen im dicht bebauten Stadtgebiet warteten wichtige Aufgaben zur Lösung der Verkehrsprobleme an der Peripherie und im Umland, etwa beim Ausbau der hochrangigen Verkehrsnetze. Diese Aufgaben waren eine große finanzielle und organisatorische Herausforderung.
Verantwortlich für diese Seite:Stadtentwicklung Wien
Kontaktformular
