Fußgängerverkehr - Planungsergebnis Masterplan Verkehr Wien 2003

Gehsteig mit Kreidebeschriftung: Danke für’s zu Fuß gehen

Jeder Weg beginnt und endet mit einem Fußweg - ob zum abgestellten Rad, zur nächsten Haltestelle, zum Parkplatz ums Eck oder gleich zu Fuß bis zum Ziel. Alle Wienerinnen und Wiener sind etwa ein Drittel der Wege, die sie mobil sind, zu Fuß unterwegs. Deshalb treffen die Bedingungen für den Fußgängerverkehr alle Bevölkerungsgruppen. Ganz besonders treffen sie aber Gruppen wie ältere Menschen oder Kinder. Ältere Menschen haben in ihrem Alltag einen geringeren Bewegungsradius, Kinder legen einen Großteil ihrer Wege zu Fuß zurück. Die Bedingungen betreffen auch mehr Frauen als Männer. 60 Prozent aller Fußwege werden von Frauen zurückgelegt, nur 40 Prozent von Männern.


Verkehrssicherheit für Fußgängerinnen und Fußgänger

Ältere Frau mit Gehstock auf einem Fußgängerübergang

Der Anteil an verletzten Fußgängerinnen und Fußgängern bei Verkehrsunfällen in Wien beträgt etwa 20 Prozent. Bei getöteten Personen sind es sogar rund 60 Prozent. Neben Kindern und Jugendlichen sind besonders Seniorinnen und Senioren gefährdet. Die Erhöhung der Verkehrssicherheit für Fußgängerinnen und Fußgänger hat daher höchste Priorität.

Für Frauen und Mädchen ist neben der Verkehrssicherheit die persönliche Sicherheit von großer Bedeutung. Unsichere und bedrohliche Situationen können die Mobilitätsmöglichkeiten einschränken. Sie entstehen, wenn bei der Gestaltung von Verkehrsräumen Aspekte der Orientierung, Übersicht und Einsehbarkeit zu wenig berücksichtigt werden.

Ein Maßnahmenpaket soll umgesetzt werden. Es soll den Fußgängerverkehr auf dem derzeitigen hohen Niveau stabilisieren. Es soll die Lebensqualität und Verkehrssicherheit für Fußgängerinnen und Fußgänger verbessern. Es soll die Mobilitätschancen für Menschen mit besonderen Bedürfnissen stärken. Folgende Maßnahmen sind geplant:

  • Das subjektive Sicherheitsgefühl ist durch eine belebte Umgebung und damit positive soziale Kontrolle zu stärken.
  • Orientierung, Übersicht, Einsehbarkeit und eine ausreichende Beleuchtung der Wegrouten und Haltestellen öffentlicher Verkehrsmittel sollen sichergestellt werden.
  • Die Orientierung für mobilitätseingeschränkte Personen soll unter Einbeziehung von Fachleuten der Behindertenorganisationen verbessert werden; Lichtsignalanlagen sollen mit akustischen und taktilen Zusatzsignalen ausgestattet sowie taktile und akustische Leit- und Informationssysteme im Straßenraum errichtet werden.

Qualitätskriterien für Fußgängernetze

Es soll ein durchgängiges zusammenhängendes Fußwegenetz geschaffen werden. Das Fußwegenetz soll unter Berücksichtigung der Gehökonomie von Fußgängerinnen und Fußgängern gestaltet werden. Im bebauten Gebiet liegt der Schwerpunkt auf dem gezielten Lückenschluss (zum Beispiel Öffnung von bereits gewidmeten Durchgängen) und der Möglichkeit des barrierefreien Überwindens von Niveauunterschieden. In locker bebauten Gebieten ist die Schaffung von attraktiven Fußwegverbindungen (sichere Tag- und Nachtrouten) wesentlich.

Eine durchgehende, frei begehbare Mindest-Gehsteigbreite von zwei Metern ist bei neuen Platzgestaltungen und temporären Einrichtungen wie Kfz-Abstellplätzen sicherzustellen. Bei bestehenden Gehsteigen darf - wenn die räumlichen Voraussetzungen eine Gehsteigbreite von zwei Metern nicht zulassen - eine Mindestdurchgangsbreite von 1,5 Metern nicht unterschritten werden. Ebenso muss ein freier Lichtraum in der Höhe von 2,20 Meter zur Vermeidung von Verletzungen im Kopf-/Brustbereich freigehalten werden.

Die Schnittstellen zwischen dem Hauptstraßennetz und dem Nebenstraßennetz sollen durch besondere bauliche Maßnahmen deutlich erkennbar gemacht werden (zum Beispiel durchgezogene Gehsteige, Anhebung von Kreuzungsplateaus). Bei ampelgeregelten Fußgängerübergängen soll die mittlere Wartezeit für Fußgängerinnen und Fußgänger auf maximal 40 Sekunden reduziert werden. Die Grünphase in Sekunden soll ident mit der Schutzweglänge in Metern sein.

Die Überwindung von Höhenunterschieden soll durch die Nachrüstung bestehender Stiegenanlagen mit Rampen für Rollstuhlfahrerinnen und -fahrer sowie Kinderwägen erleichtert werden. Stationen des öffentlichen Verkehrs sowie stark frequentierte Über- und Unterführungen werden grundsätzlich mit Liftanlagen ausgestattet sein. Für den motorisierten Individualverkehr wird außerhalb des Hauptstraßennetzes die Einführung zusammenhängender Tempo-30-Zonen angestrebt. Tempo 30 fördert die Verkehrssicherheit und ist die Voraussetzung für einen erfolgreichen Mischverkehr.

Weiterführende Informationen

Verkehrsplanung für Fußgängerinnen und Fußgänger

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