Mobilität - Planungsergebnis Masterplan Verkehr Wien 2003

Balkendiagramme, die die Auswahl des Verkehrsmittels zwischen 1993 und 2001, getrennt nach Gebieten zeigt. Dargestellt ist die Veränderung des Modal Splits von 1993 auf 2001 sowohl für Gesamt Wien als auch für Bezirksgruppen. Folgende Bezirksgruppen werden zusammengefasst: Bezirke innerhalb des Gürtels (1.-9., 20.), südliche und östliche Randbezirke (11., 13., 21.-23.) und westliche Bezirke außerhalb des Gürtels.

Verkehrsmittelwahl der Wienerinnen und Wiener nach Gebietstypen

Allgemeine Mobilitätskennzahlen

Mobilität beschränkt sich nicht nur auf die physischen Ortsveränderungen. Sie wird auch durch die Raumstruktur sowie die Zeit bestimmt (zum Beispiel Arbeitszeiten oder Schulzeiten). Mobil sein lässt sich auch ohne Ortsveränderungen, beispielsweise mittels Telefon oder neuen Medien. Etwa 75 Prozent aller Wienerinnen und Wiener unternehmen mindestens einen Weg pro Tag, der im Schnitt fünf Kilometer lang ist. Für alle Wege pro Tag sind sie etwas mehr als eine Stunde unterwegs. Die Verkehrsarten des Umweltverbundes (zu Fuß, Fahrrad, öffentlicher Verkehr) haben im dicht bebauten, gut durchmischten Stadtgebiet wesentlich höhere Anteile als in den Bezirken am Stadtrand.


Pendlerverkehr

Straßenraum mit Autos, Straßenbahn, Fußgängerinnen und Fußgängern

Von den Einpendlerinnen und Einpendlern nach Wien nutzen 65 Prozent den motorisierten Individualverkehr und nur 35 Prozent die Verkehrsmittel des Umweltverbundes. Bei der Nutzung dieser Verkehrsarten erreichen Frauen 71 Prozent, Männer nur 56 Prozent. Das Verkehrsverhalten der Frauen ist dadurch erheblich umweltfreundlicher als das der Männer.

Der Arbeitspendlerverkehr der erwerbstätigen Wienerinnen und Wiener umfasste im Jahr 2001 etwa 22 Prozent aller Wege. Männer legen einen Arbeitsweg deutlich häufiger mit dem Pkw zurück als Frauen. Umgekehrt nutzen Frauen bei ihren Arbeitswegen häufiger öffentliche Verkehrsmittel. Steigender Wohlstand und wirtschaftlicher Strukturwandel haben gemeinsam mit der zunehmenden Motorisierung ein dynamisches Wachstum der Arbeitswege über die Stadtgrenze hinaus zur Folge.

Gender-Mainstreaming und Verkehr

Fußgängerinnen und Fußgänger überqueren einen Zebrastreifen

Weg zur Ausbildung

Neun Prozent aller Wege der Wiener Bevölkerung werden annähernd gleich von Frauen und Männern für Ausbildungszwecke genutzt. Zwei gegenläufige Trends bestimmen diesen Ausbildungsverkehr: der Geburtenrückgang und die Verlängerung der Ausbildungszeiten. Beides zusammen bewirkt aber eine konstant bleibende Anzahl der Personen in der Ausbildung.

Freizeit

Für Freizeitaktivitäten legt die Wiener Bevölkerung 31 Prozent aller Wege zurück. Eine Vielzahl von Veränderungen wie beispielsweise flexible Arbeitszeiten, Verlängerung der Urlaubsdauer, niedrigeres Pensionsantrittsalter und höhere Lebenserwartung haben sich in dieser Mobilitätsart niedergeschlagen.

Einkaufen und private Erledigungen

Ähnlich ist es beim Versorgungsverkehr. Circa 26 Prozent der Wege der Wienerinnen und Wiener sind dem Einkaufen und privaten Erledigungen zuzurechnen. Frauen legen um ein Drittel mehr Wege im Versorgungsverkehr zurück als Männer. Sie benutzen in besonderem Maße die Verkehrsarten des Umweltverbundes. Für geschäftliche beziehungsweise dienstliche Erledigungen und für Begleitwege (Abholen und Bringen) werden jeweils sechs Prozent der Wege aufgewendet.

Hier werden die unterschiedlichen gesellschaftlichen Rollen von Frauen und Männern deutlich. Frauen haben einen doppelt so hohen Anteil bei den Verkehrsarten des Umweltverbundes wie Männer. Die Begleitwege betreffen zum größten Teil das Bringen und Abholen von Kindern zum und vom Kindergarten, das Begleiten auf dem Schulweg und zu Freizeitaktivitäten. Aufgrund des Trends zu größeren Entfernungen zwischen Wohn-, Schulstandort und Freizeitaktivitäten ist mit einem Wachstum der Kfz-Nutzung zu rechnen.

Tourismus

Der Städtetourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Wien. Er hat in den letzten Jahrzehnten stetig zugenommen. Der Tourismusverkehr verursacht vor allem räumlich und zeitlich begrenzte Probleme.

Güterverkehr

Zuggleise

Ein gut funktionierender Güterverkehr ist eine wesentliche Voraussetzung für die Qualität Wiens als Wirtschaftsstandort. Die Verkehrsleistung und das Verkehrsaufkommen im Binnengüterverkehr haben in den letzten Jahren abgenommen. Im Ziel- und Quellverkehr sowie im Durchgangsverkehr sind erhebliche Zunahmen des Verkehrsaufkommens zu verzeichnen. Die Stadt Wien steht im Güterverkehr vor mehreren Herausforderungen: Einerseits soll im Binnenverkehr ein möglichst störungs- und behinderungsfreier Ablauf ermöglicht werden. Andererseits ist trotz stagnierenden Verkehrsaufkommens eine wirkungsvolle Reduktion der Umweltbelastungen und die Entschärfung räumlicher und zeitlicher Problemschwerpunkte erforderlich.

Die Entwicklung des Straßennetzes muss einen Abbau des Staurisikos an besonders neuralgischen Straßenabschnitten ermöglichen. Die Bevölkerung und sensible Nutzungen müssen entlastet werden. Der Anreiz zur Kfz-Nutzung soll dabei nicht stark erhöht werden.

Den Bereich der City Logistik, der grundsätzlich privatwirtschaftlich funktionieren soll, will Wien stärken. Behinderungen für den Lieferverkehr sollen verringert und Logistikstandorte stadtplanerisch gesichert werden.

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